25.11.2011, 15:00 Uhr | mmh
Märchen haben gerade Hochkonjunktur. Die Buchverlage und TV-Show-Macher können das Grimm-Jubiläum gar nicht erwarten, das eigentlich erst im Jahr 2012 ins Haus steht. Doch warum sind Märchen eigentlich so zeitlos? Oder wird ihnen der Platz in den Herzen der Kinder streitig gemacht durch neuere zauberhafte Geschichten wie Harry Potter, Dschungelbuch, König der Löwen oder Herr der Ringe? Wir haben t-online-Leser nach ihrem Lieblingsmärchen gefragt. Der Spitzenreiter ist ein absoluter Märchenklassiker.
Das ZDF zeigte jetzt "Deutschlands fantastische Märchenshow" mit Jörg Pilawa und kürte dort Schneewittchen zu Deutschlands Lieblingsmärchen, gefolgt von Harry Potter. Wir ließen unsere Leser aus den größten Klassikern wählen. Das sind Ihre Top 10 der Märchen:
Der Wolf und die sieben Geißlein
Kinder, denen vorgelesen wird, sind erfolgreicher in der Schule und gestalten ihre Freizeit aktiver. zum Video
Aschenputtel, Schneewittchen, Dornröschen - sie gehören zur Kindheit in Deutschland dazu. Grimms und Andersens Märchen sind so etwas wie ein Weltkulturerbe, denn ähnliche Märchenfiguren gibt es in aller Welt. Dank Disney, KiKa-TV & Co. bleiben diese Figuren auch für weitere Generationen lebendig. Freundschaft, Trauer, Leid, Hoffnung, Glück, Liebe - diese Ur-Erfahrungen stecken in allen Märchen. Märchenexperten wissen, was das Geheimnis ist, das Märchen so unsterblich macht.
"Märchentante", Stephanie zu Guttenberg brachte das Buch die "Märchen-Apotheke" als Heilmittel für Kinderseelen heraus. Bieten Märchen wirklich Rezepte für den Alltag, für die Kindheit, für das Leben?
Aschenputtel als Therapie für nicht-funktionierende Patchworkfamilien? Die kluge Bauerntochter als Lebensentwurf für Hochbegabte? Der Wolf und die sieben Geißlein als Selbsthilfegruppe bei Online-Sucht? Rapunzel als Migrationsbeauftragte? Allerleirauh deckt sexuellen Missbrauch auf? König Drosselbart kuriert Magersucht und Hase und Igel lösen die Mobbing-Thematik? So ziemlich alle Schlagworte der aktuellen Erziehungsratgeber sind in der “Märchen-Apotheke” (Kösel, 2011) versammelt, die sich in der Verbindung von Grimms Märchen und kleinen Einführungen in die Thematik als "Heilmittel für Kinderseelen" versteht. Doch ist es wirklich so einfach?
“Nein”, sagt Märchenerzählerin Sabine Lutkat, “diese ganz konkrete Zuordnung eines bestimmten Problems widerspricht allem, was Märchen wollen. Das verspricht etwas, was das Buch und die Märchen nicht halten können.” Grundsätzlich könnten Märchen Anleitungen zum Leben sein, in Workshops, Seminaren und Therapien werden Märchen eingesetzt, auch für Management und Paarbeziehungen.
Märchen sprechen grundsätzliche Probleme an, aber nicht konkrete. es geht um Angst, Verlust, Furcht, Tod, Freundschaft, Liebe, Eifersucht. Um Erfahrungen, die in den Geschichten zwar historisch eingebettet sind, aber für jeden verständliche Grunderfahrungen sind, über alle Zeiten hinweg
Sie selbst würde zwar immer dafür plädieren, Märchen zu erzählen, aber nicht zu einem bestimmten Zweck, ohne "um zu". Diese “Wenn-dann-Rezeptur” sei allerdings momentan sehr gefragt. “Eltern sind auf der Suche nach Erziehungs-Rezepten und Handlungsanleitungen”. Ein Phänomen unserer Zeit.
Das gesuchte Rezept heißt: Wenn Kinder diese Geschichte hören, dann lernen sie das und das. "Würden Märchen nach diesem einfach Prinzip funktionieren, dann wäre es schrecklich", meint Lutkat, die im Vorstand der Europäischen Märchengesellschaft mitarbeitet. Denn Märchen verlaufen nicht immer geradlinig, die Wege sind oft verschlungen, aber sie gehen immer gut aus, selbst das vom bösen Wolf. Ein weiteres Merkmal von Märchen und ihrer Wirkung ist, dass sich Kinder immer mit der Hauptfigur identifizieren. "Märchen sagen dem Kind: Du bist ein Königskind." Sie geben, so Lutkat Hoffnung, geben Mut, stärken. Die Botschaft an Kinder lautet: Sei mutig, geh deinen Weg, übernimm selbst Verantwortung für dein Denken und Handeln!
"Superdoping für Kinderhirne", so nennt der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther Märchen. Seine These: Märchen aktivieren emotionale Zentren im Gehirn, Fantasie, Kreativität und Konzentrationsvermögen würden angeregt. Märchen sind ein wahres Zaubermittel, das auch noch, so die Märchenexpertin Helga Zitzlsperger, das Empathievermögen steigere, da sich die Kinder in die Märchenfiguren hineinversetzen.
Dabei sei die Hauptfigur auch nicht immer lieb, nett und brav, ihr Lebensweg verlaufe bestimmt nicht immer geradlinig. Doch die Zuordnung eines bestimmten Erziehungsproblems - wie in der "Märchen-Apotheke" suggeriere dem Kind, "Du bist nicht okay, so wie Du bist". Ebenso den Eltern: Habe ich mein Kind vernachlässigt, weil es immer wieder das Märchen von Sterntaler hören will?
"Ich würde nie einem Kind ein Gespräch über Märchen 'aufdrücken'", wehrt Sabine Lutkat ab, "aber die merken sehr wohl selber, dass das Themen sind, die etwas mit ihnen zu tun haben, wenn sie eine Geschichte immer wieder hören wollen, dann müssen sie daran etwas abarbeiten.
"Märchen machen keine Angst", beschwichtigt Lutkat, "im Gegenteil, sie stellen die Bilder zur Verfügung, die Angst ausdrücken. Die Angst wird greifbar, damit kann ich sie bekämpfen, den Wolf, die Hexe, den Vampir." Bestes Beispiel ist "Rumpelstilzchen": Kann ich etwas benennen, dann verliert es seinen Schrecken.
Kinder lassen nur die Bilder entstehen, die sie auch bewältigen können, die inneren Bilder entwickeln sich beim Vorlesen in einem sehr kreativen Prozess. Genau das ist das Problem an Märchenfilmen, hier werden die Bilder vorgegeben. Sie weiß, wie man Märchenrichtig erzählt. Lesen Sie Sabine Lutkats Erzähltipps.
Einen erfolgreichen Versuch, Märchen wieder populär zu machen, startete der Kindersender KiKa vor wenigen Jahren mit der Zeichentrickserie "SimsalaGrimm": Der Schelm YoYo und der Wissenschaftler, Arzt, Philosoph und Bücherwurm Doc Croc flogen mit einem sprechenden Märchenbuch in die Geschichten ein und erleben sie mit.
Anfangs waren Märchen für Erwachsene erzählt und geschrieben. Sie waren gespickt mit sexuellen Anspielungen und stellenweise wirklich grausam. Erst die Brüder Grimm schliffen diese Kanten ab und machten die Erzählungen jugendfrei. Diese Fassungen sammelten sie in ihren "Kinder- und Hausmärchen", dem Klassiker der deutschen Märchenbücher. Märchenexperten, eine Geschichte muss sich über Jahre, sogar Jahrhunderte "abschleifen", um zum Märchen zu werden. Manche der Geschichten, die die Gebrüder Grimm vor 200 Jahren aufschrieben, stammten sogar aus dem 12. Jahrhundert und wurden seitdem mündlich erzählt.
Die 68er Generation verbannte die als rückständig und frauenfeindlich verrufenen Märchen aus den Kinderzimmern. Walt Disney brachte sie zurück. Aus dem riesigen Märchenschatz, den Andersen und Grimm zusammengetragen haben, kennen die meisten Menschen nur noch rund 20. Immer noch werden Märchen erzählt, vor allem in den Elternhäusern des Bildungsbürgertums sind sie noch präsent. In den Kindergärten trauen sich heute nicht mehr alle Erzieherinnen an die alten Geschichten, sie greifen lieber auf neue Bilderbücher zurück, denn auch davon gibt es viele wunderbare.
Ein sehr gelungenes Beispiel für eine Märchenverfilmung ist für Lutkat die tschechisch-deutsche Produktion "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", ein wirklicher Weihnachtsklassiker. Nur für Erwachsene geeignet, aber sehr empfehlenswert, da er vieles im Symbolischen lässt, ist die "Schneewittchen"-Verfilmung mit Sigourney Weaver als böse Stiefmutter.
Sabine Lutkat liebt Feen-Märchen. Und was ist ihr Lieblingsmärchen aus dem Kreis der bekannten? "Der Froschkönig, weil die freche Königstochter den Frosch nicht küsst, sondern an die Wand klatscht - und genau deshalb alles gut wird."
Quelle: t-online.de
maryane schrieb:
am 27. November 2011 um 16:50:43
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Märchen
Seit hunderten von Jahren erzählen Eltern ihren Kindern Märchen. In der heutigen Zeit wir nun gesagt, dass Diese zu blutrünstig
und gewalttätig wären. Wenn das so ist, frage ich mich, warum die Kinder heute, deren Eltern so darauf achten, diese "blutrünstigen" Märchen nicht mehr zu erzählen, durchschnittlich viel gewalttätiger sind, als die Kinder früher, die mit Märchen aufgewachsen sind...
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W.H. schrieb:
am 27. November 2011 um 16:48:14
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Märchen
Ich finde das Märchen von Rotkäppchen Angelika und der böse Euro am schönsten.
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Christian Alexander Tietgen schrieb:
am 27. November 2011 um 15:51:46
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Rotkäppchen
Wo ist Rotkäppchen?
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