27.04.2009, 11:35 Uhr | rev
Mädchen sind stolz auf das Wissen, das sie von ihren Müttern haben. (Bild: Imago)
"Tut Sex weh, wenn man seine Tage noch nicht hat?" Stellt ein Mädchen ihrer Mutter diese Frage, wundert die sich wahrscheinlich und sagt "Wie kommst du denn darauf?". Dann ist das Gespräch zu Ende, bevor es richtig begonnen hat. Denn hinter der Frage stand eigentlich eine ganz andere, etwa: "Ich höre andere darüber reden, aber ich weiß nicht, wann es richtig ist, Sex zu haben", erklärt die Ärztin Esther Schoonbrood. Die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern ist in der Pubertät schwierig. Richtig kompliziert wird sie, wenn es um Sexualität geht. Denn obwohl Eltern erfahren möchten, was ihr Kind schon weiß und Jugendliche viele Fragen haben, tun sich beide schwer, darüber zu reden.
Wann hat man den ersten Samenerguss? Wächst der Penis noch mit 17? Wie merkt man Liebe, und was erwartet ein Junge eigentlich von seiner Freundin? Das sind Fragen, die Teenager besonders beschäftigen, sagt Eckhard Schroll, Leiter der Abteilung Sexualaufklärung bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln. Gleichzeitig seien das aber die Fragen, die im Sexualkundeunterricht nicht beantwortet werden. "Dort erfahren die Jugendlichen Fakten über Schwangerschaft oder Verhütung."
Und so ist das Wissen der Jugendlichen zu bestimmten Themen wie Verhütung sehr groß, sagt Schroll. Bei anderen gebe es große Lücken, oder es kursierten Mythen - etwa, dass Selbstbefriedigung den Körper schwächt. Die Jugendlichen schnappen solche Informationen auf, können sie aber nicht einordnen. An dieser Stelle werden die Eltern wichtig.
Doch was sagen Eltern am besten, wenn sie vermuten, dass ihre Tochter einen Freund hat und möglicherweise bald erste sexuelle Erfahrungen sammelt? Wie finden sie heraus, ob ihr Sohn Probleme mit seinem Körper hat? "Es reicht nicht zu sagen: 'Wir setzen uns jetzt mal hin und reden darüber'", sagt Schroll. Wenn in der Familie nie über Körperlichkeit gesprochen wurde, könne man das nicht plötzlich in der Pubertät erzwingen. Solche Gespräche müssten schon bei Kleinkindern beginnen.
Gut sei, wenn Eltern mit ihren Erklärungen der Entwicklung des Kindes ein Stückchen voraus sind, sagt Schoonbrood, die im Auftrag der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau (ÄGGF) in Essen an Schulen mit Mädchen über die körperliche Entwicklung und Sexualität spricht. So sollte der Tochter von der Menstruation erzählt werden, bevor das erste Mädchen in der Klasse seine Tage bekommt. "Ist das der Fall, wird die Tochter nicht davon überrascht. Deshalb hat sie keine Ängste." Außerdem seien Mädchen, die bereits von ihren Müttern aufgeklärt wurden, stolz auf ihr Wissen.
Quelle: dpa
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