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Magersucht bei "37 Grad"

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Magersucht bei "37 Grad": nur kein Gramm zu viel

29.11.2011, 17:29 Uhr | rev; ZDF

Mit elf Jahren wurde Laura magersüchtig und entwickelte unzählige Zwänge. (Quelle: ZDF)

Mit elf Jahren wurde Laura magersüchtig und entwickelte unzählige Zwänge. (Quelle: ZDF)

"Die Vorstellung, dein Kind verhungert vor dem gedeckten Tisch, ist grausam." So beschreibt der Vater die Sorge um seinen magersüchtigen Sohn. Leo mag nicht mehr essen, genauso wenig wie Laura und Dominik. In der ZDF-Dokureihe "37 Grad" erzählen die drei Jugendlichen von der "Droge Diät" und ihre Eltern von der Verzweiflung, ihren Kindern nicht helfen zu können.

"Wenn ich stehe, verbrenne ich mehr Kalorien als im Sitzen"

Schon vor zwei Jahren wusste Laura: "Wenn ich stehe, verbrenne ich mehr Kalorien als im Sitzen". Mit elf Jahren rutschte das Mädchen in die Magersucht. Sie lebte eine Zeit lang in einer ganz eigenen Welt. Oft stand Laura in ihrem Zimmer auf einem Bein und schaute traurig zum Fenster hinaus.

In der Schule wurde Laura gemobbt, weil sie besser war als andere. Auch im Sport war das Mädchen außergewöhnlich ehrgeizig: "Ich wollte die Schnellste sein und bin am Nachmittag immer in unserem Garten hin und her gelaufen. Ich habe trainiert wie verrückt, bis meine Eltern es verboten haben - und dann habe ich angefangen, immer weniger zu essen."

Die Hilflosigkeit der Eltern

Laura entwickelte, wie sie selber sagt, Millionen von Zwänge. "Wir waren hilflos", erinnern sich Lauras Eltern. "Was soll man tun, wenn das Kind nicht mehr isst, Zwänge entwickelt und sich den Bauch einschnürt? Kinder haben dann eine ungeheure Macht."

Ihre Eltern tun, was sie können, damit ihre Tochter wieder gesund wird. In Familientherapiestunden wird ganz offen über Probleme gesprochen. Meistens sind mehrere Faktoren für die Krankheit verantwortlich. Die Familie will die Krankheit gemeinsam besiegen - doch insgeheim weiß auch Lauras Vater von der eigenen Hilflosigkeit: "Wir können nichts dagegen machen, gar nichts. Und keiner, der das nicht selbst erlebt hat, kann das nachvollziehen."

Zurück in ein normales Leben

Laura wurde 2009 zum ersten Mal in die Kinderklinik in München Schwabing aufgenommen. Während der Dreharbeiten ist sie zum zweiten Mal in der Klinik. Nach neun Monaten ist die Therapie vorläufig abgeschlossen und Laura kommt wieder nach Hause. Heute ist sie 13 Jahre alt. Sie hat viel gelernt über sich, die Krankheit und ihre Umwelt. Sie ist ernster geworden, auch selbstständiger. Sie will es schaffen, sie will jetzt wieder "normal leben", essen, spielen, lernen, zur Schule gehen. Was für viele selbstverständlich ist, ist für Laura ein großer Schritt, zurück ins Leben.

Es bleibt die Frage nach dem Warum

Dominik ist heute 15 und kennt die Situation, in der sich Laura befindet. Gemeinsam mit seiner Mutter schaut er sich für die Dokumentation Filmaufnahmen von "damals" an: "Die Brezeln mit Butter zu essen, traust du dich noch nicht?", fragte ein Mädchen den elfjährigen Dominik in einer Therapiesitzung. Damals schüttelte Dominik den Kopf. Heute, vier Jahre später, blickt der Teenager auf die schwierige Zeit zurück: "Ich habe um jedes Gramm gekämpft", erinnert er sich.

Dominik war wegen Magersucht vier Monate lang in der Therapie. Was sein Problem war, weiß er bis heute nicht genau. Das große Warum steht immer noch im Raum. Die Scheidung der Eltern und seine Schüchternheit waren sicher Gründe, aber viele Kinder erleben ähnliches und stecken es einfach weg. Dominik weiß nur, dass die Magersucht auf ihn "wie eine Droge" wirkte. Es sei "wie eine Sucht" gewesen, die ihn zwar kaputt, aber gleichzeitig auch zu etwas Besonderem machte.

Essstörung gilt als Mädchenkrankheit

"Wenn du dein elfjähriges Kind alleine in der Klinik zurücklassen musst und ihm nicht helfen kannst, ist das die Hölle", erzählt Dominiks Mutter. "Dominik ist sehr introvertiert, seine Gefühle muss man erraten, da war professionelle Hilfe wichtig." Dominik fand damals einen Freund in der Klinik, dem er sich öffnen konnte. Diese Freundschaft, die Therapie und ein verändertes Verhalten gegenüber der Krankheit in der Familie halfen Dominik, die Krankheit zu überwinden und darüber zu sprechen.

Essstörung gilt noch immer als Mädchenkrankheit. Es leiden zwar immer mehr Jungen an der Krankheit, aber in der Öffentlichkeit werden sie kaum wahrgenommen. Dominik ist mutig, wenn er heute auch in seiner Klasse von seinen Essstörungen erzählt.

Leo will sich abgrenzen

Leo ist 16 Jahre, als er in die Klinik kommt. Auch er hat schon einen langen Leidensweg hinter sich. Seit Jahren isst er nur noch Nudeln mit Käse und wird immer dünner. Bei einer Körpergröße von 1,80 Meter wiegt er nur 53 Kilogramm. "Ich mache extreme Sachen, ich versuche, drei Tage nichts zu trinken, dadurch bin ich anders als andere - etwas Besonderes." Wie bei Laura und Dominik spielt der Drang sich abzugrenzen, besonders, extremer oder einfach besser zu sein, eine entscheidende Rolle.

"Ich weiß, dass er übertherapiert ist"

Etliche Therapien und Versuche, die Krankheit in den Griff zu bekommen, lassen ihn jetzt in der Zeit als Teenager rebellieren. Er will, dass ihn die Erwachsenen in Ruhe lassen. Er möchte es allein schaffen. Doch sein Vater besteht darauf, noch einmal diesen erneuten Therapieversuch zu starten.

"Ich weiß, dass er übertherapiert ist. Man darf mit ihm nicht übers Essen reden, sonst macht er ganz dicht", sagt der Vater, der auch an sich selbst arbeiten muss: "Ich muss lernen, loszulassen, und versuchen, ihm zu vertrauen, dass er es schafft. Aber die Vorstellung, dein Kind verhungert vor dem gedeckten Tisch, ist grausam." Auch Leo will es mit der Therapie versuchen. Die Frage, ob er sich den Therapeuten öffnen oder einen anderen Weg finden wird, ist am Ende der Sendung noch immer unbeantwortet.

Immer jünger und immer mehr Jungs

In den letzten Jahren beobachten Ärzte, dass ihre Patienten immer jünger werden und immer öfter auch Jungen eine Essstörung bekommen. Je früher die Kinder und Jugendlichen Hilfe bekommen, desto größere Chancen haben sie, nicht ein Leben lang an dieser Krankheit zu leiden. "37 Grad" hat Dominik, Leo und die Laura über ein Jahr lang begleitet.



Quelle: t-online.de

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Kommentare (36)

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Thema: "Magersucht bei "37 Grad""

Nanni schrieb: am 30. November 2011 um 21:49:43
(4) (4) @Andrea
Ein gestörtes Selbstwertgefühl und eine gestörte Wahrnehmung sind sicher nicht die Folgen von falschen Schönheitsidealen die in
den Medien verbreitet werden. Dies wäre ungefähr so, als würde man Gilette für die Autoagression verantwortlich machen, wenn Patienten sich absichtlich mit einer Rasierklinge verletzen. Es geht nicht (wirklich) um das Schlanksein, dies ist letztlich nur eine Frage der Attribution.
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Elfi schrieb: am 30. November 2011 um 21:13:35
(9) (0) Magersucht / Fettsucht
Magersucht und Fettsucht sind beides psychisch bedingte Krankheiten - Hilfeschreie der Seele. Niemand hungert sich zum
Spaß fast zu Tode und niemand futtert sich zum Spaß auf ein Gewicht von 180 kg. Solche Menschen haben psychische Probleme und kompensieren sie mit Hunger bzw. Essen. Aber Vorwürfe und Hasstiraden nach dem Motto "selber schuld" helfen nicht, sondern wirken eher kontraproduktiv!
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Andrea schrieb: am 30. November 2011 um 20:54:58
(10) (0) @Nanni
Niemand behauptet, dass Barbie und Lagerfeld die einzigen Ursachen dafür wären, dass jemand magersüchtig wird. Aber ein falsches
Schönheitsideal, das der Jugend tagtäglich von Medien und Modeschöpfern eingetrichtert wird, kann zu einem gestörten Selbstwertgefühl und einer gestörten Wahrnehmung führen und damit zur Magersucht beitragen. Dass dabei auch immer persönliche / familiäre Probleme eine Rolle spielen, versteht sich von selbst.
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