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Osteopathie bei Babys: Therapie kann Spätfolgen der Geburt vermeiden

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Osteopathie: Heilende Hände…

22.12.2008, 12:26 Uhr | das geflügelte wort

Heilende Hände: Osteopathie. (Bild: Archiv)

Viele Eltern fragen sich, warum gerade ihr Baby so unruhig ist, warum es dauernd schreit und man es nie ablegen kann. Oft stecken Verspannungen und Blockaden dahinter, die durch eine schwierige Geburt ausgelöst wurden beziehungsweise schon in der Schwangerschaft entstanden sind. Und die mit Hilfe eines erfahrenen Osteopathen relativ schnell und völlig schmerzlos wieder beseitigt werden können.

Mögliche Spätfolgen der Geburt

Eine Geburt ist kein Spaziergang. Weder für die Mutter, noch für das Kind, dessen Körper dabei starken physikalischen Kräften ausgesetzt wird. Wenn es zu schnell oder zu langsam geht, wenn die Geburt eingeleitet werden muss oder wenn ein Eingreifen in Form von Zange oder Saugglocke nötig ist, dann kann es zu sogenannten Dysfunktionen kommen. Wenn diese nicht behandelt werden, so gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Erscheinungen verschwinden im Laufe der Zeit vermeintlich wie von selbst und treten dann im schlimmsten Fall Jahre später in Form von Rückenproblemen, Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen, Hyperaktivität oder Verhaltensauffälligkeiten wieder auf oder die Fehlspannungen bleiben dauerhaft im Körper. Und führen zu Schlaflosigkeit, Fehlhaltungen, KISS-Syndrom, Dreimonatskoliken und eventuell auch zu Entwicklungsverzögerungen.

Erste osteopathische Untersuchung so schnell wie möglich

Empfohlen wird daher, sich möglichst frühzeitig nach der Geburt an einen Osteopathen zu wenden. Dabei werden die Reflexe, das Bewegungsverhalten sowie die Körperhaltung überprüft. Es wird nach dem Trinkverhalten und dem Stuhlgang gefragt und danach, ob es möglich ist, das Kind auch mal abzulegen oder ob es immer getragen werden will. Der Osteopath untersucht Becken, Wirbelsäule, Halswirbel und Schädel und sucht gezielt nach Stauchungen oder Zerrungen, die das Kind während der Geburt erlitten hat beziehungsweise die durch Platzmangel in der Schwangerschaft entstanden sind. „In einigen Ländern“, so Marina Fuhrmann, Präsidentin des Verbandes der Osteopathen Deutschland e.V. (VOD), „ist es bereits gang und gäbe, dass Osteopathen im Kreißsaal vertreten sind und tätig werden. Dabei unterstützen sie die Frau während der Geburt und untersuchen und behandeln das Neugeborene bereits innerhalb der ersten zwei Stunden danach.“

Funktionsstörungen frühzeitig erkennen und behandeln

Durch die Osteopathie kann es gelingen, die Symmetrie im Körper wieder herzustellen. Körperliche Spannungen werden so sanft beseitigt. „Grundsätzlich gilt“, so die Wiesbadener Osteopathin, „je früher das Neugeborene untersucht und behandelt wird, umso effizienter können Geburtstraumen ausgeglichen und gegebenenfalls bestehende funktionelle Störungen gleich behoben und damit die Entwicklung gestützt werden.“ Osteopathen gehen dabei im wahrsten Sinne des Wortes mit viel Fingerspitzengefühl vor. Durch die genaue Kenntnis von physiologischen und anatomischen Zusammenhängen sind sie in der Lage, eine verminderte Bewegungsfreiheit aufzuspüren und auf sanfte Weise zu beseitigen.

Der Mensch als Einheit

Dabei wird immer der Organismus als Ganzes betrachtet. Die Osteopathie nimmt den Patienten als Individuum wahr und behandelt ihn als ganzheitliche Medizin in seiner Gesamtheit. Diese Behandlung, die in der Regel 45 Minuten dauert, ist völlig schmerzfrei und für Babys sogar oft so entspannend, dass sie dabei einschlafen. Nach nur wenigen Behandlungen wird meist eine deutliche Besserung der Beschwerden erzielt.

Säuglinge haben eine überschaubare Krankengeschichte

Bei älteren Patienten ist eine Anamnese, also eine gründliche Befragung vor der Behandlung, notwendig, damit sich der Osteopath ein genaues Bild der Erkrankung machen kann. Dazu kann es auch nötig sein, Laborwerte und Röntgenbilder einzusehen. Das ist unter anderem der Grund, warum die Behandlung bei Säuglingen so einfach ist. Die Krankengeschichte ist äußerst überschaubar und meist gilt es nur, den Punkt zu finden, an dem die Bewegungsfähigkeit des Körpers eingeschränkt ist. Die Osteopathie geht nämlich davon aus, dass sich da, wo Bewegung verhindert wird, Krankheiten ausbreiten. Durch das frühzeitige Behandeln werden Funktionsstörungen schnell gelöst und so kann vorbeugend das Ausbrechen einer Krankheit verhindert werden. Für die Behandlung verwendet ein Osteopath übrigens nur seine Hände. Er verschreibt keine Medizin und braucht auch keine Instrumente.

Osteopathie in der Schwangerschaft

Bereits in der Schwangerschaft kann man sich und das Kind osteopathisch behandeln lassen. Hierbei geht es im Wesentlichen darum, dafür zu sorgen, dass das Kind gut mit Nährstoffen versorgt ist und Platz zum Wachsen hat. Auch der werdenden Mutter kann so die Schwangerschaft so angenehm wie möglich gemacht werden. Im ersten Trimester wird vor allem die Beweglichkeit des Beckens, der Muskeln und Gelenke überprüft und gegebenenfalls wieder hergestellt. Im zweiten und dritten Trimester wird die sich verändernde Statik ausgeglichen und vor allem das Kind im Uterus beweglich gehalten. So kann man nicht nur Schwierigkeiten bei der Geburt sondern auch manche Beschwerden wie Wasseransammlungen oder Krampfadern vermeiden beziehungsweise lindern. Aber auch bei gesundheitlichen Problemen der Mutter wie Migräne oder Rückenschmerzen während der Schwangerschaft kann ein Osteopath helfen. So wird verhindert, dass die Schwangere ein Schmerzmittel einnehmen muss. „Die osteopathische Behandlung sollte“ - laut Marina Fuhrmann – „immer im Tandem mit dem betreuenden Gynäkologen erfolgen. Wünschenswert ist, dass der Osteopath sich gemeinsam mit diesem um das Wohl der Schwangeren kümmert, sodass entstehende Probleme während der Schwangerschaft zusammen gelöst werden."

Die Kosten der Behandlung

Im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen ist die Osteopathie nicht enthalten, private Versicherungen übernehmen teilweise die Behandlungskosten, wobei man für eine Behandlung mit einem Betrag zwischen 60 und 100 Euro rechnen muss. Dies beinhaltet eine ausführliche Besprechung der Krankengeschichte, die Untersuchung und die Anwendung unterschiedlicher osteopathischer Techniken.

Ursprung der Osteopathie

Die Osteopathie wurde vor mehr als 130 Jahren von dem amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still begründet. Der Anlass, nach Alternativen zu suchen, war ein sehr trauriger: Der Mediziner hatte hilflos mit ansehen müssen, wie sowohl seine Frau als auch seine vier Kinder an Krankheiten starben. Der Begriff, den Still für seine Methode gefunden hat, setzt sich aus den altgriechischen Wörtern Osteo (Knochen) und Pathie (Leiden) zusammen. Bis heute hat sich die Osteopathie stets weiterentwickelt und umfasst inzwischen auch kraniosakrale (Schädel, Rückenmark und Nervensystem betreffende) sowie viszerale (die inneren Organe betreffende) Bereiche.

Osteopathie ist kein Allheilmittel

Die Osteopathie ist eine sinnvolle Ergänzung der Schulmedizin. Im Gegensatz zu dieser allerdings behandelt sie nicht nur einzelne Symptome, sondern spürt die eigentlichen Ursachen der Beschwerden auf. Die Osteopathie ist also keine Alternativmedizin und stößt immer dann an ihre Grenzen, wenn es nicht mehr möglich ist, die Selbstheilungskräfte entsprechend zu mobilisieren.

Entwicklung in Deutschland

In Deutschland, wo sie erst Mitte des vergangenen Jahrhunderts sehr langsam Einzug gehalten hat, gilt die Osteopathie als Heilkunde, die nur von einem Arzt oder einem Heilpraktiker beziehungsweise auf dessen Anweisung hin ausgeübt werden darf. Denn die Ausbildung zum Osteopathen ist bei uns noch nicht staatlich geregelt. Der VOD, 1994 gegründet, fordert deshalb die Anerkennung des Osteopathen als eigenständigen Beruf. „Vor allem, weil nur ein staatlich reglementierter Beruf bestmögliche Qualitätssicherung im Interesse der Patienten erlaubt,“ so die Präsidentin. Beim Verband der Osteopathen ist es übrigens auch möglich, eine Therapeutenliste einzusehen, die ausschließlich Mitglieder enthält, die sich seit Jahren auf dem Gebiet weiterbilden.


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