27.04.2009, 16:38 Uhr | Simone Blaß
Wenn kleine Kinder an ihre persönliche Grenze stoßen, ärgern sie sich darüber massiv. (Bild: imago) (Quelle: imago)
Gerade bei Kindern im Alter zwischen zwei und vier Jahren kommt es immer wieder vor, dass sie mit ihrer Wut im Bauch nicht klarkommen und diese dann sehr lautstark ihrer Umgebung kundtun. Trotzphase nennt man das und dieses Verhalten kann elterliche Nerven ungemein strapazieren. In der neuesten Ausgabe der "Eltern"-Zeitschrift wird der dänische Familientherapeut Jesper Juul zu diesem Thema mit folgenden Worten zitiert: „Genauso gut könnte man vom Kinderstandpunkt aus sagen, dass Eltern trotzen - die Großen wollen einfach nicht so, wie die Kleinen wollen.“ Ein interessanter Gedanke.
Es ist nicht einfach für ein kleines Kind, damit klarzukommen, dass die Eltern in manchen Momenten nicht das Gleiche wollen, wie es selbst. Das Kind erkennt zunehmend, dass es ein selbstständiges Wesen ist, versucht, sich von den Eltern abzunabeln, testet die eigene Durchsetzungsfähigkeit und braucht trotzdem eine ganze Portion Sicherheit im Hintergrund. Unter anderem die Sicherheit, geliebt zu werden, auch dann, wenn Meinungsverschiedenheiten auftreten. Hinzu kommt, dass es sich in dem Alter, in dem die ‚Trotzphase‘ in der Regel beginnt, verbal noch nicht so gut ausdrücken kann, was häufiger zu Missverständnissen zwischen ihm und der Umwelt führt. Wenn man sich diesen Hintergrund vor Augen hält, dann ist es leichter, einzusehen, dass der Zorn nicht gegen einen selbst gerichtet ist. Er ist Ausdruck eines Zwiespaltes. Wollen und Können stehen sich hier gegenüber.
Leni ist vier. Und sie hat neue Schuhe. Die sie natürlich auch selbst anziehen möchte. Doch das klappt noch nicht so recht, denn sie schafft es nicht alleine, die Schnürsenkel zuzubinden. Vor lauter Wut schmeißt Leni die teuren Schuhe in die Ecke und brüllt... Das kleine Mädchen ist an seine persönliche Grenze gestoßen und darüber ärgert es sich massiv. Dabei will es doch gerade jetzt alles möglichst alleine und selbstständig machen, möchte nicht mehr dauernd von den Großen abhängig sein. Wenn man erst einmal verstanden hat, warum die neuen Schuhe gerade in die Ecke geflogen sind, fällt es einem leichter, mit Verständnis zu reagieren und dem Kind, sobald es sich beruhigt hat, anzubieten, das Schleifenbinden noch einmal zu üben. Und es darin zu bestärken, dass es bald selbst in der Lage sein wird, seine Schuhe alleine zuzubinden.
Manchmal ist ein solcher Trotzanfall aber auch einfach ein Austesten der eigenen Grenze. Klassisch dabei ist die Situation an der Supermarktkasse, an der wohlweislich die Süßigkeiten in Kinderhöhe platziert sind: Lukas ist drei Jahre alt. Früher war es kein Problem, mit ihm einkaufen zu gehen, aber seit einiger Zeit gibt es regelmäßig Theater an der Kasse. Die Süßigkeiten haben es ihm angetan und das Nein seiner Mutter bringt ihn dazu, sich schreiend auf den Boden zu werfen und zu toben. So lange, bis Mama nachgibt, weil ihr die Situation einfach zu peinlich ist... Kaum ein Elternteil, das so etwas nicht kennt. Die Leute bleiben stehen, beobachten einen und halten manchmal auch mit weisen Kommentaren nicht hinter dem Berg. Was es einem noch schwerer macht, ruhig und vor allem konsequent zu bleiben. Doch das ist das A und O. Wer in einer solchen Situation dem schreienden Kind nachgibt, fördert die Wutanfälle und wird in kürzester Zeit wieder vor dem gleichen Problem stehen.
Klare Regeln vereinfachen das Miteinander. Allerdings dürfen es nicht zu viele sein, denn sonst fühlt sich das Kind zu stark bevormundet und reagiert gar nicht mehr. Sprechen Sie nur wenige, aber dafür für das friedliche Zusammenleben wichtige Verbote aus. Und bleiben Sie bei diesen konsequent. Gelassenheit und Ruhe sind die beste Reaktion auf Trotz. Doch an manchen Tagen geht das nicht, da ist man selbst nicht in der Lage, entspannt zu reagieren. Dann ist es am besten, die Situation aufzulösen. Im Supermarkt kann das bedeuten, das tobende Kind schweigend unter den Arm zu nehmen und mit ihm an einen ruhigeren Ort zu gehen, wo es sich in der Regel meist von selbst schnell beruhigt. Zuhause kann man auch mal den Raum verlassen. Allerdings sollte man das dem Kind auch vorher mitteilen. Und ihm sagen, dass es jederzeit zu einem kommen könne, wenn es sich beruhigt hat. Denn vor allem nach einem Wutanfall ist das Bedürfnis nach Zuneigung und Aufmerksamkeit besonders groß.
Wenn das Kind weiß, dass es, egal welches Theater es macht, z.B. an der Supermarktkasse keine Süßigkeiten bekommt, so wird es über kurz oder lang sein Verhalten aufgeben und das Einkaufen wird wieder reibungslos klappen. Besonders dann, wenn das Kind eine eigene Aufgabe bekommt und aktiv selbst mit einkaufen darf. Kleine Aufträge fördern die Selbstständigkeit und geben dem Kind das Gefühl, auch alleine etwas zu schaffen.
Es gibt auch Kinder, die die klassische Trotzphase nicht erleben. In der Regel allerdings kommt der Ablösungsprozess dann verstärkt zum Schuleintritt. Auch hier trifft der Wunsch nach Selbstständigkeit und Freiheit massiv mit dem Wunsch zusammen, sich von den Eltern noch beschützen zu lassen. Eigentlich geht es hier gar nicht um Widerstand, sondern darum, sich abzulösen und selbstständig zu werden. Und das ist ein schwerer Prozess. Für beide Seiten.
Bleiben Sie bei einem Wutanfall ruhig und gelassen, auch wenn es schwerfällt. Das beendet ihn am schnellsten und Sie haben dann, wenn das Kind sich wieder beruhigt hat, die Möglichkeit, mit ihm zu reden. Vermeiden Sie dabei aber endlose Vorträge. Formulieren Sie lieber Ihre Grenzen klar und deutlich und reduzieren Sie das Wort ‚Nein‘ auf Ihnen wichtige Dinge, bei denen Sie dann aber auch konsequent bleiben.
Lassen Sie dem Kind genügend Zeit, sich auf eine Situation einzustellen. Wenn es zum Beispiel spielt und Sie wollen gehen, dann warnen Sie es vor. Sagen Sie ihm, dass Sie in zehn Minuten gehen möchten und fordern Sie es nach fünf Minuten freundlich auf, jetzt zum Schluss zu kommen. Dann aber sollten auch Sie sich an die Verabredung halten und nicht noch ein weiteres Pläuschchen mit der Nachbarin führen. Denn Regeln sollten für alle Familienmitglieder gelten. So erziehen Sie durch ihr eigenes Vorbild.
Wenn das Kind trotzt und einen in eine peinliche Situation bringt, dann kann das zweifelsohne auch dazu führen, dass man selbst wütend wird. Es ist in Ordnung, wenn das Kind das spürt, allerdings sollte man sich nicht von ihm abwenden, es abwerten oder gar bedrohen. Und auch nicht nachtragend sein. Besser ist es, sich vor Augen zu führen, dass es sich um ein ganz natürliches Verhalten handelt, das zur Entwicklung des Kindes beiträgt und von dem es etwas lernen kann. Es macht jetzt Erfahrungen, die es später im Leben weiterbringen können. Konfliktsituationen gehören zum Leben dazu genauso wie die Tatsache, dass es wichtig ist, zu wissen, wie man seine Gefühle am besten ausdrückt und wie man Kompromisse findet. Ohne sich schreiend auf den Boden zu werfen.
Simone Blaß
svenja schrieb:
am 4. Mai 2010 um 22:00:39
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wutanfälle
ja meine kleine die fast 2 jahre ist hat auch viele wutanfälle man erträgt es kaum.sie hört auch nicht mehr weiss nicht mehr was ich machen soll.
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Irene schrieb:
am 15. April 2010 um 22:18:09
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Trotzphase wenn die wut .....
Unsere Enkelin gerade 3 geworden ist voll in dieser Phase.Ihre Wutausbrüche gehen soweit dass sie sich
rückwärts auf den Boden schmeisst sich selber kratzt zwickt und beisst. Dabei furchterregend brüllt und kreischt.Manchmal dauert so ein "ANFALL" einige Minuten,in denen wir uns alle sehr hilflos vorkommen.
Sie war bis vor kurzem ein liebes ausgeglichenes kleines Mädchen.Hinzu kommt dass die Trennung der Eltern und der Umzug in die neue Wohnung erst seit letzter Woche statt fand.
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