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Neurodermitis bei Kindern und Babys ist kein endgültiges Urteil

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Neurodermitis ist kein endgültiges Urteil

27.10.2009, 16:08 Uhr | Simone Blass

Neurodermitis: Besonders Kinder und Säuglinge sind sehr häufig betroffen. (Bild: Imago)

Zwischen zehn und zwanzig Prozent aller Kinder in Deutschland leiden unter Neurodermitis. Es handelt sich um eine Erkrankung der Haut, die den Betroffenen und auch seine Familie sehr quälen kann und deren Ursachen bis heute noch nicht ganz klar sind. Das macht es schwer, die Krankheit einzuschätzen, schürt immer wieder Ängste bei Eltern und öffnet auch so mancher zweifelhaften und meist teuren Therapiemethode Tür und Tor.

Neurodermitis hat viele Namen

Atopisches Ekzem, atopische Dermatitis oder auch endogenes Ekzem - mit all diesen medizinischen Begriffen ist eine chronische Krankheit gemeint, von der vor allem Kinder betroffen sind: Neurodermitis. Es handelt sich dabei um schubweise auftretende Hautentzündungen, die von einem quälenden Juckreiz begleitet werden und deren Behandlung nicht nur sehr langwierig ist, sondern auch oft Rückfälle aufweist. Die Ursachen der Neurodermitis sind nicht eindeutig geklärt, sicher ist aber inzwischen, dass die Gene eine Rolle spielen. Wenn ein Elternteil unter einer atopischen Erkrankung, also Neurodermitis, Heuschnupfen oder allergischem Asthma leidet, dann liegt die Wahrscheinlichkeit bei 50 Prozent, dass die Veranlagung vererbt wird. Sind beide Eltern betroffen, so steigt die Wahrscheinlichkeit sogar auf 75 Prozent. Mögliche Faktoren, die dann das Auftreten einer Neurodermitis begünstigen, sind ein früher und intensiver Kontakt mit Allergenen, Umweltverschmutzung und die fehlende Auseinandersetzung mit Infektionserregern.

Säuglinge sind außergewöhnlich häufig betroffen

Neurodermitis kann in jedem Alter auftreten, am häufigsten tritt sie aber bei Säuglingen in Erscheinung. Tendenz steigend. Und auch, wenn nicht jede Hautrötung gleich Neurodermitis sein muss, immerhin 80 Prozent aller Säuglingsekzeme sind ein Anzeichen dafür. „Gewöhnlich um den dritten Lebensmonat herum treten meist an den Wangen und am Kopf Ekzeme auf, die sehr stark jucken. Man kennt in diesem Zusammenhang auch die Bezeichnung Milchschorf, da das Ekzem eine Ähnlichkeit mit verbrannter Milch hat“, so der Fürther Hautarzt Dr. Karl Gall. Die Hautveränderungen sind sehr unterschiedlich: meist rot und leicht schuppig, stark juckend, anfangs trocken und später oft nässend. Im Kleinkindalter sind bei den meisten der betroffenen Kinder das Gesicht, der Hals sowie Ellbogen und Kniebereich mit Ekzemen bedeckt. Es kann aber auch den ganzen Körper treffen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass trotz Befallen des Rumpfes der Windelbereich in der Regel ausgespart bleibt, was wohl vor allem an der Feuchtigkeit liegt, die sich in diesem abgeschlossenen Areal bildet.

Neurodermitis ist selten von Dauer

Die Diagnose „Neurodermitis“ ist kein endgültiges Urteil und die Mehrzahl der Betroffenen hat nur mit relativ leichten Verläufen zu kämpfen, die oft erst nach dem sechsten Lebensmonat beginnen und schon bald wieder weg sind. „Bei etwa zwei Drittel der Kinder bilden sich die Beschwerden bis zum sechsten Lebensjahr zurück“, bestätigt der Dermatologe. Bis zum Beginn der Pubertät ist Neurodermitis bei 80 bis 90 Prozent der Kinder zum Abklingen gekommen. „Die Erkrankung hält nur selten lebenslang. Die Hauterscheinungen verschwinden meist spätestens bis zum 30. Lebensjahr, es bleibt lediglich eine gewisse Hautempfindlichkeit, Hauttrockenheit zurück. Bei etwa 15 bis 30 Prozent der Patienten treten im Verlauf zusätzliche Inhalationsallergien wie Heuschnupfen oder allergisches Asthma auf.“

Es gibt zahlreiche zweifelhafte Heilmethoden

Wenn ein Kind unter Neurodermitis leidet, so leidet auch seine Familie mit ihm. Häufig schlafen die Kinder aufgrund des Juckreizes schlechter und sind entsprechend auch am Tag unruhiger. Besonders anstrengend sind die Blicke und Kommentare anderer. Die Eltern müssen lernen, die vielfach auftretenden gut gemeinten Ratschläge in die richtigen Bahnen zu lenken und die Kinder müssen mit Hänseleien kämpfen. Neurodermitis ist weder gefährlich noch ansteckend, aber körperlich und seelisch für die Betroffenen und ihre Angehörigen sehr belastend. Allein die Suche nach dem richtigen Arzt, der richtigen Heilmethode kostet Kraft und Zeit. Mit alternativen Verfahren kann man durchaus den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen, viele Eltern haben gerade auf dem homöopathischen Gebiet gute Erfahrungen gemacht. Man muss allerdings vorsichtig sein, denn es gibt eine Menge Angebote, die lediglich viel Geld, Zeit und Energie kosten und bestenfalls dem Kind nicht schaden. Ärzte warnen in diesem Zusammenhang zum Beispiel davor, bestimmte Neurodermitis-Diäten auf eigene Faust durchzuführen, da diese Mangelerscheinungen beim Kind zur Folge haben können.

Behandlung muss auf den Einzelnen zugeschnitten werden

Jeder Neurodermitiskranke benötigt eine individuelle Betreuung. Was dem einen hilft, kann beim anderen das Hautbild verschlechtern. Wundertherapien gibt es nicht, aber viele gute Behandlungsformen. „Die Behandlung ist vielschichtig und wird durch das klinische Bild bestimmt. In erster Linie kommen verschiedene Lokaltherapien zum Einsatz. Die Pflege der Haut des Kindes mit rückfettenden, hautstabilisierenden Salben und Bädern stellt die wichtigste Therapiemaßnahme dar.“ Dr. Gall weist weiter darauf hin, dass je nach Befund  Mittel zur Linderung des Juckreizes genauso zum Einsatz kommen wie Kortisonsalben zur Akutbehandlung. Obwohl diese inzwischen gut verträglich sind, gibt es auch kortisonfreie Cremes, so genannte Calcineurin-Inhibitoren, mit denen bereits gute Erfolge erzielt wurden. „Bei bakteriellen Superinfektionen sind dann antiseptische Lokaltherapien, in seltenen Fällen auch Antibiotika notwendig.“ Auf jeden Fall sinnvoll ist es, einen Allergietest durchführen zu lassen, was übrigens auch bei Säuglingen möglich ist. Dann gilt es, die Allergene zu meiden und somit mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eine Besserung des atopischen Ekzems zu erreichen.

Wenn es fürchterlich juckt

Der Juckreiz ist ein häufiges Symptom der Krankheit, vor allem während eines Neurodermitisschubs, der unter anderem durch Infekte, Klimawechsel und vor allem auch Stress ausgelöst werden kann. Und wenn es juckt, dann wird gekratzt - das lässt sich kaum verhindern. Dadurch wird die Hautoberfläche beschädigt und unter Umständen können Bakterien zu Infektionen führen. Um den Juckreiz nicht noch zu verstärken, sollten die Kinder legere Baumwollkleidung tragen, die vor dem ersten Anziehen mehrmals gewaschen und gut gespült wird. Auch das nächtliche Tragen von dünnen Baumwollfäustlingen und das Kurzhalten der Fingernägel vermeidet die eine oder andere Infektion.

Muttermilch zur Vorbeugung

Fisch, Ei, Kuhmilch oder Nüsse, es gibt einige Lebensmittel, die immer wieder unter Verdacht stehen, zumindest bei der Verschlechterung des atopischen Ekzems eine Rolle zu spielen. Doch die Wissenschaft ist sich hierbei nicht einig. Einig ist man sich lediglich darüber, dass Muttermilch das Baby schützt und dass eine einseitige Ernährung zu Mangelerscheinungen führen kann. „Bestimmte Lebensmittel in der Schwangerschaft und Stillzeit wegzulassen, ist nicht sinnvoll. In der Regel können diese Frauen alles essen“, so Dr. Gall. „Was sich allerdings negativ auswirkt, ist Nikotinkonsum. Familiär belastete Säuglinge sollten außerdem möglichst ein halbes Jahr gestillt beziehungsweise ersatzweise mit HA-Milch ernährt werden.“ Auch bei der Beikosteinführung sollte man etwas vorsichtiger vorgehen und nur langsam, immer mit ein paar Tagen Abstand, ein neues Lebensmittel anbieten.


Quelle: t-online.de

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