
20.10.2011, 15:21 Uhr
Querflöte, Ballett, Reiten und Stepptanz: Doch was die Kinder wollen, ist zu oft zweitrangig. (Quelle: imago)
Lehrerin an einer Waldorfschule, München
Viele meiner Schüler haben seit frühester Kindheit Erfahrung mit Anthroposophie, weil sie bereits Waldorfkindergärten besucht haben. Ich selbst war ebenfalls auf einer Waldorfschule und halte die von Rudolf Steiner begründete Weltanschauung gerade für Kinder in der heutigen Zeit eigentlich für sinnvoll - vor zu ambitionierten Eltern schützt sie allerdings nicht. Manchmal gewinne ich den Eindruck, gerade Eltern, die sich für diese besonderen Schulen entschieden haben, haben mit ihren Kindern ganz besonders Großartiges vor.
Immer wieder staune ich, was den Kleinen abverlangt wird: Sie müssen Querflöte, Ballett, Reiten und Stepptanz können, am besten noch zwei Fremdsprachen fließend beherrschen und auch in Mathematik und Geografie ein Ass sein. Wenn man diese Eltern aber fragt, wie das gehen solle, zucken sie mit den Schultern oder verlieren sich in Rechtfertigungsmonologen, dass man den Kindern doch auch mehr bieten müsse, weil man selbst nicht die Chance gehabt habe.
Ich habe viele Eltern kennengelernt, die sich nach außen hin um ein besonders cooles, lässiges Image bemühen (viele sind Künstler, Schauspieler oder einfach nur "Lebenskünstler"), aber in Gesprächen mit Lehrern diese Fassade nicht aufrechterhalten können: Sie wollen ihren Kindern nicht nur besonders Großartiges bieten, die Kinder sollen gefälligst auch besonders Großartiges daraus machen.
Somit wird in den Zeugnissen, die bis zur achten Klasse ohne Jahresabschlussnoten erstellt werden, meistens zwischen den Zeilen gelesen. Viele Eltern kommen mit den schriftlichen Beurteilungen zu uns Lehrern und haken nach - warum, wieso, weshalb. Mehrfach wurden wir Lehrkräfte aufgefordert, gewisse Formulierungen zurückzunehmen oder nicht zu wiederholen.
Einmal schrie eine Mutter hysterisch herum: "Ich will nicht, dass mein Kind so negativ beschrieben wird! Ich will ein positives Kind!" Ein Satz, der für mich die aktuelle Eltern-Generation richtig charakterisiert: Eltern, selbst die, die sich für eine Waldorfschule entschieden haben, wollen positive, gelungene, funktionierende, leistungsstarke Kinder. Was die Kinder wollen, ist zweitrangig.
Quelle: Spiegel Online
Wolfgang schrieb:
am 25. Oktober 2011 um 15:58:01
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Böse Eltern?
Mama, da gebe ich dir recht.Für alles was die Lehrer nicht machen wollen,sind die Eltern verantwortlich und natürlich auch
schuld.Es ist schon richtig,daß auch Papa und Mama ihre Pflichten haben,aber in pädagogischen Fragen sollte man sich auch die Fachleute verlassen.Was ich während meiner Schulzeit an sogenannten Pädagogen erlebt habe,geht leider auch auf keine Schulzeit.Der Stoff wird durchgezogen auf Teufel komm raus; Vogel friß oder stirb. Das ist die Traurige Wahrheit.
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Nana schrieb:
am 21. Oktober 2011 um 23:25:57
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Immer mehr Leistung
Höher, schneller, weiter. Die Folge: Verweigerung und Depression. Wann endlich holt man Menschen dort ab, wo ihr
Potential liegt. Wann endlich wird jede Arbeit vernünftig bezahlt, dass nich alle jungen Menschen glauben, nur über ein Studium ein erträgliches Einkommen zu erzielen. Wir brauchen alle Gewerke, damit das Leben zwischen allen klappt !!! Nicht jeder Mensch möchte und ´muß Karriere machen. Viele sind mit weniger zufrieden, Aber leben muß man davon können.
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Mama schrieb:
am 21. Oktober 2011 um 22:14:30
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Immer die böse Eltern
Ja, es sind die böse Eltern immer schuld. Die Eltern muss man erziehen. Die sind bekanntlich total inkompetent.
Schwachsinn.
Leistungsdruck kommt nur von den Eltern? Lachhaft!!! Wer hat sich über Pisa aufgeregt, die Eltern etwa? Wer packt super-ehrgeizige Programme in dem Schuljahr? Wer entscheidet dass weniger Betreuungspersonal besser ist?
Tja ja, die ELTERN, klar!
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