
24.06.2010, 15:20 Uhr
Junge in einem Flüchtlingslager in Tiflis: "In den Haushalten armer Länder ist für Kinder häufig kein Geld vorgesehen", sagt Gaspar Fajth, Leiter der Abteilung Politik und Wirtschaft von Unicef International in New York, gegenüber Spiegel Online. (Bild: UNICEF/Zviad Nikolaishvili)
Für Banken gab es den Rettungsschirm, für Autokonzerne die Abwrackprämie. Doch wer kümmert sich in der globalen Rezession um die Armen? Kaum jemand, sagt UNICEF. Vor allem Kinder zählen zu den Verlierern der Krise - dabei wäre Hilfe einfach und effektiv. Es war das Wort des Jahres 2009: Die "Abwrackprämie", die doch eigentlich Umweltprämie hieß, sollte die Konjunktur ankurbeln. 2500 Euro konnte einstreichen, wer sein altes Auto zum Schrotthändler brachte und in einen Neu- oder Jahreswagen investierte. Rund fünf Milliarden Euro stellte der Bund insgesamt für die Maßnahme zur Verfügung. Sie sollte dabei helfen, die Folgen der Finanzkrise abzufedern und die Automobilindustrie vor dem Schlimmsten zu bewahren. Das war die eine Seite der Krise.
Die Prämie für ein deutsches Altauto beträgt ein Vielfaches des durchschnittlichen Jahreseinkommens eines Arbeiters in Bangladesch oder Nepal. Doch auch in diesen Ländern hat der wirtschaftliche Abschwung dazu geführt, dass viele Menschen ihre ohnehin schlecht bezahlten Jobs verloren haben. Während in den Industrienationen soziale Sicherungssysteme ein Abrutschen in Armut verhindern, gibt es solche Einrichtungen in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern nicht. Die Krise trifft diejenigen am härtesten, die ihr am wenigsten entgegenzusetzen haben. Und das sind vor allem Kinder aus armen Ländern und ihre Familien - für sie geht es ums Überleben. Das ist die andere Seite.
Der UNICEF-Jahresbericht 2010 dokumentiert die dramatischen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf Kinder. Demnach wird die Zahl der Menschen, die in Armut leben, als Folge der Krise weiter steigen. Der Bericht geht davon aus, dass weitere 64 Millionen Menschen in eine solch prekäre Situation abrutschen werden - 70 Prozent von ihnen leben in sogenannten Schwellenländern. Die Schere zwischen Arm und Reich wird größer.
Kinder sind demnach die Verlierer der globalen Krise. Armut, Hunger und Krankheiten nehmen in Folge der weltweiten Rezession zu. Viele Probleme liegen jedoch für die Einwohner wohlhabender Staaten jenseits der Wahrnehmungsschwelle: Krankheiten, die hierzulande längst ausgemerzt sind und durch einfache - und häufig billige - Medikamente bekämpft werden können, stellen in Entwicklungs- und Schwellenländern tödliche Risiken dar.
Bei der Jahrespressekonferenz hat UNICEF vier Forderungen an die G-8- und G-20-Staaten gerichtet, die sich ab Freitag in Kanada treffen:
Fest steht: Die Auswirkungen der globalen Krise schlagen sich zeitversetzt nieder, die Folgen für arme Familien werden erst nach und nach sichtbar. Doch schon jetzt scheint sich abzuzeichnen, dass die Wirtschaftsnationen sich in schwierigen Zeiten vor allem um sich selbst kümmern - und versuchen, die Folgen für die eigene Bevölkerung abzufedern. Unicef fürchtet, dass die Entwicklungshilfe stagnieren wird. Für Familien in armen Ländern bedeutet dies, dass sich die Krise unmittelbar auf die Alltagssituation niederschlägt - mit fatalen Folgen. Fast jedes zweite Kind in Südasien ist untergewichtig, 33 Prozent der Menschen können ihren täglichen Bedarf an Kalorien nicht decken. Viele Familien müssen 60 bis 70 Prozent ihres Einkommens für Nahrung ausgeben.
"In den Haushalten der armen Länder ist für die Familien meist kein Geld vorgesehen", sagt Gaspar Fajth, Leiter der Abteilung Politik und Wirtschaft von Unicef International in New York, Spiegel online. "In Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs fehlt es ihnen an den wichtigsten Dingen." Diese Familien haben keine Puffer, die harten Zeiten zu bewältigen. Hohe Lebensmittelpreise, sinkende Realeinkommen und steigende Arbeitslosigkeit vermengen sich zu einer unheilvollen Mischung.
Die Leidtragenden sind wiederum die Kinder: Sie müssen mit dazu beitragen, die Familien zu ernähren, gehen seltener zur Schule, erhalten weniger medizinische Hilfe, weil in den Familien das Geld fehlt. "Die Entwicklung der Mädchen und Jungen wird massiv beeinträchtigt", so Fajth. "Während die Menschen in den Industrienationen sich zwar einschränken müssen, es ihnen aber trotz allem recht gut geht, geht es für die Menschen, die ohnehin prekären Verhältnissen ausgesetzt sind, um alles."
Unicef versucht die Industriestaaten zu ermutigen, ihre Etats für die Entwicklungsländer nicht zu kürzen - denn schon mit verhältnismäßig wenig Geld könne geholfen werden. "Die westlichen Nationen können es sich nicht leisten, einen Rückzieher zu machen: Wir leben in einer vernetzten Welt. Was heute in Kathmandu passiert, hat unmittelbaren Einfluss auf die Menschen in New York." Gerade die Schwellenländer in Asien seien der Motor der globalen Wirtschaft.
"Die Folgen der Krise sind meiner Ansicht nach noch immer nicht voll abzusehen, auch wenn manche sagen, dass es schon wieder aufwärts ginge", so Jürgen Heraeus, Vorsitzender von Unicef Deutschland. "Der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus sagte mir: Für die Industrieländer ist die Finanzkrise ein Schock, aus dem man hoffentlich lernen wird. Für die Armen ist sie ein Tsunami."
Quelle: Spiegel Online
Jürgen schrieb:
am 25. Juni 2010 um 10:10:20
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Kinderarmut
Vielleicht gibt es in diesen Ländern zuviele Kinder? ! Wenn dieser Überbestand abgebaut ist wird sich die Situation
verbessern. Man muß akzeptieren, daß nur ein bestimmter maximaler Bestand an jeglicher Art von Lebewesen möglich ist.
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Bonzo schrieb:
am 25. Juni 2010 um 09:44:44
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Arme Kinder
Die Kinder: Sie müssen mit dazu beitragen, die Familien zu ernähren.? Ich kann mir schwer vorstellen, wie ein 2-jähriges Kind
zur Arbeit geht - für Geld. Die Kinder sind nicht materiell arm, sondern deren Eltern. Ein Kind braucht Essen, Kleider und Schulbildung. Irgend einer Völkergruppe, die selbstständig schon hunderte von Jahren lebt unser System aufzuzwingen (Missionieren) ist grund falsch. Es gibt Kindersterblichkeit bei den Völkern es überleben die Starken. Viele Eskimos trinken sich tot.
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Mama schrieb:
am 25. Juni 2010 um 09:44:13
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Kinderarmut
Auch in Deutschland gibt es eine Menge armer Kinder.
Die ohne Frühstück zur Schule gehen und auch kein warmes Mittagessen
bekommen.
Hartz 4 reicht auch anscheinend nicht immer. Ich bin froh nicht in solch einer Situation zu sein und bin froh darüber,
dass ich diesen Kinder ein wenig helfen kann und hoffe auch andere Menschen in Deutschland denken so!!!
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