23.07.2010, 12:34 Uhr
Wenn Kinder in der Öffentlichkeit auf stumm schalten, ist nicht immer Schüchternheit die Ursache. (Bild: Archiv)
Knapp eine dreiviertel Million Kinder werden am Ende des Sommers in Deutschland eingeschult. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) unter 1000 Eltern von schulpflichtigen Kindern sitzen statistisch gesehen in jeder Klasse zwei Kinder mit AD(H)S, dem so genannten Zappel-Philipp-Syndrom. Die betroffenen Kinder fallen auf, weil sie hyperaktiv sind und Probleme haben, sich länger auf eine Sache zu konzentrieren. Eher unauffällig, und daher bisher auch kaum bekannt, ist dagegen der selektive Mutismus, eine psychische Störung, bei der die Kinder konsequent schweigen. Experten schätzen, dass mindestens sieben von 1000 Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter an der Sprechhemmung leiden. Da Mutismus aber oftmals mit Schüchternheit verwechselt wird, ist die Dunkelziffer vermutlich noch wesentlich höher.
"Schüchterne Kinder sind in ungewohnten Situationen ebenfalls oft gehemmt. Im Gegensatz zu mutistischen Kindern entscheiden sie sich aber bewusst für die Zurückhaltung, während Kinder mit selektivem Mutismus unbewusst auf stumm schalten. Zuhause reden mutistische Kinder dagegen oftmals extrem viel - als hätten sie Nachholbedarf. Deshalb fallen Eltern oft aus allen Wolken, wenn sie von Lehrern oder Erziehern hören, dass das Kind selbst auf direkte Ansprache nicht reagiert", erklärt Heiko Schulz, Psychologe bei der TK.
So ging es auch Ute G. aus Hamburg. Ihre Tochter Anna-Lena (Name geändert) spricht zu Hause ganz normal. "Wir merkten jedoch, dass sie außerhalb ihrer vertrauten Umgebung nur selten und nur mit wenigen Menschen kommuniziert. Auch von der Kindergärtnerin erfuhren wir, dass sie auf Fragen nicht reagiert, nicht einmal Blickkontakt aufnimmt. Bis zur Diagnose war es jedoch ein weiter Weg", erklärt die 45-jährige Mutter. Die Umwelt reagierte oft verständnislos. "Entweder hielt man unsere Tochter für zickig, weil sie nicht antwortete, oder man sagte uns, dass wir uns doch freuen könnten, weil wir so ein ruhiges Kind haben", berichtet Ute G. Daher war die Familie fast erleichtert, als die Diagnose "Selektiver Mutismus" feststand. "So wissen wir endlich, woran wir sind und können dafür sorgen, dass unserer Tochter geholfen wird."
Inzwischen ist die fünfjährige Anna-Lena in sprachheiltherapeutischer Behandlung. Aber auch die Eltern unterstützen ihre Tochter, indem sie Anna-Lena in schwierigen Situationen fördern und bestärken. Ute G. erklärt: "Für andere Kinder im Vorschulalter ist es selbstverständlich, sich allein ein Eis zu kaufen und zu antworten, wenn andere Menschen sie nach ihrem Namen fragen. Unsere Tochter tut sich damit sehr schwer. Deshalb trainieren wir täglich diese Situationen. Wir Eltern müssen uns da oft sehr zurückhalten. Das heißt, wir antworten nicht für das Kind und - auch wenn es schwer fällt - wenn sie nicht sagen kann, dass sie ein Eis möchte, dann gibt es auch mal keins."
Wichtig sei zudem, das Umfeld der Kinder zu informieren. "Gerade in Schulen, in denen viel Frontalunterricht stattfindet, müssen die Lehrer über die Erkrankung Bescheid wissen", so TK-Psychologe Schulz. "Denn je verständnis- und vertrauensvoller das Umfeld damit umgeht, desto leichter fällt es den betroffenen Kindern, die Situationen zu meistern. Bis es soweit ist können schriftliche Aufgaben oder Aufnahmen von Leseübungen zu Hause helfen."
Die kleine Anna-Lena macht mittlerweile gute Fortschritte und Familie G. ist optimistisch, dass der "Schweigegeist" bis zum Schulstart vertrieben ist.
Quelle: ots
lena schrieb:
am 6. Mai 2011 um 19:34:48
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2. Teil
.... hat sie vor der ganzen Klasse eine fünfminütige Geschichte laut vorgelesen und ne eins bekommen. Wir sind super stolz auf sie
! Hat uns alle viel Kraft und Geduld gekostet - hat sich alles gelohnt. Leider wusste fast kein Lehrer was mit
Selektiver Mutismus anzufangen. Die meisten meinten, na ja ist halt schüchtern oder hat kein Bock sich mündlich zu beteiligen. Ein Lob nochmal an unsere Sprachheilschule !
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lena schrieb:
am 6. Mai 2011 um 19:32:02
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selektiver Mutismus
meine Tochter hat die ganze Kindergartenzeit KEIN Wort dort gesprochen. Nur zuhause. Auch nicht beim Arzt, der aber nie
auf diese Diagnose gekommen wäre.. Wir haben dadurch wertvolle Zeit verschenkt, unserer Kleinen zu helfen. Sie ist dann zur Logoäpdien, vier Jahre lang, da sie durch das Nicht-Sprechen auch Sprachverzögerungen hatten. Wir schulten Sie dann in der Sprachheilschule ein - Super gelaufen. In der dritten Klasse durfte sie in die Regelgrundschule. Heute 5 Klasse Realschule **
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gaudi81 schrieb:
am 14. August 2010 um 23:05:21
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kenn ich
nach diesem Bericht frag ich mich ob ich das auch als Kind hatte bzw. noch habe. Wenn ich zu Hause war habe ich immer geredet wie
ein Buch aber sonst den Mund nicht aufbekommen sei es beim selbst kaufen gehen und erst garbicht in der Schule,hatte im schriftlichen immer ne 1-2 und mündlich 5-6.. Hab nie geantwortet auch wenn ich die Antwort genau wusste und bevor ich meine Hausaufgaben vorgelesen hätte immer gesagt ich hab sie vergessen.
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