16.05.2011, 15:20 Uhr | rev
Ein Paar aus Israel nannte seine neugeborene Tochter "Like" - nach dem Like-Button (Gefällt-mir-Knopf) des sozialen Netzwerkes Facebook. (Foto: imago)
Früher ließen sich werdende Eltern in Israel von der Bibel inspirieren, heute verlassen sich manche lieber auf das Internet. Das Ehepaar Lior und Vardit Adler aus Hod Hascharon bei Tel Aviv jedenfalls nannte seine neu geborene Tochter Like - nach dem Like-Button (Gefällt-mir-Knopf) des sozialen Netzwerkes Facebook.
"Facebook schafft heute Revolutionen", begründete Vater Lior die ungewöhnliche Namenswahl. Allerdings müsse das nicht auf seine Tochter abfärben: "Ich will nicht unbedingt eine Revolutionärin großziehen", räumte er ein.
Das Ehepaar Adler hat den Namen Like auch als vorbeugende Maßnahme gewählt. Wenn schon alle Freunde und Bekannten den Like-Button anklicken, sobald sie die ersten Bilder des süßen Babys sehen, dann könne man das Mädchen auch gleich so nennen, lautet die Logik. Wie recht die Adlers hatten: Über 40 Mal hätten Facebook-Freunde den Knopf schon angetippt, berichtete die Tageszeitung "Maariv".
Und dass es sich die stolzen Eltern mit dem Namen wirklich nicht einfach gemacht haben, lässt auch folgende, etwas hintersinnige Begründung des Vaters erahnen: "It's my girl, my love and I like her (Sie ist mein Mädchen, meine Liebe und sie gefällt mir)."
Vater Lior Adler geht fest davon aus, dass Familie und Freunde wegen des ungewöhnlichen Namens die Stirn runzeln werden. "Sie glauben das einfach nicht", sagte er. Und hat er Sorgen, dass die Tochter ihre Eltern irgendwann verfluchen wird? "Ich habe sie gefragt, aber sie hat nicht geantwortet", sagte der Vater lachend.
Irgendwie sind die Adlers auch Wiederholungstäter. Die Namen für die ersten beiden Mädchen fanden sie beim gemeinsamen Hobby, dem Kochen. Das eine heißt Dvasch (Honig) und das andere Pie (Kuchen).
Übrigens: Die fünf beliebtesten Namen für neugeborene jüdische Mädchen in Israel lauten nach der Statistik: Noa, Shira, Maya, Tamar und Yael.
Auch in Deutschland lassen sich Paare immer häufiger skurrile Namen einfallen, wie Joachim Tryba, Fachberater beim hessischen Landesverband der Standesbeamten, erklärt. "Die Vielfalt an Vornamen hat sich enorm erhöht", beobachtet Gerhard Müller von der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden. Während man sich vor etwa 50 Jahren noch aus einem Vorrat von bis zu 1000 traditionellen Vornamen bediente, seien mittlerweile weit mehr als 10.000 Rufnamen im Umlauf.
"Viele Eltern machen sich offenbar keinen Kopf darüber, was sie ihren Kindern mit Namen antun können. Viele denken offenbar: je ungewöhnlicher, desto besser", vermutet Tryba. Doch Deutschland ist nicht das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. "Es dürfen keine lächerlich wirkenden Namen sein oder welche, die sich wahrscheinlich als lebenslange Belastung erweisen", erläutert Tryba. Andererseits fragen sich auch zahlreiche Eltern, was der Staat bei der Namensgebung mitzureden habe, sagt Gerhard Müller.
Einige allgemeine Regeln sind in Deutschland für Eltern zu beachten: Der Name oder zumindest ein zweiter ergänzender, muss das Geschlecht des Kindes erkennen lassen. Er darf kein Titel wie zum Beispiel "Prinzessin" und kein Orts- oder Markenname wie zum Beispiel "Escada" sein. Auch die Anzahl der Vornamen ist für gewöhnlich nicht unbegrenzt: Es liegt im Ermessen des Standesbeamten, wie viele Namen ein Kind bekommen kann. Als Faustformel gilt: Sieben "normale" Vornamen oder fünf selten gebrauchte sind laut Tryba erlaubt. Zuweilen müssen die Differenzen bei der Vornamensgebung vor Gericht gelöst werden. So wurde vor einigen Jahren entschieden, dass der Vorname "Frieden-Mit-Gott-Allein-Durch-Jesus-Christus" bei allem Respekt vor der Religiosität nicht geht.
In Deutschland werden pro Jahr Dutzende Gerichtsverfahren im Streit um Vornamen geführt. Vom Amtsgericht aufwärts kann der Weg theoretisch bis in höchste Instanzen führen. Damit es nicht zum Äußersten kommt, appellierte der Präsident der Standesbeamten, Jürgen Büssow, an seine Kollegen: Sie müssen "viel Fingerspitzengefühl und umfassende Rechtskenntnisse haben", um befriedigende und abgesicherte Lösungen zu finden. Dabei kann die "Gesellschaft für deutsche Sprache" in Wiesbaden helfen. Die Wissenschaftler und Experten geben Auskünfte und erstellen Gutachten. "Unsere Beamten wissen manchmal schlichtweg nicht, ob der gewünschte Rufname nun männlich oder weiblich ist", sagt Tryba. Der Germanist und Namensforscher Müller schaut in zahlreiche Vornamensbücher und lange Listen der eigenen Dokumentation, in denen mehr als hunderttausend Namen verzeichnet sind. Müller und seine Kollegen können sich über mangelnde Nachfrage nicht beklagen. "Wir haben pro Jahr etwa 2000 Anfragen." Noch vor 15 Jahren wurden die Experten im Jahr nur einmal in 100 Fällen schriftlich zu Rate gezogen.
Quelle: dpa
SFW schrieb:
am 29. Dezember 2011 um 23:09:39
(0)
(0)
Namensgebung
Ich glaube nicht, daß Eltern, die ihr Kind nach dem "Gefällt mir-Button" von Facebook o.ä. benennen, geistig in der
Lage sind ein Kind großzuziehen. Diese "Eltern" sollten lieber weiterhin im Internet rumspielen oder sich ein Haustier zulegen, dem sie dann solche blödsinnigen und ausgeflippten Namen geben können. Dem Tier ist es nämlich egal wie es heißt, denn es muß sich nicht jahrelang im Kinder- und Jugendalter von anderen veralbern und hänseln lassen.
mehr
Kommentar melden
Störenfried schrieb:
am 17. Mai 2011 um 10:59:35
(0)
(0)
Kindernamen
Viel schlimmer sind üble Nachnamen, vor allem wenn sie sich in der Geschichte nicht bewährt haben und traurige Berühmtheit
erlangten. Wenn einem der eigene Vorname nicht gefällt, kann man ihn netten Leuten gegenüber verbergen, indem man mitteilt, wie man genannt werden will. Auf dem Amt geht das zwar nicht, aber bei netten persönlichen Kontakten ist das kein Problem. Selbst Eltern verwenden manchmal bekannte Kürzungen, z.B. Hajo für Hanns-Joachim.
mehr
Kommentar melden
Besonders schrieb:
am 17. Mai 2011 um 10:58:21
(0)
(0)
Wer etwas Besonderes will,
der sollte selber etwas Besonderes schaffen oder leisten und das nicht am Kind auslassen. Sich einen Namen
auszudenken ist jetzt nicht wirklich was dolles, zumal die Namen ja selten eigene Kreationen sind, sondern irgendwo abgeschaut. Alle Arwens lassen grüßen... Es ist eine lebenslange Pest, wenn man seinen Namen immer buchstabieren muß, nur weil die Eltern sich hervorheben wollten ;-)
mehr
Kommentar melden
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Die neue Frühlingskollektion von Topmarken: tolle Schuhe, Mode u.v.m. - Versand gratis. mehr
Extravagante und schicke Damen-
mode für die neue Saison: jetzt online bestellen. von WENZ
Tolle Kurven perfekt in Szene gesetzt: zauberhafte Damenmode bis Größe 60. zum XXL-Special
Die Namen Edward und Bella, be- kannt aus der Vampir-Saga, stehen bei Eltern hoch im Kurs. zum Video
