13.10.2008, 16:00 Uhr | ots; ruf
Präventionsarbeit im Bereich der Sprachentwicklung ist wichtig. (Bild: Archiv)
Sprachfehler, Stottern, undeutliches Sprechen oder ein sehr spätes Erlernen der Muttersprache kommen bei Kindern häufiger vor. Unbehandelt kann es zu Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung führen. Doch "logopädisches Wissen wird in Deutschland bisher viel zu selten für die Präventionsarbeit im Bereich der Sprachentwicklung genutzt", darauf wies die Präsidentin des "Deutschen Bundesverbandes für Logopädie" (dbl) Dr. Monika Rausch hin. "Logopäden sind nicht nur Experten für Sprach- und Sprechstörungen. Die Grundlage ihrer Expertise bildet vielmehr die detaillierte Kenntnis normaler physiologischer Funktionen und Entwicklungen. Dieses Fachwissen über die verschiedenen Phasen der Sprachentwicklung stellt unsere Berufsgruppe in unterschiedlichen Formen gerne zur Verfügung", so Rausch.
Insbesondere die Fähigkeit, bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt sprachauffällige Kinder von denjenigen zu unterscheiden, die eine medizinisch relevante Störung haben, zeichnet Logopäden aus. "Dass Kinder häufig erst im Einschulungsalter und damit viel zu spät zu einer notwendigen Sprachtherapie kommen hängt auch damit zusammen, dass das logopädische Wissen über die Unterscheidung zwischen Förderbedarf und Therapiebedarf im frühen Kindesalter zu selten abgerufen wird", erklärte Rausch.
Auch im Bereich der Sprachförderung, insbesondere von Kindern mit Migrationshintergrund, verfügen Logopäden über Wissensressourcen, die mit weit verbreiteten Vorurteilen aufräumen. "Eine stabile Muttersprache ist das beste Fundament für weitere Sprachen", so die dbl-Präsidentin. Der häufig gegebene Ratschlag an Eltern nicht deutscher Muttersprache, mit ihren Kindern unbedingt deutsch zu reden, obwohl sie die deutsche Sprache selbst nur bruchstückhaft beherrschen, gehe in die völlig falsche Richtung, so Rausch.
Kontraproduktiv sei auch, den Eltern einzureden, dass die Förderung der Sprachentwicklung ihrer Kinder eine schwierige Angelegenheit sei. "Viele Eltern sind zutiefst verunsichert und haben Angst, alles falsch zu machen. Dabei weiß die Spracherwerbsforschung, dass Eltern in der Regel eine gute Intuition für die sprachlichen Bedürfnisse ihrer Kinder haben. Diese gilt es zu stärken", fordert die dbl-Präsidentin.
Monika Rausch wies darauf hin, dass der Deutsche Bundesverband für Logopädie (dbl) als Berufs- und Fachverband von 10.000 niedergelassenen und angestellten Logopäden sich im Nationalen Integrationsplan verpflichtet habe, an der Elternberatung zur Sprachentwicklung mitzuwirken. "Dieses Versprechen haben wir durch frei zugängliches, umfassendes Informationsmaterial, durch eine dreisprachige, interaktive Wanderausstellung zur Sprachentwicklung und Sprachförderung sowie durch die Entwicklung eines logopädisch fundierten Sprachförderkonzeptes für den Alltag in Familien und Kindertagesstätten eingelöst und freuen uns, wenn die zuständigen Stellen in den Ländern und Kommunen darauf zurückgreifen", so dbl-Präsidentin Dr. Monika Rausch.
ots; ruf
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