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Mobbing an Schulen: Gemobbte Kinder entwickeln oft Psychosen

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Gemobbte Kinder entwickeln oft Psychosen

08.05.2009, 13:14 Uhr | iri

Mobbing findet nicht im Klassenraum statt, sondern auf dem Pausenhof oder Gang. (Bild: Imago)

Kinder, die in ihrer Schulzeit wiederholt Opfer von direkter oder auch indirekter Gewalt durch Mitschüler wurden, entwickeln als Jugendliche doppelt so häufig psychische Störungen als Kinder, die nicht gemobbt wurden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Dieter Wolke von der University of Warwick in Coventry. Insgesamt hat das Forscherteam 6.437 Kinder bis zum Alter von 13 Jahren untersucht. Über das Studienergebnis berichtet das Team im Fachmagazin Archives of General Psychiatry.

Verschiedene Mobbing-Arten

Zu unterscheiden sind zwei verschiedene Arten des Mobbing - das direkte mit Schlägen und physischer Gewaltanwendung und das Beziehungsmobbing, bei dem gedroht, erpresst und schikaniert wird. "Dass Kinder und Jugendliche Konflikte miteinander haben, ist normal und ist zudem auch wichtig", betont Wolke. "Denn nur so können sie lernen, später im Leben mit Konflikten umzugehen." Sehr problematisch sei aber ein solches Mobbing über einen längeren Zeitraum hinweg. "Wurden Kinder über mehrere Jahre hinweg von Mitschülern schikaniert, erhöhte sich das Risiko, an psychotischen Symptomen zu leiden, sogar um das Vierfache."

Ernstzunehmende Folgerkrankungen

Einmal jährlich wurden die Kinder in persönlichen Interviews von den Psychologen befragt. Zudem wurden psychologische und physische Tests durchgeführt. "Knapp vor Erreichung des 13. Lebensjahres wurden die Probanden schließlich nach auffälligen psychotischen Symptomen in den letzten sechs Monaten befragt", erklärt Wolke. Gefragt wurde nach dem Auftreten von Halluzinationen, Wahnvorstellungen wie etwa die Angst bespitzelt zu werden oder paranoide und bizarre Gedanken. "Unsere Studie hat deutlich gezeigt, dass solche Schikanen ernste Folgen auf die Wahrnehmung der Welt haben können."

Als Familie vorbeugen

"Das deutet daraufhin, dass feindliche soziale Beziehungen mit seinesgleichen ein potenzieller Risikofaktor für die Entwicklung psychotischer Symptome bei Jugendlichen und zur Entwicklung von Psychosen bei Erwachsenen sein können", so Wolke. Solchen Problemen könne bereits im Kreis der Familie vorbeugend entgegengewirkt werden. "Wenn Eltern das mitbekommen, müssen solche Übergriffe älterer Geschwister mit klaren Sanktionen belegt werden." Umgekehrt warnt der Psychologe aber auch davor, dass Eltern nicht alle Probleme für ihr Kind lösen sollten. "Überprotektive Eltern schaden dem Kind auch, denn es kann nicht lernen, Strategien zu entwickeln."

Ältere Mitschüler als Helfer

Im Schulalltag müsse die Vorbeugung von Mobbing zur Tagesordnung werden. "Mobbing findet nicht im Klassenzimmer, sondern am Korridor oder Spielplatz statt", meint Wolke. Sehr bewährt habe sich die Einführung von "Peer-Counsellors" - ausgebildeten älteren Mitschülern - zur Konfliktlösung. "In der Regel gehen nur etwa 50 Prozent der betroffenen Schüler zu Lehrern, da diese meist nicht weiterhelfen können", so der Psychologe.

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