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Stillen: Ist Langzeitstillen "normal"?

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"Das ist ja pervers": Langzeitstillen weckt Unverständnis

24.02.2011, 15:40 Uhr | Jenni Zwick

Wie lange sollten Mütter ihre Kinder stillen? (Foto: Archiv)

Wie lange sollten Mütter ihre Kinder stillen? (Foto: Archiv) (Quelle: t-online.de)

Ein Kleinkind zu stillen, das schon laufen kann, ist in unserer Gesellschaft größtenteils immer noch ein Tabuthema. Reißt ein vierjähriges Kind seiner Mutter im Café das T-Shirt hoch, um an der Brust zu nuckeln, werden sich die meisten anderen Gäste pikiert abwenden. Dabei empfehlen weder die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), die Nationale Stillkommission oder die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Alter, mit dem ein Kind nicht mehr gestillt werden sollte. Sie empfehlen nur die Mindestlänge des Stillens: vier bis sechs Monate nach der Geburt. Mütter, die ihr Kind über das erste Jahr hinaus stillen, müssen sich trotzdem Kommentare anhören und stehen einem großen Maß an Unverständnis und Vorurteilen gegenüber. Doch was ist denn "normales" Stillen und ist Langzeitstillen nicht ungesund für das Kind?

"Das ist ja pervers"

Erfahrungsberichte von Müttern, die ihren Kindern bis ins Kleinkindalter die Brust geben, gibt es viele - und alle ähneln sich in einem Punkt: Entscheidet man sich für diese Form der Ernährung ihres Kindes, begibt man sich aus der Norm. Denn die meisten jungen Mütter in Deutschland stillen zwischen dem vierten und zwölften Monat ab. Danach müssen sie sich ständig fragen lassen, "Wie, du stillst immer noch?“ oder "Na, so langsam ist das aber nicht mehr gesund!“. Die Mütter berichten gleichermaßen von Unverständnis bei Frauen wie Männern. Während Männer die weibliche Brust eher als Sexobjekt ansehen und deswegen häufig Probleme mit dem Langzeitstillen haben, reagieren Frauen oftmals mit Unverständnis, weil sie sich die Frage stellen, ob die betreffende Mutter nicht auch mal wieder ihr "eigener Herr“ sein möchte und sie die Kinder nicht verwöhnen. Manche Frauen berichten sogar, dass sie als "pervers“ bezeichnet worden sind und andere Personen richtig "angewidert“ waren, wenn sie begannen ihr Kind zu stillen.

Überzeugte Mütter stehen über den Dingen

Doch im Positiven sind sich die Frauen ebenfalls einig: Sie sind überzeugt davon, dass ihre Kinder viel seltener krank werden als abgestillte Kinder und dass ihre Bindung zum Kind stärker als bei anderen Müttern ist. Sie verweisen auf die Einzigartigkeit der Stillbeziehung, in der nicht nur Nahrung gespendet wird, sondern auch Trost und Schutz. Außerdem darauf, dass die Milch überall verfügbar sei und lästiges Vorbereiten von Fläschchen oder Brei entfalle. Viele Frauen berichten zudem, dass sie ihr eigenes Kind als besonders mutig und unabhängig empfinden. In Internetforen tauschen sich die Frauen über ihre Erfahrungen aus und geben sich gegenseitig Tipps, wie sie auf skeptische oder beleidigende Kommentare schlagfertig kontern können. Die meisten Frauen sind sich auch darüber einig, dass der Zeitpunkt des Abstillens vom Kind bestimmt wird. Auch, wenn das Kind wünscht, noch mit sechs oder acht Jahren von der Brust zu trinken.

Auch Papa muss einverstanden sein

Wichtig ist natürlich, dass auch der Partner damit einverstanden ist, dass die Brust seiner Frau so lange "belegt“ ist. Ist er grundsätzlich dagegen, kann schnell eine negative Dreiecksbeziehung zwischen Eltern und Kind entstehen, weil er eifersüchtig auf sein eigenes Kind reagiert. Doch viele Väter sind stolz auf ihre Frauen, da sie ebenfalls die Vorteile sehen und bestärken ihre Frauen darin, ihre Kinder so lange zu stillen, wie sie es möchte oder eben das Kind es wünscht.

Wie lange Stillen ist denn normal?

Wie gesagt, die Nationale Stillkommission äußert sich zur maximalen Dauer nur vage: "Solange Mutter und Kind dies wünschen“. Eine Obergrenze gibt es demnach nicht. Anthropologen geben an, dass Naturvölker im Schnitt bis etwa drei Jahre stillen, doch sie verweisen auch auf Völker, bei denen die Kinder bis zum siebten Lebensjahr gestillt werden. Für Deutschland hat die Hochschule in Ulm versucht herauszufinden, wie lange denn hierzulande das Stillen als normal empfunden wird. Doch auch diese Studie besagt nur, dass es wenig Konsens über die beste Stilldauer gibt: Die befragten Frauen gaben im Mittelwert an, dass für sie das Stillen ab einem Alter von drei Jahren nur noch schwer vorstellbar sei. Allerdings wurden vereinzelt auch Werte bis zu zehn Jahre als "normal“ genannt. Und gut 40 Prozent der Teilnehmerinnen wollten sich hierzu lieber gar nicht festlegen.

Was sind die Nachteile vom Langzeitstillen?

Nachteile sind medizinisch nicht belegt, im Gegenteil: Wissenschaftler konnten zeigen, dass gestillte Kinder - zusätzlich zur Beikost - besonders wertvolles Eiweiß, Kalzium und verschiedene Vitamine und Spurenelemente in leicht verwertbarer Form bekommen. Sie bestätigen die Angaben der Mütter, dass die Muttermilch auch in weiteren Lebensjahren der Kinder noch Antikörper, Abwehrzellen und Enzyme weitergeben. Somit ist Langzeitstillen wirklich eine gute Waffe gegen Infekte. Manche Eltern befürchten, dass die Muttermilch stärker mit Schadstoffen belastet sei als künstliche Milch fürs Fläschchen oder Babybreie. Doch die DGE widerspricht dem in ihren Empfehlungen: "Muttermilch ist nur noch gering mit Pflanzenschutzmitteln belastet. Mütter können deshalb bei geeigneter und ausreichender Beikost so lange weiterstillen, wie Mutter und Kind es wünschen.“ Auch die WHO betont, es gebe keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass unerwünschte Auswirkungen bei Säuglingen aufträten durch die Aufnahme bestimmter Schadstoffe in der Muttermilch.

Manche Eltern haben Angst, dass zu lange gestillte Kinder verweichlicht werden und sich schlechter von der Mutter lösen können. Das muss die Mutter, die lange stillen möchte, natürlich beobachten, doch Studien dazu gibt es bisher keine. Tenor der meisten Eltern, deren Kinder lange gestillt wurden, ist allerdings, dass sich ihre Kinder altersgemäß entwickelt haben und häufig besonders mutig waren, weil sie sich ihrer Rückzugsmöglichkeit und dem Schutz der Mutter stärker bewusst waren, als andere Kinder. Spätestens im Kindergartenalter wird sich das Kind ohnehin stärker von der Mutter abnabeln, da es zumindest den halben Tag in der Einrichtung ist.

Stillen im Alltag möglich?

Ein Nachteil durch das Langzeitstillen entsteht also nur, wenn die Mutter diesen selbst so empfindet, beispielsweise, weil sie während der Stillzeit keinen Alkohol oder wenig Kaffee zu sich nehmen kann oder ihr Kind sehr besitzergreifend ist und sie nachts nicht schlafen lässt, weil es noch einen kleinen "Mitternachtssnack“ möchte. Natürlich müssen Frauen, die arbeiten entscheiden, ob das Stillen noch mit dem Beruf vereinbar ist. Da allerdings Kinder die Muttermilch ab einem gewissen Alter nur noch als leckere Zwischenmahlzeit ansehen, sind sie nicht von der Brust der Mutter abhängig. So kann auch weitergestillt werden, wenn die Mutter tagsüber nur noch eingeschränkt zur Verfügung steht.

Beobachten Sie Ihr Kind und entscheiden Sie selbst

Für viele Frauen ist das Langzeitstillen ein Segen, kein Fluch. Der Fluch kommt höchstens durch die Mitmenschen, die kein Verständnis für diese Form der Ernährung und der Mutterliebe haben. Wenn Sie sich also sicher sind, dass Ihr Kind vom langen Stillen profitiert und Sie sich wohl damit fühlen, spricht wirklich nichts gegen das Stillen. Überprüfen Sie regelmäßig, ob das eigene Verhalten dem Kind gegenüber noch dem aktuellen Entwicklungsstand und den wirklichen Bedürfnissen Ihres Kindes entspricht. Natürlich ist die Brust ein Trostfaktor für Ihr Kind, doch es sollte auch lernen, sich trösten zu lassen, ohne gestillt zu werden. Auch muss es ab einem gewissen Zeitpunkt, den Sie wählen, ein "Nein“ akzeptieren und lernt dadurch, in welchen Momenten das Stillen unangebracht ist, was auch Sie vorgeben. Doch wichtig ist einzig und alleine Ihre Einstellung zum Stillen und die Ihres Partners. Was andere Personen darüber denken, sollte in unserer Gesellschaft eigentlich kein Entscheidungsgrund mehr sein. Schließlich ist es Ihr Körper, Ihre Familie und Ihr Kind - vertrauen Sie deshalb auf Ihr Gefühl.


Quelle: t-online.de

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Kommentare (80)

zum Forum

Thema: "Stillen: Ist Langzeitstillen "normal"? "

Enno schrieb: am 11. März 2011 um 12:02:09
(4) (0) Probleme sind nur im Kopf der Anderen
@Berti: Es ist genau umgekehrt: Wir entfernen uns immer mehr vom Tier und finden es daher anrüchig, so
lange zu stillen aber von der Natur her ist das unproblematisch, wie dieser gute Beitrag sehr schön ausführt. Aber Stillen schützt keineswegs vor einer neuen Schwangerschaft, wir sind auch trotz Stillen das 3. Mal schwanger!
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Herti schrieb: am 7. März 2011 um 17:52:04
(5) (11) Langzeitstillen
Irgendwie ist es eine Lachnummer wenn 2-5jährige Kinder an Muttis Brust nuckeln. jedes Tier weiß wann es genug ist nur wir
menschen werden immer verrückter. Demnächst haben 5jährige auch noch eine Windelhose an oder wie soll das weitergehen. Loslassen heißt die Devise...
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aschenbuttel schrieb: am 7. März 2011 um 17:05:48
(9) (1) stillen
meine eine tochter hab ich 5 jahre gestillt und meine jetzige tochter wird 4jahre und sie kann so lang wie sie möchte, was sich
manche nur so aufregen ,mir ist es egal was andere denken und sagen.mütter die lange stillen wollen macht weiter so
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