22.08.2011, 17:12 Uhr
Problemschule statt Karriereleiter: Lena Löll ist ein Fellow von "Teach First". (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Nach der Uni auf die Hauptschule: Immer mehr junge Leute wollen nach dem Studium erst mal etwas völlig anderes machen. Die Initiative "Teach First" schickt sie an Problemschulen. Vor allem bei Top-Uni-Absolventen ist die bewusste Karriere-Pause beliebt, wie bei Lena Löll. Das erlebte sie auf ihrer Karriereschleife.
Lena Löll hätte sofort durchstarten, schnell viel Geld verdienen und Karriere machen können. Mit Bestnoten hatte die BWL-Studentin die Uni verlassen. Doch statt sich einen gut bezahlten Job in der Wirtschaft zu suchen, ging die Betriebswirtin an eine Hauptschule. Dort arbeitete sie zwei Jahre lang mit Kindern, die Probleme mit dem Lernstoff hatten - für 1750 Euro brutto im Monat. "Teach First" nennt sich die Initiative, die Top-Studenten nach der Uni an Problemschulen schickt. Nicht allen Lehrern ist diese Verstärkung recht, doch der Erfolg scheint der Initiative recht zu geben.
In den USA hat sich die Teach-First-Idee in den vergangenen 20 Jahren weit verbreitet. Dahinter steckt vor allem ein sozialer Gedanke: Wer in seinem Leben viel Glück hatte und zur Bildungselite zählt, hilft denen, die am unteren Ende der Gesellschaft stehen und kaum Zukunftsperspektiven haben. Mehrere tausend Uni-Absolventen machen jedes Jahr in den USA einen bewussten Bruch in ihrem Lebenslauf und gehen als sogenannte "Fellows" an eine Problemschule.
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In Deutschland gibt es "Teach First" seit zwei Jahren. Lena Löll zählte zu den ersten, die an dem Programm teilnahmen. "Ich hatte so viel Glück durch mein Elternhaus, bin beim Abitur und im Studium unterstützt worden. Deshalb wollte ich etwas zurückgeben und anderen helfen, die diese Unterstützung nicht erhalten", erzählt sie.
Bei vielen "Fellows" sei die Motivation ähnlich, sagt Ulf Matysiak, Geschäftsführer von "Teach First" Deutschland. Ihr Leben lang hätten sich die meisten auf ihre Karriere vorbereitet. Aber wenn sie dann nach der Uni eigentlich durchstarten könnten, entschieden sie sich für ein soziales Engagement. "Viele wollen nach dem Studium einmal ganz andere Erfahrungen sammeln und etwas Praktisches machen", sagt Matysiak.
Rund 700 Bewerber gibt es in Deutschland jedes Jahr für die gut 50 Plätze. Neben Top-Noten erwartet Teach First von den Bewerbern auch, dass sie schon Erfahrungen im sozialen Bereich gesammelt haben - etwa als Mitarbeiter in Vereinen oder in Hochschul-Organisationen. Drei Monate lang bereitet die Organisation ihre "Fellows" auf ihren Einsatz vor. Dann geht es an die Schulen.
Lena Löll kam in die Hauptschule Ahornweg in Bergisch Gladbach. "Ich war direkt mit Herzblut dabei", erinnert sie sich. "Der Einsatz ist kaum vordefiniert. Am Anfang haben sich erstmal alle zusammengesetzt und überlegt, was die Schule braucht und was ich mit meinem Profil bieten kann." Schließlich machte sich die Betriebswirtin mit den Schülern daran, einen Kiosk aufzubauen. Eine extra gegründete Schülerfirma kümmert sich nun um den Betrieb.
Aber auch beim Schulunterricht konnte sie schnell mitarbeiten. "Wir 'Fellows' haben weniger fest eingeplante Stunden als Lehrer und sind dadurch sehr flexibel", erzählt die 28-Jährige. Sie gab Nachhilfe, kümmerte sich um die Probleme einzelner Schüler. Und dabei ging es nicht nur um den Lernstoff. "Man kann sich zum Beispiel mal eine ganze Stunde mit einem Zehntklässler darüber unterhalten, wie seine Bewerbungen laufen, oder man geht seine Bewerbungsmappe durch."
Trotzdem kamen die "Fellows" in Deutschland gerade am Anfang längst nicht überall gut an. Die Lehrergewerkschaften in einigen Bundesländern sahen die "Teach-First"-Kräfte als Konkurrenz und übten massive Kritik an dem Modell. Die Schüler bräuchten keine BWL- oder Jura-Studenten, sondern ausgebildete Lehrer, kritisierte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Berlin. Schulen seien kein Abenteuerspielplatz, auf dem angehende Manager "Social Scills" erwerben könnten.
Der Bielefelder Pädagogik- und Psychologie-Professors Rainer Dollase hält diese Kritik für unberechtigt. Im Auftrag von "Teach First" und den beteiligten Bundesländern hat er das Programm an zehn Schulen untersucht. Sein Fazit über die "Fellows": "Sie machen Lehrern keine Konkurrenz, sondern entlasten diese, weil sie Aufgaben übernehmen, zu denen den Schulen die Zeit fehlt." An den Schulen, die einen "Fellow" abbekommen hatten, gab es auch bei den Schulleitern und den Lehrern viel Lob. Und ein Großteil der Schüler gab an, "sehr viel" oder zumindest "einiges" von den "Fellows" gelernt zu haben.
Das sei auch das Wichtigste bei "Teach First", betont Geschäftsführer Matysiak. "Die Zielgruppe sind nicht die Fellows, sondern die Schülerinnen und Schüler. Wer nur aus Karrieregründen in das Programm geht, der macht etwas falsch. Die Sozialkompetenzen kann man sich woanders sicherlich leichter besorgen."
Lena Löll nimmt aus den zwei Jahren an der Hauptschule in Bergisch Gladbach trotzdem auch für sich persönlich wichtige Erfahrungen mit: Die Betriebswirtin will sich auch nach ihren zwei Jahren an der Hauptschule mit Bildung beschäftigen. Damit lässt sich zwar nicht das große Geld verdienen. "Aber ich habe gemerkt, dass mich Bildung begeistert und dass mich die Arbeit sehr erfüllt.":
Die "Teach-First"-Idee wurde 1990 in Amerika geboren. Heute gibt es Organisationen in 19 Ländern, insgesamt sind fast 10.000 "Fellows" an Schulen aktiv. In Deutschland läuft das Programm bislang in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg und Thüringen. (www.teachfirst.de)
Quelle: dpa
Tobman schrieb:
am 24. August 2011 um 01:41:23
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keine dumme Idee
Die Idee finde ich gar nicht so dumm, Vermutlich sind sie sogar kompetenter als die richtigen Lehrer, den mal ganz ehrlich
die meisten Lehrer machen den Job doch nur weil sie es zu nichts anderem gebracht haben. Aber verstehen tu ich die Frau Löll nicht denn erstmal sollte es einem selbst gut gehen bevor man sich als Wohlfahrt aufspielt.
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hm schrieb:
am 23. August 2011 um 11:25:05
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Liebe Karin Weber
hier schreibt Ihnen die Mutter eines Abiturienten (vaterloses Elternhaus). Es geht gar nicht darum, Lehrer zu ersetzen, das
ist gar nicht der Anspruch, sondern um zusätzliche Angebote mit Bezug zur Praxis. Ich finde das ganz wunderbar und hätte so etwas meinem Sohn auf seinem Gymnasium auch gewünscht..
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Mama schrieb:
am 23. August 2011 um 09:55:10
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Schule
Allein im oberen Abschnitt platzt mir der Kragen!Wenn ich schon lese PROBLEMSCHULEN(hauptschule)!!!!!Mein Sohn ging auch bis jetzt auf
eine Hauptschule und nun ist er auf der Realschule!!Was ist daran bitte das Prblem!"!!
(-Schule)
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