09.05.2011, 14:32 Uhr
GEW kritisiert unzureichende Ausstattung der Schulen mit Computern. (Foto: dapd)
Schule 2.0 ist noch in weiter Ferne. Nur knapp ein Viertel der Lehrer in Deutschland setzt digitale Medien mehrmals wöchentlich im Unterricht ein, 40 Prozent nutzen Computer gar nicht oder sehr selten. Das geht aus repräsentativen Umfrage des Hightech-Verbands Bitkom unter 500 Lehrern an Oberschulen hervor. Derweil forderte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für jeden Schüler einen Laptop und mehr Computer-Schulungen für Lehrer.
Die Lehrer sind der Umfrage zufolge beileibe keine Technikmuffel: 77 Prozent der Befragten beurteilen die Nutzung digitaler Medien in den Klassen positiv. Ihre Schüler lernten schneller und besser, wenn sie im Unterricht mit Computer und Internet arbeiteten. Allerdings stehen beim Einsatz digitaler Medien einfache Aufgaben und Tätigkeiten wie Internetrecherche oder Präsentation von Arbeitsergebnissen im Vordergrund. Nur jeder vierte Lehrer produziert mit seinen Klassen multimediale Inhalte wie Videos oder Podcasts.
Für viele Lehrer scheint die mangelnde technische Ausstattung ihrer Schulen ein unüberwindliches Hindernis darzustellen, sich stärker mit digitalen Medien auseinanderzusetzen. 88 Prozent der Befragten fordern eine bessere technische Ausstattung der Schulen mit Computern und schnellen Internetzugängen. Genauso viele wollen besser für den Medieneinsatz geschult werden. Ein weiteres Manko ist der Umfrage zufolge, dass an den Schulen häufig jemand fehlt, der bei technischen Problemen schnell helfen kann.
Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer forderte, innerhalb der nächsten drei Jahre sollten alle Klassenräume mit breitbandigen, möglichst drahtlosen Internetzugängen ausgestattet werden. Das gleiche gelte für die flächendeckende Ausrüstung mit "Whiteboards". Diese berührungsempfindlichen Bildschirme mit Internetzugang sollten Schritt für Schritt die Kreidetafeln ersetzen.
Scheer wies auf "digitale Parallelwelten" an den Schulen hin. Während nahezu alle Gymnasiasten in sozialen Netzwerken aktiv seien, hätten Lehrer und Eltern dazu meist keinen Zugang. Das werde spätestens dann deutlich, wenn Probleme wie Cyber-Mobbing oder Spielsucht aufträten.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert für jeden Schüler einen Laptop und mehr Computer-Schulungen für Lehrer. "Es gilt, den Schülerinnen und Schülern einen souveränen und verantwortungsvollen Umgang mit den neuen Medien zu vermitteln", sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer im Interview. Dafür müsse die "im Mittel unzureichende" Ausstattung in den Schulen verbessert werden.
"Es sollte mobile Endgeräte, also Laptops, in Klassenstärke geben, sie müssen vernetzt sein und einen gesicherten Internetzugang haben", erklärte Demmer. Zudem müsse die Lehreraus- und -fortbildung dringend auf das digitale Zeitalter orientiert werden. Ein großes Problem sei auch die unzureichende Wartung vorhandener Arbeitsplätze.
Darüber hinaus sehe sie einen grundsätzlichen Mangel in fehlenden medienpädagogischen Konzepten der Landesregierungen. "Bevor nicht klar ist, in welchem Alter mit welchem pädagogischen Konzept Schülerinnen und Schüler mit dem Computer arbeiten sollen, ist es schlecht möglich, Ausstattungsfragen sachgerecht zu lösen", fügte Demmer hinzu.
Nach den Ergebnissen der sogenannten JIM-Studie des Forschungsverbundes Südwest von 2009 arbeiteten weniger als 20 Prozent der Schüler an allgemeinbildenden Schulen mit dem Computer, sagte Demmer. Im Vergleich dazu würden Computer und Internet zu Hause von sehr viel mehr Schülern für Schulzwecke genutzt. Dass sie mit Computer und Internet für die Schule lernten, sagten 53 Prozent der Gymnasiasten, 48 Prozent der Realschüler und 41 Prozent der Hauptschüler.
Demmer kritisierte auch, dass Lehrer zu wenig Fortbildungsmöglichkeiten hätten. "Zahlenmäßig völlig unzureichend waren die offiziellen Fortbildungsmaßnahmen der Schulträger und Landesinstitute für Lehrerfortbildung", monierte sie und wies darauf hin, sehr viele Lehrer hätten sich selbst organisiert weitergebildet und sich zumindest die technischen Basics angeeignet, um PC und Internet nutzen zu können.
Quelle: dapd
Hans schrieb:
am 10. Mai 2011 um 18:49:51
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@Harry (Schule ist polit. Spielball)
Ja, genauso ist es. Bereits der Großonkel meiner Frau, Oberstudiendirektor kurz nach dem Krieg, hat
seinerzeit festgestellt:
"die Schule ist das Experimentierfeld der Politik" - daran hat sich seither nichts geändert. Die Empfänger der ehemaligen
Schüler - nämlich die Arbeitgeber - stellen nahezu übereinstimmend fest, dass die Kenntnisse und die Leistungsfähigkeit des Nachwuchses überwiegend nachgelassen haben. Irgendwann schlägt das auf den Lebensstandard in Deutschland durch.
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Harry007 schrieb:
am 10. Mai 2011 um 12:48:49
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Schule polit. Spielball
Zu einem großen Teil ist die Politisierung der Schulpolitik Schuld am Niedergang. Jede Partei versucht nach
Landtagswahlen ihre gesellschaftspolit. Vorstellungen auf dem Rücken von Schülern und Lehrern zu verwirklichen, indem alles umgekrempelt und das vorherige Bewährte für ungültig erklärt wird. Niemals würden sich Wahlsieger erdreisten, in andere staatl. Hoheitsbereiche wie die Finanzverwaltung und den Polizeiapparat so einzugreifen, wie es immer wieder im Kultusbereich geschieht.
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Hans schrieb:
am 10. Mai 2011 um 12:09:07
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Medienerziehung ??
Unsere Kinder leiden an "Reizüberflutung" durch Medien und Reklame, was bewirkt, dass ihre "Konzentrationsfähigkeit"
darunter leidet. Ohne "Konzentration" ist aber weder in der Schule noch im Beruf ein Blumentopf zu gewinnen. Also weniger "Ablenkung" und nicht mehr z.B. durch "internetfähige PCs und ähnliche Geräte". Meine jetzt erwachsenen Kinder haben ihren PC im Studium bzw in der Oberstufe des Gymnasiums erhalten- alle haben einen guten Uni-Abschluß und
"beherrschen" das "Hilfsmittel PC".
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