25.01.2012, 09:54 Uhr | mmh
"Geordneter Unterricht nicht mehr möglich." Ein solcher Satz in einem Brief der Schulleitung an die Elternschaft rüttelt auf. Noch dazu, wenn die betroffene Schule keine verrufene Gesamtschule in einem Problembezirk einer Großstadt ist, sondern ein Gymnasium in einer mittelgroßen Stadt in einem eher gehobenen Wohnbezirk mit einer Elternschaft aus dem gehobenen Bildungsbürgertum. "Ein stinknormales Gymnasium" eben. Sind solche Zustände also inzwischen Schulalltag? Sind diese Probleme inzwischen auch in der heilen Welt angekommen?
Schnell sind meist die Ursachen ausgemacht: Das Dreigespann aus Mobbing, Disziplinlosigkeit und Missbrauch sozialer Netzwerke, begleitet von mangelnder Wahrnehmung der Erziehungsverantwortung im Elternhaus. Auch wenn es keine Problemschule ist, könnte man sich von typischen Problemschulen einiges in Sachen Problemlösung abschauen. Man muss sich Hilfe holen, Sozialpädagogen, Psychologen, Polizisten in das Schulnetzwerk einbeziehen. Das bedeutet auch, Kompetenzen abgeben, sich in die Karten schauen lassen.
Tätliche Angriffe auf Lehrer und Mitschüler - dahinter kann sich alles verbergen. Und nichts darf geduldet werden. Solange es wirklich nur Papierkügelchen sind, die durch die Luft fliegen, sollte man sich als Lehrer zwar einfach mal an die eigene Schulzeit erinnern. Nicht sehr nett, aber - so denkt man sich als Außenstehender - aber: War das nicht schon immer so? Selbst in strengsten Klosterschulen flogen auch vor 50 Jahren Papierkügelchen und Kreidestückchen hinter dem Lehrerrücken durch die Luft - bevorzugt auf den Lehrerkopf. Gut, damals wehrten sich die Lehrer im Zweifelsfall noch mit einer Kopfnuss oder Schlimmerem.
Respekt heißt das Zauberwort, das so viele beschwören. Respekt fehle den Kindern heute im Umgang mit Autoritäten. Doch häufig wird und wurde Respekt mit Angst verwechselt: Angst vor dem Lehrer, Angst vor den Eltern, Angst vor Strafe. Das ist keine gute Pädagogik. Angst unterdrückt vielleicht Vandalismus und freche Bemerkungen, aber ebenso Kreativität und freies Denken udn Reden.
Welche Mittel haben die Lehrer heute? Wann müssen sie eingreifen, wann darf man mal etwas als "Streich" durchgehen lassen? Nichts ändert sich allein dadurch, dass man die Probleme anspricht.
Haben die Pädagogen nur ihre natürliche und funktionale Autorität? Wie lernen Kinder Disziplin? Klar, durch Vorbilder und ihre Clique. Ein Weg der genannten Darmstädter Schule gegen Disziplinlosigkeit und ihre Folgen: Unterricht nachholen, am Spätnachmittag oder an Samstagen. Laut Hessischem Schulgesetz, darf ein Schulleiter dies anordnen, ob Lehrer und Schüler wollen oder nicht. Denn Schüler haben ein Recht auf Lernen. Außerdem gibt es Zusatzstunden für soziales Lernen in den Problemklassen.
Also nachsitzen wie früher? Damit die Schüler den Lehrern noch länger auf der Nase herum tanzen? Eltern, Lehrer und Schüler sind nicht begeistert.
Eltern nehmen ihre Erziehung nicht mehr wahr - das ist eine These, die in diesem Zusammenhang laut wird. Oft kommen sie aber schlicht gar nicht dazu. Doppelverdiener sind in den heutigen Familien die Regel und der gesellschaftliche Wunsch, Mütter wollen und sollen rasch wieder in ihre Berufe zurückkehren. Das bedeutet vorübergehende Fremdbetreuung der Kinder. Doch Betreuungseinrichtungen - noch dazu gute - für Schüler sind knapp. Das Thema Ganztagsschule ist bundesweit immer noch eine einzige Baustelle.
Kinder sind länger in der Schule, im Kindergarten, in der Krippe als zuhause. Sollten Eltern dann nicht auch erwarten können, dass die Erziehungsprofis, die Erzieher und Lehrer es schaffen, mit den Kindern klar zu kommen, ihnen nicht nur Wissen, sondern auch Tugenden wie Ordnung, soziales Miteinander und Disziplin zu vermitteln?
Wie, von wem und wo sollen Schüler Disziplin lernen? Es scheint, als würden sich der Kosmos Schule, der Kosmos Familie und der Kosmos Politik und Gesellschaft in sehr unterschiedlichem Tempo und nicht immer in die selbe Richtung bewegen.
Quelle: t-online.de
Arthur schrieb:
am 29. Januar 2012 um 17:13:48
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schulischer Misserfolg
Vor der Schule kommt das Elternhaus evtl. mit Unterstützung eines Kinder-gartens. Dort wird Sozialisation und
Sprache erlernt -- als Fundament für ein
gelingendes Leben. Wenn dieses Fundament brüchig ist oder gar fehlt - wie
soll der Weiterbau erfolgreich sein ? Lehrer sind in erster Linie Wissensver-
mittler für einen abzuarbeitenden Unterrichtsstoff in begrenztem Zeitrahmen.
Für Reparaturen an der mißlungenen Sozialisation einzelner Schüler ist im
Lahrplan keine Zeit eingeplant ! ! !
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Lehrervater schrieb:
am 29. Januar 2012 um 12:29:55
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Schulalltag
Die beschriebene Situation ist Schulalltag. Es ist die Saat aufgegangen, welche die 68er-Generation initiiert hatte.
Respektlosigkeit gegenüber jeglicher Autorität - siehe "wulffen". Schülereltern sollten an die Zukunft ihrer Kinder denken. Täuschen wir uns nicht - es gibt Länder, wo Disziplin noch einen Stellenwert hat und die werden in wirtschaftlicher Hinsicht Deutschland an die Wand drücken. 20% Sozialhilfeempfänger kann kein Land finananzieren
- spätestens dann ist der sog. Wohlstan
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Lehrervater schrieb:
am 29. Januar 2012 um 12:10:37
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Defizite und Mobbing
Mein Sohn ist Realschullehrer - ein Wunschberuf - den er aber aufgeben wird. Was er in drei Jahren an drei Schulen
erlebt hat - lässt ihm keine andere Wahl, wenn er nicht ausbrennen will. In allen drei Schulen waren Disziplinar-maßnahmen unzulässig. Der Artikel bescheibt - Schulalltag. Es fehlen bei ca. 30% der Schüler alle Voraussetzungen zum Lernen: Einsicht, Motivation, Disziplin. Die Schule kann nicht reparieren was Eltern versäumt hatten - eine teilweise verlorene Generation.
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