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Leihmutterschaft: Was kinderlose Paare in Bewegung setzen

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Für dich tun wir alles! Ein Kind um jeden Preis

23.04.2010, 17:11 Uhr | nak

"Wie bei einer Geburt!" - Papa Harald mit seinen beiden Söhnen Jeremy und Miguel. (Bild: ZDF, Thomas Piechowski)

"Wie bei einer Geburt!" - Papa Harald mit seinen beiden Söhnen Jeremy und Miguel. (Bild: ZDF, Thomas Piechowski)

Etwa jedes sechste Paar in Deutschland ist ungewollt kinderlos. Viele Paare wollen sich mit ihrem Schicksal nicht abfinden und scheuen weder Kosten noch Mühen, um ihren Traum endlich wahr werden zu lassen. Adoption oder Leihmutterschaft - legal oder illegal? Die ZDF.reportage hat sich mit dem Thema "Für dich tun wir alles! Ein Kind um jeden Preis" auseinandergesetzt.

Menschlicher "Brutkasten"

Ina und Frank haben sich dafür entschieden, ihren Kinderwunsch mit Hilfe einer ukrainischen Leihmutter zu erfüllen. Wegen einer Krebserkrankung musste Ina die Gebärmutter entfernt werden, deshalb kann sie keine eigenen Kinder zur Welt bringen. Über eine Vermittlungs-Agentur im Internet fand das Paar eine Frau, die sich bereit erklärte, ein Kind mit den Genen von Ina und Frank auszutragen - quasi als menschlicher "Brutkasten". Moralische Skrupel hatten Ina und Frank nicht. Die Erfüllung ihres Kinderwunsches war ihnen wichtiger als die Einhaltung deutscher Gesetze: In Deutschland ist die Leihmutterschaft nämlich streng verboten und illegal. Denn nur wer das Kind zur Welt gebracht hat, gilt hier als leibliche Mutter. Um nicht in Erklärungsnot zu geraten, hat Ina in Deutschland eine Schwangerschaft vorgetäuscht. Das Paar zahlte zwischen 7.000 und 11.000 Euro an die Leihmutter und kehrte dann mit Zwillingen und Geburtsurkunden zurück nach Deutschland.

Keine ethischen und moralischen Bedenken

Ethische oder moralische Bedenken äußern die frischgebackenen Eltern über das Austragen ihrer Zwillinge in einer fremden Gebärmutter nicht. Frank argumentiert mit einem Beispiel aus dem Tierreich, dem Kuckuck: "Es ist immer noch ein Kuckuck, der da rauskommt." Frank weiter: "Sicher machen die das nicht aus Freude uns zu helfen, aber es besteht für sie kein Zwang".

Wie geht die Leihmutter damit um?

Wie aber geht eine Leihmutter mit ihrer schwierigen Situation um? Die ZDF.reportage zeigt dies am Beispiel der 32-jährigen Walentyna B. aus Kiew. Sie ist im siebten Monat schwanger, trägt Zwillinge für ein deutsches Paar aus. Die Kinder will sie nach der Geburt nicht sehen, sie sieht sich selbst als Dienstleisterin, die ihren Job erledigt. Rund 15.000 Euro bekommt sie für ihre "Leihschwangerschaft". Dieses Geld braucht sie dringend: Walentyna, ihr Mann und ihre drei Söhne leben am heruntergekommenen Stadtrand der Millionenmetropole Kiew in einer tristen Ein-Zimmerwohnung. Mit dem Geld will Walentyna eine größere Wohnung kaufen. Hierfür reicht allerdings eine einzige Schwangerschaft nicht - etwa 60.000 Euro kostet eine größere Wohnung in einer besseren Gegend. Walentyna trägt fremdes Leben aus, um ihr eigenes zu verbessern. Ihr Mann ist mit der Situation einverstanden, denn auch er weiß, das Geld wird gebraucht.

Leihmutterschaft ist in der Ukraine legal und boomt

In der Ukraine ist die Leihmutterschaft völlig legal. Der Leiter einer privaten Geburtsklinik gibt bereitwillig Auskunft. Frauen haben meist schon eigene Kinder. Ethische Bedenken ihre Gebärmutter zu verleihen bestünden bei den Frauen nicht. Vielmehr hat die Klinik ein bis zwei Anfragen pro Monat aus dem Ausland.

Alternative Adoptivkind

ZDF-Reporterin Annegret Oster zeigt an einem weiteren Beispiel, welche Anstrengungen Paare für ihren Kinderwunsch auf sich nehmen: Stephanie und Harald K. warten seit über drei Jahren auf ein Adoptivkind. Zusammen mit ihrem vierjährigen Sohn Jeremy fliegen sie nach Kolumbien, um dort ihren Adoptivsohn abzuholen. Bis zum ersten Treffen haben sie nur ein Foto von ihm, wissen praktisch nichts über seine Herkunft. Die ZDF.reportage begleitet die Familie in eines der ärmsten Gebiete Kolumbiens und ist mit dabei, als der blonde Jeremy zum ersten Mal seinen neuen schwarzen Bruder trifft. Wie wird der zweijährige Miguel Angel sich in seinem neuen Leben zurechtfinden? Wird er Harald und Stephanie als seine Eltern annehmen?

Auslandsadoption legal, bürokratisch und emotional

Mehr als 1200 Paare in Deutschland adoptieren jedes Jahr ein Kind aus dem Ausland. Für sie bedeutet das einen regelrechten bürokratischen Hindernislauf. Harald K. zählt auf: "Mehrere Hausbesuche, vier bis fünf Abendseminare und ein Wochenendseminar". Dann die beschwerliche Anreise in die kolumbianische Provinz, der Druck bei der "offiziellen Übergabe", dem ersten Treffen des Adoptivkindes mit seinen neuen Eltern. Oster zeigt weiter, dass es auch für das Adoptivkind nicht leicht ist, mit der neuen Situation klar zu kommen. Anfängliche Scheu und komplettes Ignorieren von Apotivmutter und - bruder kennzeichnen das Verhalten des zweieinhalbjährigen Miguel. Kontakt nimmt dieser anfangs nur zum neuen Papa auf. Doch nach einigen Tagen akzeptiert er glücklicherweise auch die anderen Familienmitglieder.

Zwei Wege zum Wunschkind

Die ZDF.reportage zeigt einerseits das knallharte Geschäft der Leihmutterschaft, das keine Gefühle zulässt. Das Wunschkind wird hier zur begehrten Ware, die Geld in die Kasse bringt. Im Gegensatz dazu schildert Oster in ihrem Film auch die Gefühlsachterbahn aller, die eine Auslandsadoption auf sich nehmen, um an ihr Wunschkind zu kommen. Behördliche Bürokratie, behutsames Kennenlernen, fremde Kulturen. Zwei Wege zum Wunschkind - einer legal, einer illegal, beide verbunden mit enormen Risiken und finanziellem Aufwand und mit einer Achterbahnfahrt der Gefühle.


Quelle: t-online.de

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Kommentare (1)

zum Forum

Thema: "Leihmutterschaft: Was kinderlose Paare in Bewegung setzen"

Theres schrieb: am 12. März 2011 um 22:46:24
(0) (0) Elternlos
In meiner langjährigen praktischen Arbeit mit Eltern und Kindern musste ich leider eines erfahren: Für die meisten Adoptiv - und
Pflegekinder wäre es besser gewesen, sie wären nicht in diesen Familien. Ich wage zu behaupten, dass dies bei "gespendeten" Kindern nicht besser läuft. Es geht doch nur darum, dass diese Erwachsenen sich ihen persönlichen Lebenswunsch erfüllen. Die wirklichen Bedürfnisse des Kindes werden zwar benannt, leider in den wenigsten Fällen auch gelebt.
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