17.10.2011, 14:47 Uhr
Lehrer: Traumberuf oder Alptraum? (Quelle: imago)
Katrin V. (Name von der Redaktion geändert) ist 32 Jahre alt und unterrichtet seit zweieinhalb Jahren als Gymnasiallehrerin an einer Kooperativen Gesamtschule im Kreis Darmstadt-Dieburg. Bei dieser Schulform befinden sich Hauptschule, Realschule und Gymnasium unter einem Dach beziehungsweise unter einem Schulgelände. Sie unterrichtet die Fächer Englisch und Französisch.
Der Zustand der Klassenräume ist abhängig von der Schulform. Unser Schulgebäude ist auf drei Gebäude aufgeteilt. Davon sind manche sehr neu mit hellen Räumen und die sind auch gut ausgestattet - mit Multimediatafeln zum Beispiel. Doch die alten Gebäude sind schlecht ausgestattet. Das fällt in meinem Unterricht nicht so auf, aber zum Beispiel im Biologie-Unterricht fehlen moderne Gerätschaften. Wir müssen zwischen den Gebäuden pendeln, das sind von den am weitesten entfernten Gebäuden zwei Minuten mit dem Fahrrad. Die Schülerzahl ist ebenfalls von der Schulform abhängig. Am Gymnasium haben wir - zumindest in meiner jetzigen Klasse - 32 Schüler in einer Klasse. An der Hauptschule sind es weniger Schüler, da sind nur 16 Schüler in einer Klasse, soweit ich weiß.
Unser Verhältnis ist gut. Ich achte auf sehr ein vertrauensvolles Verhältnis. Die Schüler wissen, dass ich sie nicht in die Pfanne haue und das spielen sie mir zurück. Sie merken meinen guten Willen. Wie gerne sie allerdings an meinem Unterricht teilnehmen, ist natürlich fachabhängig. Wenn jemand keine Lust auf Französisch hat, merke ich das natürlich auch.
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Die meisten Lehrer haben ein gutes Verhältnis zu ihren Schülern. Doch es gibt auch überforderte Lehrer, die keine Lust auf ihre Schüler haben, das merkt man schnell. Die haben aber meistens einfach keine Lust auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und haben im Endeffekt den falschen Beruf erlernt.
Wir haben drei Schulsozialarbeiter. Eine arbeitet an der Verknüpfung Schule und Beruf und ist zuständig für Arbeiten an der Bewerbung oder Bewerbungstraining. Die andere erstellt soziale Konzepte für die Schule. Mit ihr arbeiten wir Lehrer zusammen, wenn es zu Konflikten kommt. Auch, wenn ein Misshandlungs- oder Missbrauchsverdacht aufkommt. Was die dritte macht, weiß ich nicht. Die Schulsozialarbeiter sind sehr wichtig, da sie uns gut unterstützen, wenn es um Konflikte geht. Sie kennen sich mit vielen alltäglichen Problemen aus, die an der Schule vorkommen, für die wir Lehrer eigentlich nicht richtig ausgebildet sind.
Das Verhältnis ist sehr gut. Alle Referendare - bisher waren es um die zwanzig - wollten an der Schule bleiben. Und das, obwohl die Schulform mit der Dreigliederung ja kein "normales" Gymnasium ist und noch andere Anforderungen stellt. Wir haben ein sehr offenes Verhältnis im Kollegium und auch zur Schulleitung. Doch diese gegenseitige Wertschätzung ist wohl eher die Ausnahme. Jedenfalls erzählen Kollegen, die doch an andere Schulen gegangen sind, dass es dort häufig anders zugeht.
Da gibt es keine pauschale Aussage. In der Klasse funktioniert es meistens gut. Man kann mit der Klasse ja auch Konflikte lösen. Konflikte gibt es aber meistens zwischen den Schulformen. Die Gymnasiasten gelten bei den anderen als arrogant, die Hauptschüler als asozial. Es kommt auch manchmal zu Mobbing. Die gemobbten Schüler sind meistens Außenseiter, die werden von aggressiven Schülern aufgezogen. Doch es gibt natürlich auch ganz viele sozial kompetente Schüler.
Die gemobbten Schüler sind keine reinen Opfer und die anderen sind keine reinen Täter. Es ist eher ein Kreis: Das Opfer verhält sich so, dass Mobbing möglich ist. Beispielsweise dadurch, dass es sich selbst schnell aufregt und dadurch zu einer "guten" und interessanten Zielscheibe für die anderen Schüler wird.
Wir machen ein Sozialtraining in den Klassen - für ein gutes Klassenklima. Das ist eine Wertestunde in der Woche, in der an der Sozialkompetenz der Schüler gearbeitet wird. Durch die soziale Klassengemeinschaft soll Mobbing verhindert werden. Die Sozialarbeiterin gestaltet Projekte zum Patenkonzept, bei dem die jüngeren Schüler einen Paten aus den älteren Klassen zugeteilt bekommen. Außerdem gibt es Streitschlichter unter den Schülern, die sind in Gesprächsführung ausgebildet und schlichten Konflikte auf dem Schulhof oder auch in den Klassen. Außerdem gibt es Klassenfahrten für verschiedene Ziele. Zum Beispiel für die Teambildung in der Klasse, das wird in der fünften Klasse gemacht, damit die Klasse zusammen findet.
Nicht so, wie es in den Medien immer klingt. Bei uns gibt es keine Schüler mit Messern oder so. Natürlich gibt es Prügeleien. Ich musste in den letzten dreieinhalb Jahren bei zwei Prügeleien dazwischen gehen.
Das ist definitiv ein Problem, vor allem auf der Haupt- und Realschule. Wirklich dagegen tun können wir wenig. Wir haben eine gute Entschuldigungspraxis um früh zu merken, wenn ein Kind schwänzt. Dann wird eng mit den Eltern zusammen gearbeitet, das funktioniert oft ganz gut.
Bei mir ist ein Dauerschwänzen noch nicht vorgekommen. Bei Älteren kommt es schnell zu einer Attestpflicht. Wenn die Schüler 18 sind, brauchen sie ja eigentlich keine Entschuldigung mehr. Damit das Schwänzen aber nicht ausufert, müssen sie ein Attest vom Arzt mitbringen. Ansonsten bekommen sie einen Eintrag "unentschuldigtes Fehlen", der dann auch im Zeugnis steht. Das wollen die Wenigsten im Abizeugnis stehen haben.
Ja! Ich wollte schon immer am Gymnasium Lehrerin sein. Ich mag die Inhalte des Unterrichts, arbeite gerne mit meinen Schülern und bin einfach gerne mit Kindern und Jugendlichen zusammen. Ihnen etwas beizubringen macht mir Spaß.
Nein. Ich war während der Ausbildung im Referendariat vielleicht mit den Nerven am Ende, das lag aber nicht an den Schülern, sondern an der Ausbildung an sich.
Quelle: t-online.de
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