19.05.2011, 09:49 Uhr
"Aila" bringt den Kindern der Grundschule Wittlich so einiges bei. Immer mehr Pädagogen setzen Schulhunde im Unterricht ein.
Die Klasse 3c einer Grundschule in Wittlich hat einen Schulhund. Aila kommt jede Woche als Hilfslehrer von Frauchen Anna Schmitt mit und bringt den Kindern vieles bei. Immer mehr Pädagogen setzen Schulhunde im Unterricht ein - bundesweit sind es bereits mehr als 1000.
Schulhund Aila ist der "Lieblingslehrer" der Klasse 3c. Wenn die quirlige Terrierhündin die Stufen im Treppenhaus der Grundschule "Friedrichsstrasse" in Wittlich (Rheinland-Pfalz) hochspringt, schallen ihr frohe Kinderstimmen entgegen: "Hallo Aila!". "Schön, dass Du da bist!" Mit dabei: Frauchen Anna Schmitt, die Klassenlehrerin. "Der Hund hat die ganze Klasse positiv verändert", sagt die 28-Jährige, und beginnt den Tag mit einer "Hundestunde". Die Kinder dürfen "Platz" und "Sitz" mit Aila üben. Und müssen Fragen zum Umgang mit Hunden beantworten, etwa: "Was bedeutet es, wenn ein Hund mit dem Schwanz wedelt?" "Er ist aufgeregt", kommt prompt die Antwort.
Doch Aila kann weitaus mehr, als die Acht- bis Zehnjährigen für Hunde zu begeistern. "Der Hund hat es geschafft, dass sich alle Kinder gut in die Klasse integriert haben", sagt Schmitt. Ein Junge habe anfangs gar nicht gesprochen oder mitgemacht. Erst der Vierbeiner, der im Klassenzimmer gern um Schulranzen und Kinderbeine streift, habe das Eis gebrochen. "Das Kind fing plötzlich an, mit und über den Hund zu reden." Und macht jetzt mit beim "Hunde-Rechnen" (Aila isst am Tag zwei Dosen "Schlappi". Wie viel isst sie an zwei Tagen?) oder "Hunde-Diktat". "Das macht Spaß", sagt auch Schülerin Zoé.
Schulhunde werden in Deutschland immer öfter eingesetzt. Die Gründerin von "Schulhundweb", Lydia Agsten, geht davon aus, dass es bundesweit inzwischen mindestens 1000 sind. "Die Hälfte ist in Regelschulen, vor allem Grundschulen, im Einsatz, die andere Hälfte in Förderschulen", sagt die Lehrerin im nordrhein-westfälischen Iserlohn, die selbst zwei Hunde ins Klassenzimmer mitnimmt. "Der Hund schafft eine gute Lernatmosphäre." Und habe "bessere Antennen für die Stimmung der Menschen". Anfang Oktober organisiert Agsten die erste Schulhundkonferenz in Dortmund. 80 Hundebesitzer haben sich schon angemeldet.
Auch Grundschullehrerin Gabriele Oswald-Hannemann aus Oberwiesen in der Pfalz ist begeistert, was ihre Hunde im Klassenraum bewirken. "Die Kinder gehen miteinander ganz anders um und kümmern sich um den Hund", sagt die Lehrerin an der Grundschule in Kirchheimbolanden. Der Boden ist immer blitzsauber, damit "Nala" - übrigens die Mutter von Aila - und "Luena" nichts Gefährliches fressen. "Bei uns liegt kein Spitzer oder Dreck herum", sagt Oswald-Hannemann, die seit vier Jahren jeden Tag einen Hund zum Unterricht bringt. Jacken hängen auch nicht über den Stühlen. Und leise sind die Schüler auch. "Weil sie wissen, dass ein Hund alles viel lauter hört."
Trotz aller Vorteile, die ein Schulhund hat: "Nicht jeder Hund ist dafür geeignet", sagt Expertin Agsten. Wenn ein Hund überfordert oder nicht richtig ausgebildet sei, sei das schlecht für Hund und Kinder. "Das Tier braucht beispielsweise auch einen Ruheplatz, wohin es sich in der Klasse zurückziehen kann." Und der auch für Kinder tabu ist. Beliebte Schulhund-Rassen seien Border Collies und Australian Shepherds. Agsten schätzt, dass der Trend zum Schulhund auch eine "Gegenentwicklung zur Technisierung" ist. "Wir Menschen brauchen auch Natur und Tiere."
Jeder Lehrer, der einen Schulhund einsetzt, sollte vorher ein Konzept entwickelt haben, meint Grundschullehrerin Schmitt. Außerdem sei eine Grundausbildung plus Besuch einer Hundeschule nötig. Den Erfolg sieht man bei Aila: Sie gibt Pfötchen, klatscht ab und erschnüffelt einen versteckten Stoff-Igel, den die Kinder versteckt haben - wenn es dafür Leckerlis gibt. Alle Kinder machen begeistert mit. "Der Hund hat keine Erwartungen an die Kinder. Er nimmt sie, so wie sie sind. Mit ihren Problemen und Unterschieden", sagt Schmitt.
Die Kinder können sich Schule ohne Aila gar nicht mehr vorstellen. "Ich finde es toll, dass wir sie streicheln können, dass wir mit ihr spielen können", sagt die achtjährige Zoé. Auch Aila findet ihren Job klasse: "Wenn ich ihr morgens das 'Besuchshund'-Geschirr anlege, ist sie immer ganz aufgeregt, weil sie weiß, es geht zur Arbeit", sagt Schmitt. Auch die Pause schmeckt der zweijährigen Hündin: Dann liegt sie hinterm Lehrerpult auf einem Stuhl und zerkaut genüsslich einen Knochen.
Quelle: dpa
Vanessa schrieb:
am 21. Mai 2011 um 10:38:13
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Hunde sind wunderbare Tiere
Ich kann nur jedem, der unter irgendwelchen Ängsten leidet. egal, ob Kind oder Erwachsener, empfehlen, sich
einen Hund anzuschaffen. Das ist die beste Therapie, die es gibt. Man muss raus, kommt unter Menschen, unterhält sich über den Hund und hat einen Kumpel an seiner Seite, ist niemals allein...
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paule schrieb:
am 21. Mai 2011 um 08:18:12
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Hund
Wundert mich, dass das so geht. Inzwischen sind so viel Allergiker und Asthmatiker in den Schulen - in der Klasse meiner Tochter wird
kaum mehr etwas unternommen, weil die Lehrerin die ganzen Auflagen der Eltern nicht mehr erfüllen kann oder weil immer ein paar Schüler nicht mitmachen können.
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Reiner schrieb:
am 20. Mai 2011 um 11:14:47
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Aila
Na, das ist doch mal was oder? Ich arbeite sehr viel mit Hunden (Peronaltraining) und kann bestätigen, dass der Mensch eine Menge von
Hunden lernen kann. Vor allem auch über sich selbst und den Umgang mit Anderen.
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