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Sex-TV soll für mehr Schwangerschaften sorgen

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Sex-TV soll für mehr Schwangerschaften sorgen

Holger Dambeck, Spiegel Online

Ist das Fernsehen Schuld, wenn in den USA schon 13-Jährige Eltern werden? Wissenschaftler haben einen Zusammenhang zwischen dem Konsum erotischer TV-Inhalte und Schwangerschaften bei Minderjährigen festgestellt. Die Interpretation der Studie ist jedoch schwierig.

Fernsehgewohnheiten spielen eine Rolle

Die Schlagzeile auf der Website des Magazins "Time" lässt keinen Zweifel zu: "Sex im Fernsehen sorgt für mehr Teenager-Schwangerschaften, ergab eine Studie". Forscher der stramm konservativen Denkfabrik Rand Corporation hatten zwischen 2001 und 2004 rund 2000 Heranwachsende in den USA dreimal ausführlich befragt. Dabei ging es unter anderem um ihre Fernsehgewohnheiten.

Sex and the City: Unverantwortliche Aufklärung

Ergebnis: Wer besonders viele Programme mit sexuellen Inhalten konsumiert, genannt werden Serien wie Sex and the City aber auch Comedy-Sendungen, hat ein doppelt so hohes Risiko, von einer ungewollten Schwangerschaft betroffen zu sein. Die Studie, die in der November-Ausgabe des Fachblatts "Pediatrics" erscheint, belege erstmalig diesen Zusammenhang, erklärte Anita Chandra, Leiterin der Forschergruppe. "Heranwachsende bekommen eine Menge Informationen rund ums Thema Sex aus dem Fernsehen - aber in den Programmen geht es üblicherweise nicht um Risiken und Verantwortung beim Sex."

Die Interpretation der Untersuchung, wie sie etwa "Time" vornimmt, ist allerdings fragwürdig. Schließlich haben die Wissenschaftler nur eine Korrelation nachgewiesen. Wenn Sex-TV-Konsumenten häufiger schwanger werden, dann kann das beispielsweise auch daran liegen, dass sie sich schlicht mehr für das andere Geschlecht und Erotik interessieren und deshalb sowohl häufiger einschlägige Sendungen schauen als auch früher als andere Sex haben.

Studie mit Lücken

"Wir zeigen keine Ursache-Wirkungs-Beziehung", bestätigte Mitautor Steven Martino von der Rand Corporation Pittsburgh im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Man habe zwar nicht nur die TV-Gewohnheiten, sondern beispielsweise auch demografische Unterschiede und Verhaltensauffälligkeiten erfasst, doch es "gibt sicher Faktoren, die wir nicht untersucht haben". Außerdem wollen die Forscher nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn Journalisten die Ergebnisse überinterpretieren: "Die Überschriften in Zeitungen können wir nicht beeinflussen", erklärte Martino. "Das ist außerhalb unserer Kontrolle."

Viele Teenie-Mütter in den USA

Unbestritten ist: In den USA werden im internationalen Vergleich besonders viele Teenager Eltern, obwohl die Zahl der Schwangerschaften seit 1991 schon stark zurückgegangen ist. Pro Tausend Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren wurden in den USA im Jahr 2003 53 Kinder geboren, in Deutschland waren es lediglich elf, in Spanien sogar nur sechs. Die vor allem von Religiösen in den USA gestarteten Enthaltsamkeitskampagnen haben in den vergangenen Jahren kaum Wirkung gezeigt.

Wenn man das relativ freizügige Fernsehprogramm in Westeuropa mit den eher prüden Sendungen von US-TV-Stationen vergleicht, dann taucht sofort die Frage auf, warum die These vom schwanger machenden Sex-TV in der Alten Welt nicht zutrifft. Schließlich sind hier die Schwangerschaftsraten unter Teenagern besonders niedrig. "Wir würden die Differenzen zwischen Europa und den USA sicher nicht mit dem TV-Programm erklären", erklärte Martino.

Unterschiedliche Sexualaufklärung in USA und Europa

"Es gibt große kulturelle Unterschiede, unter anderem in der Sexualaufklärung in der Schule und wie Eltern mit ihren Kindern über das Thema reden." Die Grundthese der Studie hält der Forscher trotzdem für richtig: "Wir glauben, dass sexuelle Inhalte im Fernsehen eine Rolle spielen." Zugleich betonte Martino, dass Aufklärung enorm wichtig sei. "Wenn Kids alles über das Thema Sex allein aus dem Fernsehen erfahren, dann ist das ein Problem."

Nicht nur das Fernsehen ist schuld

Völlig außen vor blieb in der Untersuchung der Rand Corporation übrigens das Thema Internet. Erstaunlich, sind doch gerade dort sexuelle Inhalte leicht zugänglich. Zudem hat sich der Medienkonsum von Jugendlichen in den vergangenen Jahren immer mehr vom Fernsehen weg hin zum Internet verschoben. "Wir sollten auch die Rolle von Magazinen, dem Internet und Musik beachten", sagte denn auch Studienleiterin Anita Chandra.

Auch Eltern in der Pflicht?

Die Empfehlungen der Forscher wirken vor diesem Hintergrund zumindest teilweise naiv: Fernsehsender sollten nicht nur Sex thematisieren, sondern auch mögliche Folgen wie Schwangerschaft und die Infektion mit sexuell übertragbaren Krankheiten. Eltern sollten den Zugang ihrer Kinder zu Sendungen mit Sex-Themen beschränken und mit ihnen über die Konsequenzen von Geschlechtsverkehr sprechen. Und Kinderärzte müssten mit den Jugendlichen über Verhütung reden.


Quelle: Spiegel Online

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