27.04.2009, 12:38 Uhr | das geflügelte wort
Und selbst wenn man theoretisch das eine oder andere Stück durchaus erlauben würde, vielleicht auch, weil bei Markenklamotten die Qualität oft höher ist, bedeutet das nicht, dass man kommentarlos jeden Wunsch finanzieren muss. Es ist durchaus sinnvoll, wenn das Kind beziehungsweise der Jugendliche merkt, wie viel Geld ein solches Kleidungsstück tatsächlich kostet. Dazu kann man den Vorschlag machen, das angesparte Taschengeld zu opfern oder aber Ältere dazu bringen, sich einen Job zu suchen, um das teure "Hobby" zu finanzieren. Dann sieht man schnell, wie hoch der Wunsch anzusiedeln ist. Auktionshäuser wie Ebay sind eine günstige Alternative und der ein oder andere teure Kleidungswunsch kann auch mal zum Geburtstag oder zu Weihnachten erfüllt werden.
Doch nicht immer sind es die teuren Kleidungsstücke, die den Eltern die Haare zu Berge stehen lassen. Zerrissene Jeans und hennagefärbte, zottelige Frisuren, Baggy Pants und Köpfe mit ausrasierten Mustern, der Manga-Look, der die weiblichen Attribute extrem betont oder aber die Punkerfrisur inklusive dem dazugehörigen Styling können so manchen Streit in der Familie heraufbeschwören. Die meisten Jugendlichen probieren aus und was heute noch absolut "in" war, kann morgen schon total veraltet sein. Der beste Rat daher: Ruhe bewahren, denn je mehr der "Aufzug" in Frage gestellt wird, desto reizvoller wird er auch.
Vor allem Mädchen neigen dazu, verschiedene Stilrichtungen auszuprobieren und zum Beispiel mit Make-up zu experimentieren. Diese ersten Versuche können so knallig werden, dass den Eltern - und meist nicht nur denen - das Wort "billig" schnell in den Sinn kommt. Hier allerdings kann man etwas regulierend eingreifen. Das fängt bereits mit der Qualität der verwendeten Farben an. Es ist besser, man geht mit der Tochter einkaufen, lässt sie die Farben aus einem bestimmten Segment auswählen und greift selbst in die Tasche, um diese zu bezahlen. Denn das Taschengeld gibt oft nur Billigprodukte her, die sich in ihrer Farbintensität meist deutlich von anderen Farben unterscheiden. Viele der Mädchen sind froh, wenn sie von der Mutter oder der Paten-Tante den einen oder anderen Tipp zum Schminken bekommen. Wenn das nicht funktioniert, so kann man eine professionelle Schminkberatung vorschlagen, die in vielen Parfümerien angeboten wird und bei denen das Mädchen lernt, Grundsätze zu beachten.
Doch auch, wenn man hie und da ein bisschen steuern kann, letztendlich sollten die Jugendlichen ihren eigenen Weg finden. Sie experimentieren und der Stil, über den man sich heute noch aufgeregt hat, ist morgen sowieso ziemlich sicher schon wieder "out". Es führt lediglich zu Konflikten, wenn Eltern versuchen, einen bestimmten Kleidungsstil vorzuschreiben. Bestenfalls werden die Klamotten bei Freunden oder in der Garage versteckt und erst dann angezogen, wenn man sich den elterlichen Blicken entzogen hat. Normalerweise führt so was lediglich zu Streit. Es lässt sich kaum umgehen, dass die Jacke im Winter zu dünn, die Schuhe für Regenwetter ungeeignet oder die Stiefel im Sommer zu stickig sind - diese Erfahrungen muss der Jugendliche selbst machen. Gerade in der Pubertät ist es wichtig, dass man sich wohl fühlt und da können kalte Füße - Blasenentzündung hin oder her - völlig unwichtig sein.
Kinder und Jugendliche haben gute Gründe dafür, warum sie dies anziehen wollen und das nicht. Zuhören ist auch hier das A und O. Gehen Sie mit Ihrem Kind einkaufen, lassen Sie sich zeigen, was bei Teenies ‚in‘ ist und interessieren Sie sich für die jeweilige Stilrichtung. So erhalten Sie am ehesten die Möglichkeit, mit dem Kind im Gespräch zu bleiben und so vielleicht auf das Verwenden des einen oder anderen Kleidungsstücks, das Ihnen absolut nicht passt, Einfluss zu nehmen. Finden Sie z.B. einen Rock zu kurz oder ein Top zu sexy, so formulieren Sie Ihre Bedenken ruhig und überlegt, verbieten Sie aber nichts. Es ist allerdings nichts dagegen einzuwenden, wenn Sie sich das eine oder andere Kleidungsstück dann verbitten, wenn Sie selbst dabei sind. Bekommt der Teenager sonst die nötige modische Freiheit, wird er das relativ klaglos akzeptieren. Und wir Eltern sollten uns erstens ab und zu an unsere eigene Jugend erinnern und uns zweitens immer wieder bewusst machen, dass Jugendliche durch ihr Styling gerade in einer Umbruchphase wie der Pubertät einen großen Teil ihrer Selbstsicherheit und ihres Selbstbewusstseins gewinnen und sich eben selbst wohl fühlen müssen in ihrer Haut.
das geflügelte wort
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