15.02.2011, 09:54 Uhr
Überforderte Kinder: Schon Schulkinder stehen unter Druck. (Foto: ARD)
Mithalten, gegen die Konkurrenz bestehen, etwas erleben, oben mitspielen und Gewinner sein - Hauptsache, kein Verlierer: Die ARD zeigt an drei Abenden innerhalb einer Woche die NDR-Produktion "Deutschland unter Druck". Drei Autorenteams beleuchten jeweils eine Lebenspassage: Kindheit, Berufslaufbahn und Alter. Die Filme machen deutlich, wie sehr die Deutschen in jeder dieser Phasen Druck ausgesetzt sind; einem Druck, der so stark ist, dass ihm manche nicht standhalten können. Im ersten Teil ging es um die "überforderten Kinder".
Frühförderung für Kleinkinder, Yoga in der Krippe, Privatschulen für die Großen - aus Sorge um die Zukunftschancen ihrer Kinder setzen immer mehr Eltern den Nachwuchs einem ungeheuren Leistungsdruck aus. Eltern werden panisch, wenn ihr Kind später als andere krabbelt. Der gesamte Komplex zwischen Geburt und Abitur ist zu einer Mischung aus Wettrüsten und Leistungsschau geworden. Schlimme Krisen drohen den Eltern, wenn ihr Kind später kein Abitur macht. Als Vorbereitung gibt es dann schon vor der Schule Frühenglisch und wenn das nicht reicht, schicken einige Eltern ihr Kind für 35.000 Euro pro Jahr auf’s Internat.
"Der Druck hat zugenommen, weil dieses freie Leben, die freie Kindheit verloren gegangen sind. Es ist alles so schrecklich reglementiert. Und dieses einfach mal vor sich hin dösen oder den Tag vor sich hinleben, ohne Terminkalender, Uhr oder Handy - das ist schon verloren gegangen", so Margot Käßmann, ehemalige Landesbischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche.
"Klassenkampf im Bildungssystem", nennt das der renommierte Schweizer Kinderarzt und Autor Remo Largo. "Das kann niemand rechtfertigen. Es gibt keine guten Gründe, das so zu machen." Largo sieht die Gesellschaft generell auf einem falschen Weg. "Es braucht eine Grundsatzdiskussion über ein neues Bildungssystem. Und je länger wir uns verzetteln mit Detaildiskussionen über Frühenglisch und Frühchinesisch, umso mehr schieben wir diesen Zeitpunkt hinaus und benachteiligen im Grunde genommen die Kinder."
Dem Druck halten nicht alle Kinder stand. Zunehmend bedürfen schon Grundschüler therapeutischer Behandlung. Erst sind es Bauchschmerzen, später folgt die Leistungsblockade bis hin zur Depression. Jedes dritte Schulkind berichtet regelmäßig von Stress-Symptomen. Bis zu zehn Prozent der zwölf- bis 17-jährigen haben oder hatten Depressionen.
Eltern haben offenbar verlernt, auf ihr Bauchgefühl zu hören. Das Beste soll aus den Kindern herausgeholt werden. Sie sollen die besten Schüler sein, die besten Sportler, die besten Noten schreiben. Wer kann ernsthaft glauben, dass die gestressten und gedrillten Schüler von heute zu mitfühlenden und kreativen Menschen heranwachsen? Margot Käßmann dazu: "Ich denke man muss auch lernen, in der Kindheit schon, verlieren gehört dazu, scheitern ist Teil des Lebens und damit kannst du auch fertig werden und trotzdem glücklich werden. Nicht nur alle, die Abitur machen, sind glückliche Menschen."
Ja, Eltern von heute stehen unter Druck. Aber sie haben auch die Mittel, ihre Kinder zu entlasten und zu unterstützen. Man hofft, dass sie davon Gebrauch machen.
Sendezeit der weiteren Folgen:
Teil 2, Die getriebenen Erwachsenen, Mittwoch, 16. Februar, 23.30 Uhr
Teil 3, Die verunsicherten Alten, Donnerstag, 17. Februar, 23.30 Uhr
Quelle: t-online.de
IQ 155 schrieb:
am 22. Februar 2011 um 15:37:15
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Stress
Vielleicht sollten einige übermotivierte Eltern darauf verzichten, ihre Kinder mit zusätzlichen Anforderungen (wie z.B. diverse
Sportarten, Musikinstrumente sonstige Vereinetätigkeiten) zu überlasten. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Schule nur als Störung im vollorganisierten Tagesablauf gesehen wird. Mein Sohn (23) kann kein Musikinstrument spielen und übt nicht div. Sportarten aus und ist trotzdem glücklich und ausgeglichen. Er geht seinen Weg und das ist gut so!
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1944 schrieb:
am 20. Februar 2011 um 22:29:24
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@Tina
Wissen Sie,dass in den 60er/70er-Jahren im Gymnasium mehr verlangt wurde als heutzutage?Von der 1. Kl.an Latein,Französisch,Deutsch
neben sämtl. Nebenfächern, ab der 3.Kl. kam Englisch dazu u. zu Hause niemand, der einem helfen konnte!Und das bis zum Abitur! Erst da konnte man eine Sprache abwählen! Und da meinen Sie-es war etwas ganz Anderes- u. zwar im Sinne von Weniger,Leichter,Altmodischer! Wir erfuhren noch ALLGEMEINBILDUNG, lasen noch Klassiker neben moderner Literatur,mit Stundenausfall!
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Erzieherin schrieb:
am 20. Februar 2011 um 16:25:52
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Leben
Es gibt sie noch, die unbeschwerte Kindheit, allerdings viel zu selten. Als Erzieherin stellen sich mir sämtliche Haare zu Berge bei
dem "Bildungsangebot", das mir täglich auf den Tisch flattert. Curricula für den Kindergarten, Testbögen und Lernhilfen, Trainingshefte, Zertifikate für Sport, Zweitsprache, Ernährung, Musik, Forscher usw... Da ist keine Zeit für Leben. Leider können auch viele Erzeiehrinnen diesem Druck nicht stand halten und drehen an diesem Hamsterrad mit.
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