17.03.2010, 11:29 Uhr | rev; sca
Zu müde für den Unterricht: Dem wollen schottische Schulen nun entgegenwirken. (Quelle: imago)
Übermüdete Gesichter und Gähnen im Klassenzimmer - in vier Schulen in Schottland könnte das nun ein Ende haben. Denn dort gibt es seit kurzem ein neues Unterrichtsfach: Schlafen. Damit die Schüler verstehen, wie wichtig Erholung für sie ist, wurde nun der Schlafunterricht eingeführt.
Der neue Kurs soll den Schülern letztendlich helfen, effektiver zu lernen und geistig fitter zu werden. Genügend Schlaf ist dafür eine wesentliche Voraussetzung - und obwohl Experten Kindern täglich mindestens neun Stunden Schlaf empfehlen, sind es bei vielen Schülern nur etwa vier.
"Man würde niemanden ohne genug zu Essen in die Schule schicken. Wieso sollte man also jemanden ohne genug Schlaf dorthin schicken?", kritisiert Jane Ansell von der Stiftung "Charity Sleep Scotland". Mit diesem Pilotprojekt, dessen Leiterin Ansell ist, möchte man den Schülern beibringen, wenigstens neun Stunden täglich zu schlafen und außerdem Handys, Laptops oder Spielkonsolen nicht mit unter die Bettdecke zu nehmen. Ein 15-jähriger Schüler erklärte nach einigen Unterrichtstunden, dass er versuchte früher ins Bett zu gehen: "Ich ging gegen 22:00, vielleicht eher 23:00 Uhr Schlafen und ich fühle mich tatsächlich ein bisschen ausgeschlafener." Dann ergänzte er: "Ich bin im Französischunterricht nicht eingeschlafen wie sonst. Also zumindest mein Französischlehrer ist zufrieden."
Grundsätzlich gilt, dass Schlafen natürlich etwas sehr Individuelles ist. Was für den einen locker reicht, ist dem anderen noch lange nicht genug. Das gilt für Erwachsene wie für Kinder. Trotzdem aber gibt es Richtwerte, die den Kindern und auch den Eltern eine Orientierung geben:
Alter | Schlafbedürfnis |
bis zu 3 Monaten | 16-18 Stunden |
4 - 5 Monate | 14-15 Stunden |
6 - 12 Monate | 13 Stunden |
1 - 4 Jahre | 12 Stunden |
5 - 6 Jahre | 11,5 Stunden |
7 - 9 Jahre | 11 Stunden |
10 - 11 Jahre | 10,5 Stunden |
12 - 13 Jahre | 10 Stunden |
14 - 16 Jahre | 9 Stunden |
Quelle: familienhandbuch.de |
Was die geistige Leistungsfähigkeit von Schülern betrifft, muss jedoch noch etwas anderes beachtet werden: Im Teenager-Alter verändert sich der Schlafrhythmus grundlegend. Und zwar verschiebt er sich deutlich nach hinten. Das heißt, die Jugendlichen sind morgens später leistungsfähig und abends länger wach. Sie morgens um halb sieben oder sieben zu wecken, damit sie pünktlich in der Schule ankommen, wird da für manche Eltern zur Geduldsprobe. Auch ist die Leistungsfähigkeit in der ersten Schulstunde noch nicht voll gegeben. Aus diesem Grund fordern immer wieder Schlafforscher, den Schulanfang zeitlich nach hinten zu schieben und erst um 8:30 oder 9:00 Uhr mit der Schule zu beginnen. Am Nachmittag haben Teenager dann noch ein weiteres Leistungshoch. Es kommt also nicht nur auf die reine Schlafzeit an, sondern auch auf die Tageszeit.
rev; sca
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