12.01.2012, 15:02 Uhr | Simone Blaß
Hat der kleine Patient eine Himbeerzunge? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Die Zahl der an Scharlach erkrankten Kinder wird deutschlandweit pro Jahr auf rund 30.000 geschätzt. Vor 50 Jahren war sie dreimal so hoch. Das lag unter anderem daran, dass man die Kinder Scharlach früher komplett auskurieren ließ und sie entsprechend lange ansteckend waren. Auch heute gibt es noch die Möglichkeit, Scharlach ohne Antibiotika zu kurieren, allerdings bedeutet das drei Wochen absolute Bettruhe und die nicht unerhebliche Gefahr von Folgekrankheiten.
Scharlach ist eine der typischen Kinderkrankheiten. Was aber nicht heißt, dass Erwachsene nicht auch daran erkranken könnten. Das häufigste Erkrankungsalter liegt allerdings zwischen Kindergarten und Schule, bevorzugt in den Monaten Oktober bis März. Säuglinge sind durch den Immunschutz der Mutter in der Regel in den ersten sechs Lebensmonaten geschützt.
Verursacher der Krankheit sind Bakterien aus der Gruppe der Streptokokken, die nicht nur für Scharlach verantwortlich sind, sondern unter anderem auch für Mittelohrentzündung, Lungenentzündung oder Hirnhautentzündung. "Scharlach ist ein Krankheitsbild bestimmter Streptokokken der Gruppe A", erklärt Dr. Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. "Sie können - unbehandelt - für eine Reihe von Nachkrankheiten verantwortlich sein, wie zum Beispiel das rheumatische Fieber, bei dem man eine Entzündung der Herzinnenhaut fürchtet. Die befällt bevorzugt die Herzklappen und sorgt hier für Schrumpfungen, was wiederum die Klappen undicht macht. Daraus resultieren schwere Herzfehler."
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Beim klassischen Verlauf tritt ganz plötzlich hohes Fieber auf, deutlich über 39 Grad. Schluckbeschwerden, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Übelkeit begleiten die hohe Temperatur. Der sogenannte Milchbart ist charakteristisch für die Krankheit - das heißt, um den Mund herum sind die Patienten blass, während sich überall sonst ein roter Ausschlag breitmacht. Auch die typische himbeerrote Zunge weist auf eine Scharlacherkrankung hin. Und übler Mundgeruch, entstehend durch die meist eitrigen Beläge auf den Mandeln. Zunge und Haut sind - bis auf die Mundpartie - stark gerötet. Der Ausschlag besteht aus winzig kleinen Flecken, die fast wie Gänsehaut oder Sandpapier wirken und die nach einiger Zeit dunkel-, also scharlachrot werden. Er beginnt in den Achseln oder Leisten. All dies kann, muss aber nicht auftreten.
Himbeerzunge, Milchbart und Ausschlag erscheinen in der Regel ab dem dritten Krankheitstag und können bis zu drei Wochen bleiben. Am Ende schuppt sich die Haut, vor allem an Handflächen und Fußsohlen. Doch soweit kommt es heutzutage kaum mehr, denn bereits bei Verdacht macht der Kinderarzt einen Abstrich und verordnet Antibiotika, meist Penicillin. Viele Ärzte raten heute zusätzlich zu dem homöopathischen Mittel Belladonna, der Tollkirsche. Toben und Sport sollten zudem erst einmal nach hinten verschoben werden.
Man kann Scharlach auch ohne Antibiotikum behandeln, sollte dies allerdings nicht ohne ärztliche Unterstützung machen, damit mögliche Komplikationen früh genug erkannt werden können. Anthroposophische Ärzte wie der Kinderarzt und Autor Dr. med. Michael Stellmann raten sogar dazu, auf ein Antibiotikum zu verzichten, um das Kind nicht in seiner persönlichen Entwicklung einzuschränken. In seinem Buch "Kinderkrankheiten natürlich behandeln" schreibt der Mediziner hierzu: "Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Scharlacherkrankung ihre Notwendigkeit mehr in einer geistig-seelischen Festigung hat. (…) Nicht die Unterdrückung eines notwendigen Entwicklungsprozesses soll unser therapeutisches Ziel sein, sondern die sinnvolle Begleitung des heranwachsenden Menschen in einer Sondersituation, auf die wir durch die Erkrankung aufmerksam gemacht werden."
Mindestens drei Wochen absolute Bettruhe braucht es, um Scharlach komplett auszuheilen und Spätfolgen zu vermeiden. Das gilt grundsätzlich, wenn man ohne Antibiotika arbeitet. Dr. Stellmann geht sogar noch weiter: "Die auftretende Langeweile, die auffallenderweise bei scharlachkranken Kindern kaum ein Problem darstellt, darf nicht mit viel Radiomusik oder gar Fernsehen vertrieben werden."
Doch auch nach dem Ausheilen auf natürlichem Weg kann Scharlach wieder auftreten. Doktor Fegeler erklärt, warum: "Das Krankheitsbild Scharlach wird durch das sogenannte Dick-Toxin hervorgerufen. Dieses gibt es in unterschiedlichen antigenen Versionen, gegen die immer spezifische Antikörper gebildet werden müssen. Da es etwa drei bis sechs - die genaue Zahl ist unklar - verschiedene antigene Versionen des Dick-Toxins gibt, kann man theoretisch auch genauso häufig ein Scharlachbild entwickeln."
Scharlach ist extrem ansteckend und wird über Tröpfchen, also Husten oder Niesen beziehungsweise über Körperkontakt übertragen. In manchen Bundesländern besteht sogar eine Meldepflicht. Da die Streptokokken auch außerhalb des Körpers lebensfähig sind, besteht auch die Gefahr, sich über Spielzeug anzustecken. Man kann zwar nicht gegen Scharlach geimpft werden, im Gegensatz zu anderen Kinderkrankheiten wie Röteln allerdings ist Scharlach für Schwangere vergleichsweise harmlos. Mit Komplikationen für das Baby muss man nicht rechnen, was sehr tröstlich ist für die schwangeren Mütter von kleinen Patienten. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis vier Tage. Nach Einnahme eines Antibiotikums kann das Kind, wenn es sich wieder wohlfühlt, bereits nach ein bis zwei Tagen in die Schule oder den Kindergarten zurückkehren.
Allerdings sollte man nicht vergessen, das Kind ein paar Wochen, nachdem es an Scharlach erkrankt war, noch einmal gründlich vom Kinderarzt ansehen zu lassen. Es wird dann buchstäblich auf Herz und Nieren geprüft, um wirklich alle möglichen Spätfolgen auszuschließen.
ratgeber.t-online.de - Scharlach bei Erwachsenen: Symptome und Therapie
Quelle: t-online.de
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