11.02.2010, 14:07 Uhr
Senioren können Aktiv-Patenschaften übernehmen. (Bild: Imago)
Ein Austausch über die Generationen hinweg ist für alle Beteiligten bereichernd. Doch wenn die Familie nicht in der Nähe lebt oder die erwachsenen Kinder selbst noch keine Kinder haben, sind viele Senioren weitgehend auf den Kontakt mit Altersgenossen beschränkt. Eine Alternative ist eine sogenannte Aktiv-Patenschaft, die ein Senior für ein Kind, einen Jugendlichen oder eine junge Familie übernehmen kann.
Die bekannteste Form der Aktiv-Patenschaft sei die "Leih-Oma" oder in selteneren Fällen der "Leih-Opa", erläutert Randolf Gränzer, Vorsitzender des Fördervereins Patenschaften-Aktiv in München. Hier gehe es darum einige Stunden pro Woche mit dem Kind zu verbringen, beispielsweise wenn den Eltern aufgrund beruflicher Belastungen die Zeit fehle, in den Zoo zu gehen, Plätzchen zu backen oder zu basteln. Es gebe auch die Möglichkeit einer Familienpatenschaft, bei der Senioren insbesondere junge Eltern im Umgang mit kleinen Kindern und bei praktischen Alltagsproblemen unterstützen. "Die Kinder freuen sich über den regelmäßigen Kontakt und profitieren von der Erweiterung der Familie", sagt Gränzer.
Auch wenn eine "Wunschoma" natürlich kein kostenloser Babysitter sei, empfänden viele Eltern die Senioren als große Unterstützung im Familienalltag, weiß Helga Krull vom Großelterndienst in Berlin. Umgekehrt sei für viele ältere Menschen der Kontakt zum "Wunschenkel" eine sehr bereichernde Aufgabe. "So sind schon viele Verbindungen entstanden, die familienähnlich gewachsen sind und über Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte halten", sagt sie.
Wem ein solcher Kontakt allerdings zu eng scheint, kann sich auch für eine Lern- und Lesepatenschaft entscheiden. Hier geht es darum, einmal pro Woche in einem öffentlichen Raum wie der örtlichen Stadtbibliothek eine Vorlese-Stunde zu halten oder aber kleinen ABC-Schützen beim Lesen zu helfen. Eine etwas anspruchsvollere Variante sei eine Job-Patenschaft für einen Jugendlichen, erläutert Gränzer. Dabei liege der Fokus darauf, schwachen Schülern, bei denen der Schulabbruch drohe, eine berufliche Perspektive aufzuzeigen.
"Grundsätzlich gilt: Jeder kann Aktiv-Pate werden", sagt Gränzer. Es sei kein Vorwissen nötig und auch körperlich nicht mehr so leistungsfähige Senioren könnten Wege finden mitzumachen. "Wichtig ist, kinderfreundlich zu sein und sich jede Woche etwa zwei bis drei Stunden Zeit zu nehmen", weiß der Vereinsvorstand. Bei einer Patenschaft komme es darauf an, auf Menschen zuzugehen, Vertrauen aufzubauen und flexibel zu sein, ergänzt Krull.
Bei einer neuen Vermittlung initiiert der Großelterndienst das erste Kennenlernen, anschließend folgt eine Probezeit von sechs Wochen. "Wenn die Chemie nicht stimmt, suchen wir weiter, wir versuchen niemandem einzureden, dass es passt", betont Krull. Wie lange eine Patenschaft dauert, hängt vom Einzelfall ab. "Meist sind es etwas ein bis zwei Jahre - aber in einigen Fällen halten die Bande auch zwanzig Jahre", sagt Gränzer. Doch selbst, wenn der Kontakt nach sechs Monaten wieder abreiße, hätten beide Seiten fast immer davon profitiert.
Vermittelt werden die Patenschaften durch bundesweit mehr als 1000 lokale Anlaufstellen. Eine Datenbank mit Vermittlungsstellen findet sich auf der Webseite aktivpatenschaften.de oder kann telefonisch erfragt werden unter 089/42095160-70 beziehungsweise -71.
Quelle: ddp
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