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TV-Coaching für Eltern: "Super Nanny" & Co. auf dem Prüfstand

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"Super Nanny" & Co. auf dem Prüfstand

21.07.2011, 16:24 Uhr | Jenni Zwick

Katia Saalfrank.

Die "Super Nanny" Katia Saalfrank. (Bild: dpa)

Viele Familien haben Probleme - jeden Tag wird geschrien, geschlagen, gestritten. Eltern und ihre Kinder leiden darunter gleichermaßen, doch einen Ausweg finden sie meistens nicht. Verzweifelt suchen Eltern Hilfe - häufig im TV. Erziehungs-Doku-Soaps à la „Die Super Nanny“ oder "Teenager außer Kontrolle - Letzter Ausweg Wilder Westen" zeigen scheinbar, wie leicht auch schwierige Kinder erzogen werden können. Eltern müssen nur lernen, Grenzen zu setzen und konsequent zu sein. Doch lassen sich die Tipps und Tricks, die Katia Saalfrank und ihre Kolleginnen anwenden auch zuhause umsetzen? Ohne professionelle Hilfe von einem Fernseh- und Pädagogenteam? Wohl kaum. Trotzdem funktionieren die Formate - „Die Super Nanny“ unterhielt in der letzten Staffel im Schnitt 3,83 Millionen Zuschauer und brachte RTL einen Marktanteil von 12,4 Prozent. Als die erste „Super Nanny“-Staffel im Fernsehen lief, hörte man aus aller Munde die „stille Treppe“ und der "Wut-Stuhl". Gestern startete nun die neue Staffel der "Super Nanny". Ein guter Anlass, um einmal zu schauen, was all diese Erziehungshelferlein eigentlich bringen und ob Eltern, die lieber Romane lesen oder statt Doku-Soaps Fußball schauen, schlechtere Erzieher?

Erziehungshilfe aus dem Fernsehen

Laut RTL will der Sender mit dem Format der „Super Nanny“ einerseits den betroffenen Familien eine Hilfestellung bieten, andererseits aber auch dem Zuschauer anhand von unterschiedlichen Fällen Lösungsansätze für Probleme in der eigenen Familie aufzeigen. RTL bietet damit zerrütteten Familien Hilfe an, sozusagen als verantwortungsbewusster Fernsehsender. Als Erziehungskonzept werden „eine Vermischung verschiedener pädagogischer und therapeutischer Ansätze angewendet, die von Fall zu Fall der Familie angepasst werden“, so der Sender. Doch in der Sendung sieht der Zuschauer nur einen Ausschnitt der pädagogischen Arbeit - eine Stunde inklusive Werbung. Dass die Vorzeige-Therapeutin Katia Saalfrank die jeweilige Familie bis zu zehn Tage begleitet und sie für ihr Konzept von einem ganzen Pädagogenteam unterstützt wird, sieht der Zuschauer nicht. Viele unerfahrene Eltern versuchen deshalb, die Erziehungsmaßnahmen aus der Sendung eins zu eins an ihren Kindern anzuwenden - und scheitern natürlich kläglich.

Von der stillen Treppe

Der Erziehungsansatz, der in vielen Sendungen gezeigt wird, wie beispielsweise die stille Treppe (als Beispiel einer Auszeit), gelbe und rote Karten, logische Konsequenzen statt Strafen und Schaubilder für gutes oder schlechtes Verhalten, ist eine Mischung aus einigen, ganz verschiedenen Erziehungskonzepten. Vor allem des Triple P (Positive Parenting Program), das auf Lob und Anerkennung, Belohnung aber auch Sanktionierung basiert. Auch Erzieher in Kindergärten oder Familientherapeuten in Beratungssituationen bieten diese Erziehungshilfen an. Prinzipiell spricht gegen die Maßnahmen nichts. Den Eltern soll gezeigt werden, wie sie ihre Kinder gewaltfrei erziehen und sie mit den oftmals schwierigen Phasen der Kinder umgehen können. Familientherapeuten haben in der Zeit, in der sie die Familien mit diesen Mitteln begleiten allerdings die Möglichkeit, die tiefgründigen Probleme der Familie zu verstehen und können daran mit allen Beteiligten arbeiten. Sie vermittelt den Eltern sehr genau, wann eine Auszeit des Kindes berechtigt ist und wann nicht. Wurden Erziehungstechniken angewandt, können sich die Eltern über ihren Erfolg oder Misserfolg mit dem Therapeuten austauschen und gegebenenfalls nach einer anderen Lösung suchen. Der Fernsehzuschauer kann das nicht. Er setzt sein schreiendes Kind im schlimmsten Fall eine Stunde lang auf die „stille“ Treppe und wundert sich, warum das Kind sich nicht beruhigt.

Erziehungstipps für Anfänger?

Auch Katia Saalfrank steht pauschalen Erziehungstipps kritisch gegenüber, obwohl ihr Sender diese scheinbar propagiert. Die Fernseh-Pädagogin hat die Befürchtung, dass sich der eigentlich gute Tipp oder Rat „verkürzt“ und schlecht umgesetzt werden kann. Für sie ist es wichtig, dass den Eltern klar ist, dass „es nicht so schlimm ist, wenn sich ein Kind schwierig verhält“. Wichtig sei, dass man sich selber auch in Beziehung setzt und noch mal überlegt, wie denn die eigene Rolle sei und die Eltern überlegen sollten, warum sich ein Kind in der Situation so verhalte. Für sie liegt die Verantwortung der Familienprobleme klar bei den Eltern. Doch das wird in den Sendungen häufig nicht eindeutig vermittelt.

Kritik von Kinderschutzverbänden

Der Deutsche Kinderschutzbund war der erste Verband, der die Sendung „Die Super Nannies“ bereits nach der Ausstrahlung der ersten Folge kritisierte. Er sah die Privatsphäre der Kinder missachtet und kreidete an, dass sie oftmals ohne ihr Einverständnis vor Nachbarn, Schulkameraden und Lehrern bloß gestellt würden. Es wird gefilmt, wie sie weinen, verzweifeln und wütend sind und können sich der Situation nicht erwehren. Mittlerweile haben sich dieser Kritik zahlreiche andere Institutionen angeschlossen. Auch mit dem pädagogischen Konzept waren viele Verbände, Therapeuten und Erziehungswissenschaftler nicht einverstanden. Das Problem: Den Zuschauern wird nicht deutlich gemacht, dass komplexe Erziehungsprobleme und Mechanismen in der Familie nicht in kurzer Zeit gelöst und geändert werden können. Außerdem bemängelten die Einrichtungen, dass allein für die Quote extrem schwierige Fälle aus Problemfamilien gezeigt werden, die weniger allgemeine Erziehungsprobleme zeigen als die verhaltensgestörten Kinder und ihre unfähigen Eltern. Laut Kinderschutzbund läuft die Dramaturgie einzelner Folgen nach einem Schema ab: Zunächst sind Szenen zu sehen, in denen das Kind als schwierig und verhaltensauffällig dargestellt wird, ebenso werden Eltern beziehungsweise Mütter als unfähig abgebildet. Dem Zuschauer wird die Familiensituation sehr einseitig und negativ dargestellt. Je weiter die Folge fortschreitet, umso stärker wird der Erfolg der Nanny durch den veränderten Zusammenschnitt der Szenen sichtbar gemacht. Ob er tatsächlich so eingetreten ist, wie gezeigt wird, ist fraglich. Fazit: Voyeurismus statt Erziehungshilfe. 

Hoher Bedarf

Manchen Eltern fehlt es tatsächlich an den Basics in Sachen Erziehung. Ist in diesen Fällen nicht ein Konzept sinnvoll, das ihnen zeigt, worauf es in der Kindererziehung ankommt? Immerhin - einfache Grundregeln werden in den Doku-Soaps vermittelt: Kinder brauchen Grenzen und elterliche Konstanz. Sie lieben Rituale und immer wiederkehrende Abläufe, denn diese geben ihnen Sicherheit. Kinder benötigen klare Ansagen, aber auch Zuwendung und Wärme. Kinder brauchen Lob und Bestätigung. Und immer wieder: Kinder dürfen nicht angebrüllt und schon gar nicht geschlagen werden. Selbst im „Erziehungscamp“ von RTL pochen die verantwortlichen Erzieher auf gemeinsame Mahlzeiten, feste Zeiten beim Zubettgehen und Ordnung in den Zimmern. Die Grundsätze der TV-Formate sind sinnvoll, aber: Haben Eltern im Vorfeld nicht gelernt, diese Dinge zu beachten und zu „leben“, lernen sie es höchst wahrscheinlich auch nicht durch die wöchentliche Erziehungshilfe im TV. Schließlich wird ihnen nicht deutlich gemacht, dass das Fehlverhalten nicht von den Kindern ausgeht - und dass die therapeutische Begleitung in den meisten Fällen über die Sendung hinaus geht. Doch der Erfolg der Erziehungs-Doku-Serien zeigt, dass es anscheinend einen hohen Bedarf an „Erziehungshilfe“ gibt, der auf diesem medialen Weg gestillt wird. Schlechtere oder bessere Eltern werden die Zuschauer dagegen nicht. Allerdings auch die nicht, die die Sendungen nicht verfolgen.


Quelle: t-online.de

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Kommentare (45)

zum Forum

Thema: "TV-Coaching für Eltern: "Super Nanny" & Co. auf dem Prüfstand"

superstar schrieb: am 28. November 2011 um 20:56:00
(0) (2) super nanny
der Kinderschutzbund ,hat viele andere beschuldigt das sie ihre Kinder geschlage hätten .wenn man zuhause bleibt wird das Kind
weg genommen und wenn man arbeiten geht.
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Lulle schrieb: am 5. September 2011 um 23:28:11
(5) (1) Supernanny
Das Format ist Schwachsinn³. Leute, wie läuft es denn im Fernsehen? Ihr glaubt doch wohl nicht wirklich, dass das auch nur
annähernd das wirklich Leben darstellt.
mehr Kommentar melden

Superpapi schrieb: am 29. Mai 2010 um 16:03:40
(0) (0) nany
na, die nani hat bestimmt sooo 2 bis 3 Kinder (eigene ) oder ??? Dann muß sie es ja wissen !

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