23.05.2011, 13:51 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli
"Wir müssen mit Ihnen über die Noten unseres Kindes reden" - Elterngespräche mit dem Lehrer verlaufen oft angespannt. (Foto: Archiv)
Der Countdown läuft: Nur noch wenige Wochen sind es bis zu den Versetzungszeugnissen und in den meisten Bundesländern werden jetzt die letzten Klausuren geschrieben. In vielen Familien löst dieser Endspurt in der Schule Anspannung und Sorgen aus, weil nicht sicher ist, wie das Zeugnis des Sprösslings ausfallen wird. Elterngespräche mit den Lehrern haben kurz vor entscheidenden Zensuren Hochsaison und bergen dabei eine Menge Zündstoff. Wir geben 18 Tipps für das Elterngespräch.
Um das Ruder kurz vor Torschluss noch herumzureißen oder gar "Ungerechtigkeiten" aus der Welt zu schaffen, eilen nun viele Eltern mit Redebedarf in die Schule. Ob die Noten plötzlich in den Keller rutschen, Zensuren als ungerecht empfunden werden, das Kind gemobbt wird oder die Hausaufgaben als zu aufwändig empfunden werden - der Anlass ist meist ebenso wichtig wie unangenehm. Die Kommunikation zwischen Lehrer und Erziehungsberechtigtem ist häufig eine komplizierte und emotional aufgeladene Angelegenheit. Zum Wohle des Kindes ist es deshalb wichtig, bestimmte Regeln zu beherzigen und sich gut auf das Gespräch vorzubereiten.
Die Haltung der Eltern ist meist alles andere als objektiv. Sie tragen eine Mischung aus Respekt, Wut, Enttäuschung, Sorgen, Vorurteilen und eigenen Schulerfahrungen mit in das Gespräch. Oftmals übertragen sie das Gefühl der Machtlosigkeit, das sie selbst vielleicht in der Schule erlebt haben, auf den Lehrer ihres Kindes. Schlimmstenfalls wird dann der Pädagoge als jemand empfunden, dem das Kind hilflos ausgeliefert ist, der allmächtig die schulische Laufbahn bestimmt und ein harmonisches Familienleben stört. Lehrer wiederum sehen Eltern häufig als Überwacher und Einmischer, nicht selten auch als Versager in Erziehungsfragen.
Wie problematisch und vielschichtig das Verhältnis zwischen Eltern und Lehrern ist, belegt Heidemarie Brosche auf 256 Seiten in ihrem Buch "Warum Lehrer gar nicht so blöd sind". Die Kinderbuchautorin, Hauptschullehrerin und dreifache Mutter berichtet sowohl aus der elterlichen und als auch aus der pädagogischen Perspektive. Sie schreibt: "Eltern hört man über zu hohe oder zu niedrige Leistungsanforderungen der Lehrer klagen, auch über mangelndes Engagement, Ungerechtigkeit und Arroganz und darüber, dass Lehrkräfte sich ausschließlich um kognitiven Wissenszuwachs kümmern." Pädagogen wiederum beschwerten sich, dass die heutigen Eltern ihrem Erziehungsauftrag nicht mehr nachkämen, dass sie sich zu wenig um ihre Kinder kümmerten, sie in zu vielem gewähren oder "wohlstandsverwahrlosen" ließen. Das Ergebnis seien unmotivierte, unaufmerksame, unverschämte und ungezügelte Schüler, die den Lehrern das Unterrichten zur Hölle machten.
Aufgrund solch gravierender Diskrepanzen ist es verständlich, dass eher ein Gegeneinander als ein Miteinander kultiviert wird. Obwohl Schulgesetze in ganz Deutschland den regelmäßigen Informationsaustausch vorschreiben und laut dem "Bildungsbarometer 2010" das Gros der Eltern und Lehrer die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule befürwortet, vermieden 90 Prozent der Eltern und 83 Prozent der Lehrer den Kontakt zueinander. Und ein Drittel der Befragten Eltern gab sogar an, eher negative Erfahrungen mit Lehrkräften gemacht zu haben. Professor Reinhold S. Jäger, Leiter der Studie "Bildungsbarometer" und Geschäftsführer des Zentrums für empirische Forschung (zepf) der Universität Koblenz-Landau bedauert die "Sprachlosigkeit" zwischen den Beteiligten und betont: "Eine gute Kooperation zwischen Eltern und Lehrern wirkt sich nachhaltig auf die gesamte Entwicklung der Kinder und Jugendlichen positiv aus, vor allem auf ihre Bildungsbiografie."
Die starren und vorurteilsbeladenen Haltungen beider Seiten führen häufig dazu, dass eine Kommunikation und gegenseitiges Kennenlernen erst beginnt, wenn es ernsthafte Probleme wie schlechte Noten, Fehlverhalten, Mobbing oder massive Beschwerden über ungerechte Behandlung der Kinder gibt. Diese Erfahrung hat auch Autorin Heidemarie Brosche gemacht: "Oft kontaktieren Eltern und Lehrer einander erst, wenn der Karren ganz tief im Dreck steckt." Kein Wunder, dass deswegen viele Gespräche in der Schule emotional verlaufen und beide Seiten mit großem Unbehagen an einem Tisch sitzen. Einerseits gehen Eltern oftmals zu gefühlsgeladen und unsachlich in die Verteidigungsposition für ihre Kinder, anderseits fühlen sich Lehrer zu schnell angegriffen. Zumeist lernen sie im Studium und im Schulalltag nur ungenügend, professionell mit Konflikten und Kritik umzugehen.
Die größte Hürde für die Gesprächsparteien ist häufig, sich aus der eigenen Perspektive zu lösen, denn Kinder verhalten sich im Klassenverband oftmals anders als Zuhause. Zum Beispiel müssen Lehrer gelegentlich das elterliche Bild eines Schülers entzaubern, wenn der brave Junge in der Schule ein Störenfried ist. Oder sie müssen erklären, dass es nicht immer an den Unterrichtsmethoden liegt, wenn eine Einser-Grundschülerin im Gymnasium in Versetzungsgefahr gerät. Lehrer sollten dagegen versuchen, bei der Beurteilung eines Schülers mehr private Aspekte zu berücksichtigen. Bei einer Klassenstärke von oftmals über 30 Kindern ist dies bestimmt nicht immer konsequent durchzuhalten. Dennoch können Hinweise der Eltern, dass zum Beispiel eine Trennung ansteht oder das geliebte Haustier gerade gestorben ist, das Verständnis der Lehrkraft für das Verhalten beziehungsweise die Leistung des Kindes fördern.
Wenn ein Gespräch in der Schule unumgänglich scheint, empfiehlt Heidemarie Brosche den Eltern schon im Vorfeld Spannung herauszunehmen und vorschnelle, emotionsgeladene Aktionen zu vermeiden und auf keinen Fall zu "Gegnern" zu werden: "Eltern sollen die Wut auf die Lehrkraft erst einmal bei einer vertrauten Person abladen und dann in Ruhe überlegen, was sie im Gespräch erreichen wollen." Immer sollten sie dabei beherzigen, dass das Wohl des Kindes die höchste Priorität habe. Nicht zu vergessen sei, dass es auf beiden Seiten nicht um das Durchsetzen von eigenen Interessen und Machtansprüchen gehe, so die Autorin. Zusätzlich zu den guten Vorsätzen ist es ausgesprochen sinnvoll, gut vorbereitet zu dem Termin mit dem Lehrer zu gehen und bestimmte Regeln für das Elterngespräch zu beachten.
Nicola Wilbrand-Donzelli
Quark schrieb:
am 26. Mai 2011 um 12:05:42
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Ohne Wut und Vorurteile
Ich bin jetzt 53 Jahre alt. Die Bewertunsrichtlinien in den Schulen sollen gerecht sein ???? Alles viel zu
kompliziert und unübersichtlich.......!!!! Von einheitlichen Vorrausetzungen der Schulen will ich gar nicht reden. (ist eben eine Klassengesellschaft) So wie die Erwachsenen so werden die Kinder und meist leider schlimmer.
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Mutter schrieb:
am 26. Mai 2011 um 11:59:48
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Elterngespräch
Ic denke, man sollte auch schon mal davon ausgehen, dass die Sicht des eigenen Kindes ja auch subjektiv ist. Bin bei
Elterngesprächen immer sehr offen daran gegangen und habe mir die eigene Meinung gebildet. Manches konnte dann auch als Mißverständnis zwischen Tochter und Lehrer einfach ausgeräumt werden. Ich finde wenn man sich offen beide Seiten anhört gibt es meistens einen konstruktiven Weg. Die Schüler haben es heute nicht leicht, die Lehrer aber auch nicht!
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Bruno schrieb:
am 26. Mai 2011 um 11:56:54
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@Vater11:12
Sorry, aber es ist die Aufgabe der Lehrer Fehler zu finden.
Warum hätte er es anders bewerten müssen? Der Lehrer kann sehr
wohl das Potenzial eines Schülers beurteilen. Da kann ein Punkteabzug auch ein Ansporn sein. "Ich hätte dir auf die Arbeit eine zwei geben können aber ich weiß du kannst es besser deshalb bekommst du nur eine drei": bekam ich damals von meinem Klassenlehrer zu hören. Recht hatte er...
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