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Medikamente in der Schwangerschaft: Nur der Arzt kann Nutzen und Risiko abwägen

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Medikamente in der Schwangerschaft: Nur der Arzt kann Nutzen und Risiko abwägen

21.12.2010, 10:15 Uhr

In der Schwangerschaft sollten Medikamente nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. (Bild: imago)

In der Schwangerschaft sollten Medikamente nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. (Bild: imago)

Die meisten werdenden Mütter scheuen davor zurück, während der Schwangerschaft Medikamente einzunehmen. Zu Recht, denn die Risiken für den Nachwuchs sind oft erheblich. Ebenso riskant kann es aber sein, eine Krankheit nicht zu behandeln. Deshalb gilt: Arzneimittel - wenn nötig - ja, aber nur nach ärztlicher Rücksprache.

Immer den Arzt um Rat fragen

40 Jahre nach dem Skandal um das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan sind sich Ärzte und schwangere Patientinnen sehr bewusst über den Zusammenhang zwischen Arzneimittelkonsum und möglichen Schädigungen des Ungeborenen. Dennoch nehmen auch Schwangere im Durchschnitt um die fünf verschiedene Arzneimittel ein, bevor sie entbinden, wie der Leiter des Instituts für Reproduktionstoxikologie in Ravensburg, Wolfgang Paulus, sagt. "Wichtig ist, dass sie dies nicht in Eigenregie tun, sondern immer in Absprache mit einem Arzt. Nur Experten können abschätzen, wie ein Mittel in welcher Wachstumsphase auf das Kind wirkt und welche Alternativen es möglicherweise gibt."

Erstes Schwangerschafts-Drittel besonders problematisch

Kritisch sei vor allem die Zeit zwischen der vierten und der zwölften Schwangerschaftswoche, erläutert die Sprecherin des Deutschen Hebammenverbandes, Edith Wolber. "In dieser Zeit bildet das Kind seine Organe aus und reagiert gegenüber schädlichen Substanzen besonders sensibel - etwa mit Fehlbildungen." Im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel ist das Risiko für das Ungeborene dagegen nicht mehr ganz so groß. "Dennoch sollte man natürlich auch hier äußerste Vorsicht walten lassen", warnt der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte in Deutschland, Christian Albring: "Wir müssen in jedem Fall vermeiden, dass ein Medikament, das von einer Schwangeren eingenommen wird, über die Plazenta in den Kreislauf des Ungeborenen gelangt. Leider liegen aber längst nicht für alle Mittel Daten darüber vor, ob sie plazentagängig sind oder nicht." Von seltenen Ausnahmen abgesehen würden Schwangeren deshalb grundsätzlich nur Mittel verordnet, die mindestens seit fünf Jahren zugelassen und deren Wirkungen bekannt sind. "Neuere Arzneien bergen ein zusätzliches Sicherheitsrisiko", betont der Frauenarzt aus Hannover.

Auch pflanzliche Mittel können gefährlich sein

Auch bei pflanzlichen Mitteln, Tropfen oder Tees ist Vorsicht geboten: "Eine Reihe von Heilkräutern - etwa Eisenkraut oder Beifuß - können vorzeitige Wehen oder sogar eine Fehlgeburt auslösen", betont Expertin Wolber. Zudem sind pflanzliche Mittel häufig ethanolhaltig und führten so dem Ungeborenen Alkohol zu. Jede werdende Mutter sollte auch genau überlegen, womit sie sich eincreme, sagt Wolber, "denn auch über die Haut gelangen Substanzen in den Blutkreislauf und in die Plazenta."

Mittel, die nicht unbedingt notwendig sind, etwa gegen Husten oder fieberfreie Erkältungen, aber auch Schmerzmittel sollten zwar grundsätzlich gemieden werden, erklärt Experte Paulus. "Aber niemand hat etwas davon, wenn eine Patientin eine Infektion so lange verschleppt, dass sie zum Schluss mit starken Antibiotika behandelt werden muss." Da sei es allemal besser, frühzeitig einen Arzt um Rat zu fragen. "Es gibt so gut wie immer wirksame Mittel, die in angepasster Dosis auch für Schwangere geeignet sind." Gegen die vor allem zu Beginn der Schwangerschaft häufig auftretende Übelkeit gebe es eine ganze Reihe unbedenklicher Präparate - Ingwer beispielsweise könne helfen: "Als Tee, in Scheiben oder auch in Drageeform", sagt Reproduktionstoxikologe Paulus. Als Alternative zu Pillen und Tropfen, deren Wirkstoffe sich letztendlich im Blut wiederfinden, eignen sich gerade bei Halsschmerz und Erkältungen auch Gurgellösungen, abschwellende Nasensprays oder Dampfbäder.

Jedes einzelne Mittel kritisch hinterfragen

Das einzige Schmerzmittel, das nach Medizinermeinung in allen Phasen der Schwangerschaft unbedenklich sei, ist Paracetamol. "Bis zur 30. Schwangerschaftswoche sind in kleineren Dosen aber auch Wirkstoffe wie Ibuprofen und Diclofenac möglich, danach aber nicht mehr - sonst drohen Herzfehler des Kindes", ergänzt Frauenärztepräsident Albring. Bestimmte Antihistaminika gegen Allergien, Kortison, einige Blutdrucksenker und auch die meisten Antibiotika seien ebenfalls prinzipiell ungefährlich, "wenn die Einnahme ärztlich angeordnet und überwacht wird." Tabu sind dagegen Benzodiazipine, die beispielsweise in Schlafmitteln enthalten sind, die Antibiotika-Gruppe der Tetrazykline sowie eine Reihe von Blutdrucksenkern und krebsbekämpfenden Zytostatika, aber auch Blutverdünner vom Typ Marcumar oder einige Medikamente gegen Epilepsie. Sicherheitshalber sollten Schwangere ihre Ärzte immer auf die anderen Umstände aufmerksam machen - auch den Zahn- und Augenarzt.


Quelle: dapd

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