20.01.2010, 09:25 Uhr | Simone Blaß
Schwanger und ohne Partner: Oft ist externe Hilfe nötig. (Bild: Imago)
Rund 2,3 Millionen Frauen in Deutschland erziehen ihre Kinder alleine. Konkrete Zahlen gibt es nicht, aber man geht davon aus, dass jede fünfte bereits die Schwangerschaft ohne Partner erleben muss. Diese Frauen sind in einer Situation alleine, in der andere die Gemeinsamkeit besonders genießen. Ihr Mut, sich trotz aller Widrigkeiten für das Kind zu entscheiden, wird vom Umfeld nur selten honoriert - Verzweiflung und Zukunftsangst sind da oft an der Tagesordnung.
Nicht immer ist eine Schwangerschaft ein Grund zur Freude. Vor allem dann nicht, wenn der Partner das Kind auf keinen Fall will und die werdende Mutter im Stich lässt. Oder das Baby aus einer Beziehung heraus entstanden ist, die keine Basis für die Zukunft hatte. „Der Stand von Single-Mamis ist in unserer Gesellschaft immer noch ein schwerer. Es passiert nicht selten, dass die Frauen von der Familie des Ex oder der Umwelt angegriffen werden, sie würden dem armen Mann das Kind anhängen beziehungsweise die Männer nur finanziell ‚abzocken‘ wollen.“ Gabriele Degelmann, die sich bei dem Verein umstaendehalber engagiert, kennt viele solcher Fälle. „Wir sind immer wieder fassungslos, dass das Gros der Bevölkerung immer noch nicht begriffen hat, dass eine Schwangerschaft ausschließlich durch zwei Personen entstehen kann.“ Der gemeinnützige Verein "umstaendehalber" setzt sich für alleinstehende Mütter ein.
Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen über pränatale Psychologie zeigen, dass das, was der Embryo während der Schwangerschaft erfährt, Auswirkungen auf sein späteres Leben haben kann. Die Ängste der Mutter gehen auch an dem Baby nicht spurlos vorüber. Negative Gefühle wie Stress und Existenzangst beeinflussen es und häufig sind so genannte "Schreibabys" die Folge. Für die Frauen, die sich schon an sich schlecht genug fühlen, ist der Gedanke, sie seien verantwortlich dafür, dass es ihrem Baby nicht gut geht, oft unerträglich. Hier können Freunde und Familie viel abfangen, für die Frau da sein und sie in ihrer Entscheidung bestärken. Sie nicht alleine lassen in psychisch schwierigen Situationen wie der Geburtsvorbereitung und sie begleiten beim Einkauf von Erstlingssachen. „Man sollte ihr aber auch Mut machen, die zustehenden Unterhaltszahlungen einzufordern und sich nicht einschüchtern oder bedrohen zu lassen“, ergänzt Gabriele Degelmann. „Ist das Kind erst einmal geboren, so braucht die Mutter jemanden, der sich mit ihr freut, dass dieses kleine Wesen nun auf der Erde ist – es ist unglaublich schwer, wenn solche Mamis sehen, wie sehr sich andere Väter über ihren Nachwuchs freuen und der eigene Ex-Partner will das gemeinsame Kind nicht einmal sehen.“ Frauen in einer solchen Situation brauchen Entlastung und vor allem auch Hilfe. Jemand, der ihnen das Baby gelegentlich abnimmt, damit sie wieder Kraft tanken können.
Kinder allein zu erziehen ist heutzutage keine Schande mehr und die betroffenen Frauen können häufig in organisierten Gruppen vor Ort oder aber auch im Internet Hilfe und Beratung finden. Für die Frauen, die aber bereits in der Schwangerschaft alleine sind und sich damit in einer psychischen Ausnahmesituation befinden, ist das Angebot lang nicht so vielfältig. Die Mitglieder des Vereins umstaendehalber haben es sich daher zur Aufgabe gemacht, diese Lücke zu schließen. „Wir wollen den betroffenen Frauen unbürokratische, schnelle Hilfestellung geben und bieten neben allen wichtigen Informationen aus den Bereichen Behörden, Recht und Finanzielles ein Forum zum Austausch sowie ein Sorgen- und Beratungstelefon, das man auch anonym nutzen kann. Interessanterweise hatten übrigens fast alle Frauen, die uns kontaktieren – und das sind rund 3000 im Monat – mit dem Vater des Kindes eine Beziehung, viele waren mit ihm auch verheiratet.“
Trauer und Wut bestimmen häufig das Gefühlsleben von Schwangeren, die in dieser Situation von ihren Männern verlassen wurden oder gezwungen waren, diese zu verlassen. Viele Frauen mobilisieren dann ungeahnte Kräfte, kämpfen für sich und ihr Kind. Andere aber sind so tief in ihre Probleme verstrickt, fragen sich, wie sie ihr Kind durchbringen sollen und plagen sich mit Schuldgefühlen gegenüber dem ungeborenen Wesen, dass es durchaus ratsam sein kann, sich in therapeutische Behandlung zu begeben. Hier entsteht Raum für die emotionale Ebene, ist jemand da, der zuhört und nicht wertet. Das hilft dabei, das innere Chaos zu sortieren und Bewältigungsstrategien und Lösungsperspektiven zu erkennen. Die oft nicht geplante Schwangerschaft, die vielleicht im Nachhinein angezweifelte Entscheidung gegen eine Abtreibung, das Gefühl des völligen Alleinseins und der daraus resultierende Stress können mithilfe eines Therapeuten abgebaut werden. Frauen, die schwanger und alleine sind, sollten sich nicht scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. So kann es der werdenden Mutter gelingen, Wege aus der Krise zu finden, die Situation anzunehmen und sich trotz aller Widrigkeiten auf das Baby zu freuen.
Wenn Sie Rat und Tipps zum Thema Schwangerschaft suchen, schauen Sie auch bei unserem Ratgeber Schwangerschaft vorbei.
Simone Blaß
sandra schrieb:
am 14. Februar 2011 um 22:03:55
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schwanger und verlassen
falsch,wie immer sind die frauen die bösen.denn wir haben uns doch um die drecksarbeit zu kümmern....
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sivan schrieb:
am 7. Dezember 2010 um 17:22:54
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schwanger und verlassen
naja, das kann man nicht sagen. aber oft verlassen männer ihre partnerin, wenn sie plötzlich schwanger sind.
bekommen angst um ihre freiheit, angst vor verantwortung. ich habe auch die erfahrung gemacht. mein ex-partner hat sich von heute auf morgen einfach nicht mehr gemeldet sobald er erfahren hatte das ich schwanger war. heutzutage hat man zwar früherer sex, aber die generation wird dafür später erwachsen. eigentlich keine gute kombination.
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Saturn schrieb:
am 18. November 2010 um 23:32:02
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die Bösen
Wie üblich, die Männer sind mal wieder die Bösen...
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