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Konjunkturpaket: Vor allem Familien sollen entlastet werden

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Konjunktur-Maßnahmen sollen Familien entlasten

28.01.2009, 10:40 Uhr | rev

Sandra K. aus Ulm darf sich freuen. Die alleinerziehende Kassiererin mit 25.000 Euro brutto im Jahr wird mit den Konjunkturpaketen der Regierung für sich und ihren fünfjährigen Sohn in diesem Jahr 418,27 Euro zusätzlich zur Verfügung haben. Im kommenden Jahr sind es noch einmal 403,24 Euro. So hat es zumindest das Bundesfinanzministerium ausgerechnet, das die fiktive 30-Jährige zur Protagonistin einer Modellrechnung erkor. Die Botschaft der Regierung lautet: Alle Arbeitnehmer, vor allem aber Eltern werden in Zeiten der Krise spürbar entlastet. Die Berechnungen sind zwar nicht mehr ganz durchsichtig, weil sie das bereits in Kraft gesetzte Konjunkturpaket I und das erst jetzt erst auf den Weg gebrachte Konjunkturpaket II in einen Topf werfen. Teils beziehen sie sogar noch die vom Verfassungsgericht erzwungene Rückkehr zur alten Pendlerpauschale mit ein. Klar ist aber: Wenn alles glatt geht, werden vor allem Familien 2009 und 2010 unter dem Strich tatsächlich ein paar Euro mehr pro Monat zur Verfügung haben.

Krankenkassenbeitrag runter, Freibeträge rauf

Mit dem Konjunkturpaket I war bereits die Senkung des Arbeitslosenbeitrags von 3,3 auf 2,8 Prozent des Bruttolohns zum 1. Januar 2009 und die Erhöhung des Kindergelds um zehn Euro pro Monat (16 Euro ab dem dritten Kind) beschlossen worden. Mit dem zweiten Maßnahmenbündel wurden nun noch die Senkung des Krankenkassenbeitrags vom 15,5 auf 14,9 Prozent zum 1. Juli in Aussicht gestellt. Außerdem soll es für jedes Kind eine Einmalzahlung von 100 Euro geben, wahrscheinlich im März. Der steuerliche Grundfreibetrag wird in zwei Schritten angehoben und Steuertarife verschoben. Mentales Kuddelmuddel entsteht auch dadurch, dass die Maßnahmen zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Kraft treten und deshalb 2009 teilweise eben nur noch für ein halbes Jahr gelten. Trotzdem beziffert das Finanzministerium inzwischen auf den Cent genau, was Bürger je nach Lebenslage von den Krisenmaßnahmen zu erwarten haben.

Rechenbeispiel

So wird der fiktive Bauschlosser Martin H. mit 30.000 Euro Jahresgehalt, unverheiratet und ohne Kinder, durch die Konjunkturmaßnahmen 2009 um 227,61 Euro entlastet und 2010 um 327,27 Euro. Ingenieur Klaus B. mit 60.000 Euro brutto im Jahr, zwei schulpflichtigen Kindern und einer nicht berufstätigen Ehefrau kommt nach dem Rechenexempel des Finanzministeriums auf 878,88 Euro in diesem und 856,90 Euro im kommenden Jahr.

Immerhin: Mehr als Currywurst ohne Fritten

Ganze 1735,78 Euro für Herrn B. und seine Familie - das klingt nach einem Batzen Geld. Gerechnet auf 24 Monate für 2008 und 2009 sind es selbst für diesen Gutverdiener allerdings gerade einmal 72,32 Euro pro Monat. Teilt man das noch einmal durch die vier Köpfe der Familie, dann bleiben 18,08 Euro. Das ist mehr als das, was FDP-Chef Guido Westerwelle in einer ersten Grobberechnung Mitte Januar herausbekam. Er kam auf 3,10 Euro pro Bürger - einmal Currywurst ohne Fritten. Aber Experten streiten, ob die versprochenen Summen die Bürger wirklich reizen werden, mit zusätzlichen Anschaffungen die Konjunktur anzukurbeln. Immerhin dürfte der 100-Euro-Kinderbonus nach Einschätzung des Deutschen Kinderschutzbunds gerade Familien mit kleinem Einkommen etwas Luft verschaffen. 100 Euro - das ist der Jahresbeitrag für einen Sportverein, zehn Mal Schwimmen gehen mit Mama oder Papa, zehn Mal Kino oder zehn Kinderbücher. Wer seinem Kind Klavierstunden gönnen will, kommt allerdings nur ein Vierteljahr mit dem Kinderbonus hin. Und auch ein Schulranzen ist kaum für 100 Euro zu haben.

Ausgeben statt bunkern?

Die Einmalzahlung für Kinder, die Erhöhung des Kindergelds und des Regelsatzes für die 823.000 Kinder zwischen sechs und 13 Jahren in Hartz-IV-Familien um 35 Euro im Monat dürften sich aber mit Blick auf die Konjunktur am ehesten lohnen, glauben die Experten in den Wohlfahrtsverbänden. Wer Kinder hat, wird das zusätzliche Geld ausgeben, statt es auf der Bank zu bunkern, sind Fachleute überzeugt.


Quelle: dapd

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