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Stillen: Müssen Mütter stillen?

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Müssen Mütter stillen?

02.08.2011, 17:13 Uhr | sca; cs

Baby auf Mamas Arm.

Viele Gründe sprechen für das Stillen - manche aber auch dagegen. (Bild: Imago)

Muttermilch ist die am besten geeignete, preiswerteste und bequemste Nahrung für Säuglinge in den ersten Monaten. So haben auch fast 90 Prozent der Mütter bei der Geburt ihres Kindes die feste Absicht zu stillen. Die meisten Eltern wissen heutzutage, welche Vorteile das Stillen bringt und dass Gesundheitsorganisationen, Ärzte und Hebammen eine Stillzeit von sechs Monaten empfehlen. Dennoch gibt es Frauen, die sich bewusst gegen das Stillen entscheiden.

Das denken die t-online Leser

Müssen Mütter stillen? Über kaum ein anderes Thema können sich frischgebackene Mütter mehr streiten. Wir haben unsere Leser gefragt: "Müssen Mütter stillen? Und wenn ja, wie lange?" und über 2700 Antworten erhalten. Knapp ein Drittel der Befragten (29,3 Prozent) ist der Meinung, dass "eine gute Mutter ihr Kind so lange wie möglich stillt." Mehr als die Hälfte (56,1 Prozent) findet, dass man zumindest versuchen sollte, die ersten sechs Monate zu stillen. Rund fünf Prozent meinen, ein Jahr Stillen sei die absolute Höchstgrenze und immerhin neun Prozent der Leser lehnen das Stillen komplett ab.

Vorurteil: Rabenmütter stillen nicht

Mütter, die nicht stillen wollen, gelten häufig als Rabenmütter. Von ihrem Umfeld werden sie als egoistisch und lieblos eingestuft. Obwohl die Frauen gute Gründe haben, sich gegen das Stillen zu entscheiden, fühlen sich viele durch abschätzige Blicke oder Kommentare anderer (stillender) Mütter unter Druck gesetzt. Besonders Frauen, die sich in der Stillfrage noch unsicher sind, werden schnell von den eigentlich guten Argumenten für das Stillen überrollt, sei es im Krankenhaus oder von ihrer Hebamme. Doch jede Mutter hat das Recht ihre eigenen Prioritäten zu setzen - schließlich muss sie sich wohl fühlen, sonst wird es auch dem Baby nicht gut gehen.

Warum Frauen nicht stillen

Einer der Hauptgründe, warum sich Frauen gegen das Stillen entscheiden, ist der Wunsch nach (körperlicher) Unabhängigkeit. Sie haben Angst, nur noch und lediglich für das Baby da sein zu müssen. Auch befürchten manche Mütter (und Väter), dass die Bindung zwischen Mutter und Kind stärker wird und der Vater außen vor steht. Auch die Änderung der Essgewohnheiten bedeutet in vielen Fällen einen großen Einschnitt in das eigene Leben. Nach neun Monaten Schwangerschaft möchten viele Frauen wieder "Herr" ihres Körpers sein und endlich wieder das essen oder trinken können, was sie möchten. Wenn die Frauen schnell wieder ins Berufsleben einsteigen möchten oder müssen, befürchten sie Probleme, wenn sie das Kind voll stillen. Schließlich sind sie nicht ständig verfügbar und die berüchtigte "Stilldemenz" könnte sie beim Arbeiten stören. Auch haben manche Frauen Angst, sexuell nicht attraktiv zu sein, wenn sie stillen. Die Gründe nicht zu stillen, sind vielseitig und berechtigt. Da die heutige Ersatzmilch der Muttermilch nachempfunden ist und alle Nährstoffe, Mineralien und Spurenelemente, die Babys brauchen, enthält, haben die heutigen Mütter medizinisch gesehen die Wahl, ob sie stillen oder nicht. Jede sollte für sich entscheiden, ob und wie lange sie ihrem Baby die Brust geben möchte.

Stillen - das Beste fürs Kind

Doch es gibt natürlich viele Vorteile, die für das Stillen sprechen. Gestillte Säuglinge erkranken im ersten Lebensjahr seltener an Infektionen und neigen im späteren Alter weniger zu Übergewicht. Außerdem schützt Stillen nach heutigen Erkenntnissen langfristig vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder erhöhten Cholesterinwerten. Auch auf das Allergierisiko scheint Stillen einen positiven Einfluss zu haben. Muttermilch schützt die empfindliche und noch unreife Darmschleimhaut vor Allergenen und Krankheitserregern. Neben der Gesundheit des Säuglings fördert Stillen auch die Gesundheit der Mutter. Da das Stillen Energie verbraucht, nehmen Mütter nach der Geburt zum Beispiel leichter wieder ab. Ebenso wichtig wie die physische Komponente ist die psychische: Durch den liebevollen und intensiven Kontakt steigert es das Wohlbefinden von Mutter und Kind.

Vorteile des Stillens

- Muttermilch ist kostenlos, jederzeit verfügbar und immer steril. Es muss keine teure Babynahrung gekauft werden und das umständliche Sterilisieren der Milchflaschen entfällt.
Die Mutter muss keine Nahrung und Zubehör in Taschen transportieren sondern hat "alles" dabei.

- Die Mutter hat einen extrem hohen Energieverbrauch und nimmt deshalb schneller ab. Außerdem wird die Rückbildung der Gebärmutter beschleunigt.

- Das Stillen fördert die Mutter-Kind-Bindung. Durch den intensiven Körperkontakt vertieft sich die Beziehung zwischen Mutter und Kind.

- Stillt die Mutter längere Zeit, sinkt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, da das Brustdrüsengewebe in dieser Zeit ausreift und das ausgereifte Gewebe weniger anfällig für bösartige Veränderungen ist.

- Muttermilch passt sich an die Bedürfnisse des Babys an, hat das Baby beispielsweise in Wachstumsphasen größeren Hunger, steigert sich auch die Milchproduktion. Hat es weniger Hunger passt sich die Milchbildung dem wieder an.

- Die Muttermilch enthält alle Nährstoffe, die das Baby genau im jeweiligen Entwicklungsstadium benötigt.

- Das Risiko von Übergewicht im Säuglings- aber auch im Erwachsenenalter wird verringert.

- Gestillte Babys haben weniger Verdauungsprobleme (Dreimonatskoliken).

- Das Immunsystem der gestillten Säuglinge wird gestärkt und sie werden weniger krank, da sie mit der Muttermilch wichtige Antikörper bekommen.

- Auch das spätere Allergierisiko wird durch längeres Stillen gesenkt.

Nachteile des Stillens

- Das Stillen belastet vor allem in der ersten Zeit die Brust. Die Brustwarzen sind empfindlich und wund, bei manchen Frauen kommt es (in Stresssituationen) zum Milchstau.
Wenn etwas Routine eingekehrt ist, nehmen diese Probleme aber ab.

- Stillende Mütter müssen sich nach langer Schwangerschaft noch immer in ihren Ernährungsgewohnheiten einschränken. Alkoholkonsum und vor allem Rauchen sind Tabu - können die Frauen darauf nicht verzichten, ist es ratsam das Baby mit Ersatzmilch zu füttern.

- Wurde das Baby anfangs ausschließlich mit Muttermilch ernährt, akzeptiert es möglicherweise später das Fläschchen nicht. Um eine gewisse Unabhängigkeit zu sichern, kann die Mutter hier vorarbeiten und dem Baby auch in der Anfangszeit abgepumpte Milch im Fläschchen anbieten und so für die spätere Zeit "trainieren". Der Papa kann so ebenfalls, mit der abgepumpten Milch, das Baby füttern und so ebenfalls als "Ernährer" in den Vordergrund treten.

- Das Stillen bindet Mutter und Kind stark aneinander. Was eigentlich ein positiver und wichtiger (Neben)Effekt des Stillens ist, überfordert manche Mütter. Sie fühlen sich dem Säugling verpflichtet und bauen dadurch eine Antihaltung auf. Durch die Vorstellung, alleine für die Ernährung und dadurch für das Gedeihen des Babys zuständig zu sein, setzen sie sich so unter Druck, dass häufig die Milch versiegt dun es schlimmstenfalls zu einem Milchstau kommt. Durch Selbstreflexion und Gespräche mit dem Partner kann dieses Problem allerdings gelöst werden.

Stillen wollen oder nicht

Frauen, die sich fürs Stillen entscheiden, sollten dies aus innerer Überzeugung tun. Nicht, weil es die heutige Gesellschaft von ihnen erwartet. Vor dreißig Jahren galt es als unschick, sein Kind zu stillen. Wer es sich leisten konnte, griff in den Siebzigern zu industriell hergestellter Milch. Mittlerweile weiß man, dass die Muttermilch niemals ersetzt oder von Ersatzprodukten übertroffen werden kann. So ist das Stillverhalten der Frauen auch immer ein Spiegel der jeweiligen Zeit. Trotzdem sollte dies kein Argument für junge Mütter sein, ihr Kind an der Brust ernähren zu wollen. Sind Vorbehalte vorhanden, sind diese berechtigt und frau hat das Recht das Kind "nur" mit der Flasche aufzuziehen. Denn stillen Frauen ihrem Partner, der Schwiegermutter oder der Hebamme zuliebe, sind die Bemühungen, dem Kind die Brust zu geben, selten mit Erfolg gekrönt - das Stillen wird zur Tortur für Mutter und Kind, die Mutter fühlt sich unfähig und die Bindung zum Kind wird im schlimmsten Fall gestört.


sca; cs  

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Kommentare (62)

zum Forum

Thema: "Stillen: Müssen Mütter stillen?"

angieeeee schrieb: am 21. Juni 2010 um 19:51:08
(1) (0) nun ja....
also klar, wer will das nicht - einen schönen busen!? aber ich hab mal gehört, dass beim erzeugeranwerben auch ein knackiger po
von vorteil sein soll (wegen der ähnlichkeiten zum dekollete)! und emanzen - die haben schon gewaltige scheuklappen, rigorose ansichten und sind selten belehrbar (starrsinnig?! =)) aber hier geht's ums stillen, eine der natürlichsten sachen der welt.....
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Trinchen schrieb: am 21. Juni 2010 um 19:45:25
(1) (1) Stillen
Ich finde es unverschämt, Mütter die nicht Stillen zu Rabenmüttern zu erklären. Schließlich haben diese ihre Kinder nicht
weniger lieb. Aber das ist ja leider nur der Anfang. Später wird einem dann ein schlechtes Gewissen eingeredet wenn das Kind mit einem Jahr noch nicht läuft, oder mit 3 Jahren noch Windeln braucht. Und die oberschlausten sind meistens die die selber gar keine Kinder haben. Laßt euch bloß kein schlechtes Gewissen einreden, jedes Kind hat seine eigene Entwicklungs-Uhr...
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Petra schrieb: am 21. Juni 2010 um 19:45:09
(1) (7) Körperverletzung
Den eigenen Nachwuchs die Muttermilch zu entziehen, grenzt an Körperverletzung. Hier geht es um eine essenzielle
Nahrung die für das ganze Leben gilt und diese entscheidend beeinflusst. Das wichtigste was man dem eigenen Nachwuchs mitgeben kann, sind die Grundsteine der körperlichen Entwicklung, die durch keine irgend geartete künstliche Nahrung ersetzt werden kann. Stillen und Sex haben mir alles wieder zurück gegeben--> nein noch besser gemacht ...
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