16.05.2012, 17:21 Uhr | Simone Blaß
Soll man Kinder einfach schreien lassen, wenn sie nicht schlafen wollen? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Jedes Kind kann alleine einschlafen und durchschlafen. Das behauptet Richard Ferber, ein weltweit anerkannterKinderarzt und Leiter eines Schlaflabors in den USA. Auch der Bestseller "Jedes Kind kann schlafenlernen" von Annette Kast-Zahn und Hartmut Morgenroth basiert in abgeschwächter Form auf der Ferber-Methode. Warum das Programm gegen Schlafprobleme bei Eltern und Kinderpsychologen jedoch umstritten ist.
Die Ferber-Methode basiert darauf, das Kind wach ins Bett zu legen und nach einem kurzen Einschlafritual das Zimmer zu verlassen, um bei Bedarf nach festgelegten Minutenabständen zurückzukehren. Dabei wird das Kind zwar kurz getröstet, wenn es weint, aber nicht herausgenommen oder mit Schnuller und Ähnlichem beruhigt. Bestenfalls nach zwei bis drei Tagen, spätestens aber nach zwei Wochen soll es gelernt haben, von selbst (wieder) einzuschlafen. Grundlage ist die These der Verhaltenstherapie, dass jedes Verhalten erlernt wurde und somit auch wieder abtrainiert werden kann.
Schon Kinder können über Monate an krankhaften Schlafstörungen leiden. zum Video
Diese Methode verlangt Eltern sehr viel Geduld ab. Nicht selten gibt es zwischen den Partnern Streit, wenn das Kind schreiend in seinem Bett liegt und einer von beiden es nicht mehr tatenlos anhören kann. Es ist also wichtig, sich im Vorfeld darüber im Klaren zu sein, dass die Umsetzung extrem an die Nerven gehen wird. Ein Abbrechen wird von den Vertretern der Ferber-Methode nur in Ausnahmesituationen empfohlen, da die Methode sonst nach hinten losgehen könnte: Das Kind lernt dann, dass es nur lange genug schreien muss, um zu bekommen, was es will.
Es gibt viele Gegner der Ferber-Methode. Die Argumente liegen auf der Hand: Das Grundbedürfnis des Kindes nach menschlicher Nähe werde ignoriert und das Kind dressiert und verallgemeinert. Aber vor allem wird kritisiert, dass Eltern gegen ihr Bauchgefühl angehen sollen, indem sie sich strikt an einen Plan halten und vor allem, indem sie das Schreien des Kindes ignorieren.
Professor Ferber selbst aber hat immer wieder darauf hingewiesen, dass er dieses Programm erstens für Kinder entwickelt hat, die älter als ein Jahr sind und es zweitens als eine Art Notbremse für Eltern am Ende ihrer Kraft gedacht ist. Die Methode sollte nie ein Freifahrtschein dafür sein, ein Kind, wie früher häufig praktiziert, stundenlang schreien zu lassen und ihm somit das Urvertrauen zu nehmen. Es gibt inzwischen auch einige weitere Programme, wie die Freiburger Sanduhr-Methode oder die australische Tweddle-Methode, die zwar auf der Ferber-Methode basieren, diese aber abwandeln beziehungsweise abschwächen.
Zunächst einmal ist es wichtig, sich zu fragen, wozu man bereit ist. In vielen Familien funktioniert zum Beispiel das gemeinsame "Familienbett" über Jahre hinweg optimal, alle sind damit zufrieden und dann gibt es auch keinen Grund, etwas daran zu ändern. Auch dann nicht, wenn Nachbarn, Großeltern oder Freunde anderer Meinung sind. Geändert werden muss das Verhalten dann, wenn Schlaf zum Problemthema in der Familie wird, sich durch den ganzen Tag zieht und die Beziehung vergiftet. Dann kann man es - vorausgesetzt das Kind ist körperlich und seelisch gesund - mit der Ferber-Methode beziehungsweise ihren Abwandlungen probieren. Und dann sollte man auch versuchen, durchzuhalten. Denn es dauert seine Zeit, bis eingeschlichene Gewohnheiten sich wieder verändern.
Sollte das Kind aber auffällige Verhaltensweisen zeigen oder krank werden, muss man auf jeden Fall eingreifen. Denn ein Kind, das Hilfe benötigt - egal ob seelisch oder körperlich - allein zu lassen, wäre unverantwortlich, selbst wenn es sich nur um Minuten handelt. Der Familientherapeut Paul Suer, selbst Autor einiger Bücher zum Thema Kinderschlaf und mehrfacher Vater, steht der Ferber-Methode ebenfalls skeptisch gegenüber: "Wenn das Kind gesund ist, kann eine konsequente und klar abgegrenzte Vorgehensweise hilfreich sein, damit der Familienfrieden wieder hergestellt wird. Aber Kinder sind nun mal Kinder und wir sollten mit ihren kleinen Seelen nicht experimentieren."
Oft hilft es bereits, ein Schlaftagebuch zu führen. Daran lässt sich meist deutlich erkennen, welche Verhaltensweisen dazu führen könnten, dass das Kind alleine nicht zur Ruhe kommt. So kann manches Schlafproblem bereits im Vorfeld erkannt und beseitigt werden. Genauso wichtig wie feste Schlafenszeiten und Einschlafrituale wie die Gute-Nacht-Geschichte ist es, sich untereinander einig zu sein. Über einen grundsätzlichen Ablauf und den Schlafplatz an sich sollte es keine Diskussionen geben. Jeder Elternteil kann aber durchaus seine persönliche Art haben, die Kinder ins Bett zu bringen. Das wissen diese schon sehr früh zu unterscheiden.
Petra Weidemann-Böker, die Autorin des Buches "Das neue Ein- und Durchschlafbuch. Endlich ruhige Nächte für Eltern und Kind" fasst die inzwischen herrschende Grundtendenz zusammen: "Jede Familie muss ihren eigenen Weg finden. Es gibt keine Patentlösung. Warum? Weil jedes Kind einmalig ist. Weil jedes Kind anders tickt. Weil die Situation in jeder Familie anders ist. Wir leben eben nicht in einer genormten Welt mit perfekten Menschen und mit Kindern ‚von der Stange‘, die sich in ein Raster stecken lassen und programmgemäß reagieren."
Simone Blaß
moni schrieb:
am 16. Mai 2012 um 21:50:26
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kinderschlaf
hatten wir kein problem, der papa hat vorgelesen oder eine erfundene geschichte erzählt, gehutscht (geschaukelt) und in 5-10
minuten war ruhe.
war manchmal lästig und dr papa schlief vorher, aber es hat allen gefallen.
genauso hat es der papa auch von seinen eltern erfahren.
das was einem als kind gefallen hat, sollte man auch seinen kindern gut tun.
was soll dieses geschrei und die machtprobe?
statt vor der glotze zu hocken sind 10 minuten sich dem kind widmen, kein großes opfer. humanität
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claudia schrieb:
am 16. Mai 2012 um 19:47:53
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(1)
Ferbermethode
jedes Kind kann schlafen lernen, das Eine mit 6 Wochen, das Andere mit 6 Jahren, Basta!
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Schreihals schrieb:
am 16. Mai 2012 um 18:28:18
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"Schlafproblem"
Wenn das Kind sich wohlfühlt, wird es kein Schreihals werden. Man kann aber Fehler machen,wenn bei jedem Geräusch
sofort dieses abstellt,indem das Kind "extra Zuwendung" erhält. Sofern kein Unwohlsein vorliegt, sollte man ruhig mal die Nerven behalten,genauso wie man bei der Erziehung Standhaftigkeit braucht, um Grenzen aufzuzeigen. Das Kind sucht immer nach Grenzen. Diese aufzuzegen ist Aufgabe der Eltern, die einfach konsequent bleiben müssen. Das Kind wird es dann im Leben leichter
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