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Sexualerziehung bei Kleinkindern

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Kindliche Sexualität: Wenn die Scham regiert

02.08.2011, 16:03 Uhr | Simone Blaß

Sexuelle Aufklärung kann für Eltern beschämend sein: Mit Büchern Scham überwinden und Kinder somit schützen. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Sexuelle Aufklärung kann für Eltern beschämend sein: Mit Büchern Scham überwinden und Kinder somit schützen. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Ein natürlicher Umgang mit Nacktheit und Sexualität ist nicht selbstverständlich und oft mit ziemlich viel Unsicherheit belastet. Vor allem, wenn es um kindliche Sexualität geht. Hier herrscht die Scham und manchmal auch die Angst vor falschen Beschuldigungen. Ist es okay, sich dem Nachwuchs nackt zu zeigen, sollte man Pullermann und Co. nicht vielleicht besser beim richtigen Namen nennen und wie verhält man sich, wenn das Kind plötzlich in aller Öffentlichkeit seine Geschlechtsteile berührt oder sich gar durch Reibung sichtlich Genuss verschafft? Die Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von Sexualerziehung und sie fordern, damit schon bei den Babys zu beginnen. Ein Ratschlag, den die meisten Eltern bereits unbewusst umsetzen. 

Sinnliche Stunden mit dem Säugling

Eines sei erst einmal vorweg gesagt: Sexualerziehung ist nicht gleichzusetzen mit Aufklärung. Es geht vielmehr um die Unterstützung bei der Entwicklung der sexuellen Identität - und damit beim kleinen Kind erst einmal um eine positive Einstellung dem eigenen Körper gegenüber. Bereits ein neugeborener Säugling sucht den sinnlichen Kontakt zu seiner Mutter, bevorzugt ohne störende Stoffbahnen. Man trägt das Kind bei sich, badet es, massiert es, streichelt es, schmust mit ihm, stillt es vielleicht und all das tut dem Baby gut.

"Wir sind von Anfang an sexuelle Wesen, unser Körper mit allen Sinnen ermöglicht uns Entwicklung nach innen und Kontakt nach außen. Deshalb brauchen Säuglinge und Kleinkinder Nähe und Zärtlichkeit, Kontakt und sichere Bindung, Anregungen und Erfahrungen mit sich und anderen, lustvolle Erlebnisse und Möglichkeiten, den eigenen Körper kennenzulernen und auszuprobieren“, erklärt Simone Hartmann von pro familia in Nürnberg. Angst, das Kleine zu sehr zu verwöhnen, muss man dabei nicht haben. Seine Grenzen allerdings sollte man von Anfang an respektieren und die Berührung stoppen, wenn das Kind zeigt, dass ihm etwas nicht gefällt, indem es sich wegdreht oder sogar weint.

Schutz vor sexueller Gewalt

Im Prinzip ist das schon die Voraussetzung für einen verantwortungsvollen Umgang mit sich selbst und damit auch für die Möglichkeit, später Grenzen zu setzen. "Ein Mensch, der seinen Körper von Anfang an als wertvoll erlebt, der Vertrauen in diesen aufgebaut hat, der von seinen Eltern angenommen wurde, der Sinnlichkeit und Zärtlichkeit erfahren durfte, wird Sexualität später anders erleben, als einer, der kaum positive Körpererfahrungen gemacht hat, beschämt oder abgelehnt wurde“, schreibt die Stiftung Kinderschutz Schweiz in einer entsprechenden Broschüre.

Das Risiko für sexuelle Gewalt sinkt damit deutlich. "Die besten Chancen, keine sexuellen Übergriffe zu erleben und ein glücklicher, beziehungsfähiger Mensch zu werden, hat ein Kind, das von seiner Geburt an ein unterstützendes, stärkendes und respektvolles Umfeld erlebt“, ergänzt Simone Hartmann. 

Ab dem Vorschulalter sollte man sich vom Pipimann verabschieden

Zu einem solchen stärkenden Umfeld gehört auch, dass man mit seinem eigenen Schamgefühl als Mutter oder Vater klar kommt. In diesem Fall kann es von Vorteil sein, sich zu fragen, was man seinem Kind vermitteln möchte, welche Einstellung es später einmal zu seinem Körper haben soll. Das bedeutet nicht, dass man sich komplett verbiegen muss. Wenn es einem schwerfällt, die Geschlechtsteile beim Namen zu nennen, dann ist es, zumindest bis zum Vorschulalter, völlig in Ordnung, wenn man sich mit Begriffen wie Puller- oder Pipimann behilft. Dann allerdings sollte das Kind schon langsam vertraut gemacht werden mit den korrekten Begriffen und auch solchen, die es nicht verwenden sollte. Leichter wird es, wenn man auf eines der zahlreich erschienen altersgerechten Bilderbücher zum Thema "Mein Körper und ich" zurückgreift. 

Auch die Geschlechtsorgane gehören zu unserem Körper

"Eltern, die sich gehemmt oder peinlich berührt fühlen, sollten versuchen, einen selbstverständlicheren Umgang zu finden, zum Beispiel durch Literatur oder Austausch mit anderen. Aber sie sollten dabei nicht einfach über ihre eigenen Grenzen gehen, da sie sonst das ungute, vielleicht peinliche Gefühl, das sie haben, vermitteln - und das spüren Kinder auch schon, bevor sie es verstehen.“ Die Diplom-Sozialpädagogin weist darauf hin, dass der Mensch durch Sprache die Welt und sich selbst erfährt. "Ein inneres Körperbild entsteht über das Kennenlernen und Bezeichnen von Körperteilen.“ Was in der Regel ja auch wunderbar funktioniert, jeder von uns kennt die entsprechenden Fingerspiele.

"Die Geschlechtsorgane kommen dabei aber nicht immer vor, wobei Jungs eine größere Chance haben, einen Begriff für ihren Penis zu bekommen als Mädchen für ihre Vulva. Er ist einfach offensichtlicher da. Geschlechtsorgane gehören zu unserem Körper dazu und sollten am Besten auch ganz selbstverständlich ihren Platz einnehmen, wenn Kinder ihren Körper kennenlernen und in Besitz nehmen. Und das tun sie in den ersten Lebensjahren sehr ausführlich und lustvoll.“ 

Das Spiel mit den Geschlechtsorganen ist völlig normal

Manchen Eltern etwas zu lustvoll. Bei Kindern ab etwa drei Jahren kann es immer wieder mal zu masturbationsähnlichen Handlungen kommen - durchaus auch in aller Öffentlichkeit. "Man sollte Kindern diese Erfahrungen zugestehen und sie lassen - aber nicht immer und überall. Denn es sind auch bei kleinen Kindern intime Handlungen, die geschützt werden sollten. Das heißt, je nach Situation und Alter: ablenken, zudecken, Tür zumachen, erklären, dass das nicht in die Öffentlichkeit gehört.“

Grundsätzlich gehört das Spielen mit den Geschlechtsorganen aber zu einer gesunden Entwicklung dazu. Kinder lernen so, was sich schön und was sich weniger schön anfühlt. "Von Geburt an sind die Geschlechtsorgane da und mit reichlich Nerven versehen, sodass besondere, lustvolle Gefühle durch Stimulation zu erreichen sind. Manchmal dient das Stimulieren auch nur dem Stressabbau, hilft beim Einschlafen oder geschieht aus Langeweile.“ 

Seine eigenen Grenzen schützen und dadurch dem Kind etwas lehren

Sexualerziehung muss sich immer am Alter des Kindes und an seinem Entwicklungsstand orientieren. Beim Wickeln des Babys geht man damit automatisch anders um als bei Kindergartenkindern, deren momentane Lieblingsbeschäftigung die Doktorspiele sind. Sexualität beginnt nicht erst mit der Pubertät. Was Kinder vom Erwachsenen unterscheidet, ist der Umgang damit. Sie äußern ihre Bedürfnisse spontan, stellen ihre Fragen dann, wenn ihnen etwas durch den Kopf geht, sie sind neugierig, nutzen gerne alle ihre Sinne und probieren aus. Sie beobachten uns genau und wenn sie beginnen, die beiden Geschlechter zu unterscheiden, dann steigt auch ihr Interesse an geschlechtsspezifischen Besonderheiten. Dazu gehören ein auffälliger Adamsapfel, ein Bart oder das Benutzen eines Tampons genauso wie die Sexualorgane. Sobald einem dann etwas unangenehm wird, sollte man das dem Kind aber auch zeigen. Denn erstens schützt man so seine eigenen Grenzen und zweitens lehrt man ihm, auch selbst später "Nein" zu sagen bei Blicken oder Berührungen, die man nicht mag.


Quelle: t-online.de

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Kommentare (4)

zum Forum

Thema: "Sexualerziehung bei Kleinkindern"

Mama 2007 schrieb: am 10. März 2012 um 23:12:13
(2) (0) @Dr.Ecks-Au
Sonst hast Du keine Probleme, ja? Warum kann ich mir nur gut vorstellen, dass bei Dir da in der Kindheit irgendwie was schief gelaufen ist??

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Dr.Ecks-Au schrieb: am 26. Februar 2012 um 12:10:29
(2) (4) sex
Bei der Mutter auf dem Bild,würd ich gerne eine "Nachschulung" machen.

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Entchen schrieb: am 3. Januar 2012 um 17:17:07
(0) (0) Aufklärung
Ich finde, ein guter Artikel. Es klingt auch alles sehr vernünftig. In meiner Kindheit war das ganz anders. Alles, was mit dem
Körper zusammenhing, galt als "sündig" und "gefährlich". Als kleines Mädchen definierte ich für mich selbst: "Frau sein ist etwas aus den Tiefen der Hölle". Wie waren die Eltern böse, als mit zehn Jahren die Periode einsetzte! Die Feministinnen meiner Jugend waren nicht besser, da sorgte schon rosa Nagellack für böse Blicke...
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