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Roboter "Kaspar" im Einsatz für autistische Kinder

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Roboter "Kaspar" im Einsatz für autistische Kinder

29.04.2011, 10:48 Uhr

Die vierjährige Eden profitiert von dem Umgang mit "Kaspar". Lehnte sie zuvor Körperkontakt ab, geht sie jetzt liebevoller auf ihre Mitmenschen zu. (Foto: AP Photo/Alastair Grant)

Die vierjährige Eden profitiert von dem Umgang mit "Kaspar". Lehnte sie zuvor Körperkontakt ab, geht sie jetzt liebevoller auf ihre Mitmenschen zu. (Foto: AP Photo/Alastair Grant)

Ronnie Arloff begrüßt den Roboter mit offenen Armen. Der autistische Junge rennt "Kaspar" sogar entgegen, als dieser in den Flur der Vorschule in Stevenage nördlich von London kommt. Hier ist die Maschine jede Woche für ein paar Stunden zu Besuch, soll den Kindern helfen, Kontakt zu anderen Menschen aufnehmen zu können. Forscher erwarten viel von "Kaspar", sind sich aber zugleich einig, dass sich eine Therapie autistischer Menschen nicht nur auf den Einsatz von Robotern beschränken kann.

Der kleine Ronnie hat Fortschritte gemacht

Der vierjährige Ronnie jedenfalls hat mit "Kaspars" Hilfe gelernt, die Mimik anderer zu erkennen: Zeigt der Roboter ein lachendes Gesicht, sagt der Junge: "glücklich". Runzelt er die Stirn, stellt Ronnie fest, dass der Roboter "traurig" ist. Als Autismus bezeichnet man eine Entwicklungsstörung, an der etwa ein Prozent der Bevölkerung leidet und die sich häufig bereits im frühen Kindesalter äußert. Betroffene haben Probleme im sozialen Umgang mit anderen Menschen, können Gefühlsäußerungen anderer oft nicht verstehen.

Mehrere Versionen des Roboters

Der Roboter "Kaspar", der lachen, lächeln, zwinkern, böse gucken und die Arme bewegen kann, wurde von Wissenschaftlern der Universität Hertfordshire entwickelt und befindet sich in der Erprobung. Ähnliche Projekte gibt es auch in Ländern wie Kanada, Japan oder den USA, aber "Kaspar" gilt als das am weitesten fortgeschrittene. Es gibt mehrere Versionen des Roboters, darunter sogar einen, der Nintendo Wii spielen kann. Der Roboter hat schwarze Haare, trägt eine Baseballkappe und rote Socken und hat ungefähr die Größe eines Grundschulkindes.

Einmal pro Woche zehn Minuten mit "Kaspar"

In die Vorschule nach Stevenage kommt er einmal pro Woche; die Kinder dort beschäftigen sich mit dem von einem Wissenschaftler ferngesteuerten Roboter jeweils bis zu zehn Minuten lang. Ihre Reaktionen und Entwicklungsschritte werden aufgezeichnet. Nur zwei der zwölf bis 17 Kinder, die die Einrichtung besuchen, haben sich bisher geweigert, zu "Kaspar" Kontakt aufzunehmen.

Sprach- und Musikherapie ist ebenso wichtig

Eine Mitarbeiterin der Vorschule, Nan Cannon-Jones, sagt, dass der Roboter den Kindern helfe, Gefühle und Sprache zu verstehen. "Wenn 'Kaspar' sagt: 'HaHa', lernen die Kinder, was Lachen ist", erklärt sie. Zugleich betont sie, dass in der Schule auch Sprach- und Musikherapie angewendet wird: "Man kann den Kindern nicht das Sprechen oder Spielen beibringen, indem man ausschließlich Roboter einsetzt. Aber sie helfen, das zu verfestigen, was wir die Kinder ohnehin lehren, zum Beispiel nett zu sein zu anderen." Der Roboter hilft den Kindern beim Verstehen menschlicher Emotionen. Reale Gesichtsausdrücke sind für autistische Kinder meist schon zu komplex, um sie richtig deuten zu können, sie verlieren sich in Einzelheiten des Gesichts. "Kaspar" hingegen ist sehr einfach gehalten und kann so optimal die grundlegenden Gefühlsstimmungen vermitteln.

Roboter ist kein Ersatz für Menschen

Ähnlich sehen dies auch Wissenschaftler. Die Londoner Psychologin Abigael San, Sprecherin der Britischen Psychologischen Gesellschaft, hält das "Kaspar"-Projekt für vielversprechend. "Autistische Kinder mögen Dinge, die aus verschiedenen Bestandteilen gemacht sind - so wie ein Roboter", sagt sie. "Es kann also sein, dass sie das, was ihnen ein Roboter vormacht, eher ausführen, als wenn es ihnen ein Mensch zeigt." Aber man könne sich nicht zu sehr auf eine Maschine stützen. "Wir wollen nicht, dass sich autistische Kinder zu sehr an den Umgang mit Robotern gewöhnen. Wir wollen schließlich, dass sie lernen, mit anderen Menschen umzugehen."

Großangelegte Untersuchung notwendig

Kerstin Dautenhahn, eine am "Kaspar"-Projekt beteiligte Wissenschaftlerin der Universität Hertfordshire, weist außerdem darauf hin, dass es keine Langzeituntersuchung zu dem Roboter-Einsatz gebe. Man habe Erfolge bei ein paar Dutzend Kindern verzeichnet, könne aber nicht sagen, wie langfristig diese seien. Die Forscher würden gern eine großangelegte Langzeitstudie durchführen, dies ist aber abhängig von entsprechenden Fördermitteln sowie der Unterstützung von Lehrern und Eltern.

Erfolge auch bei der vierjährigen Eden zu verzeichnen

Von der Mutter von Eden Sawczenko aus der Vorschule in Stevenage würden sie diese Unterstützung sicherlich bekommen. Sie ist überzeugt, dass ihre vierjährige Tochter von dem Umgang mit "Kaspar" profitiert hat: Früher habe das kleine Mädchen fast jeden Körperkontakt abgelehnt, erzählt sie. "Jetzt geht sie viel liebevoller mit ihren Freunden um und versucht sie sogar zu umarmen."


Quelle: dapd

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