31.08.2010, 14:25 Uhr
Viele Väter möchten gern ihre Arbeitszeit reduzieren. (Bild: imago)
Väter würden gerne mehr für ihre Kinder da sein: 60 Prozent haben den Wunsch, dafür ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Das ergab der am Dienstag in Berlin vom Bundesfamilienministerium vorgestellte Monitor Familienleben, den das Institut für Demoskopie Allensbach erhob. "Wie zufrieden die Familien sind, hängt ganz besonders davon ab, ob sie genügend Zeit mit ihren Kindern und Angehörigen verbringen können", sagte Bundesministerin Kristina Schröder.
Um die eigenen Kinder zu betreuen, haben der Untersuchung zufolge 84 Prozent aller Mütter unter 45 Jahren schon einmal ihre Berufstätigkeit unterbrochen. Bei Vätern waren es lediglich zehn Prozent, was im Vergleich zu früher jedoch beachtlich sei, meinte Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher. Mehr als 70 Prozent der Väter, die nach der Geburt ihres Kindes ihre Arbeit unterbrochen haben, empfanden diese Elternzeit als Bereicherung. Erziehung bleibe dennoch immer noch überwiegend Frauensache, sagte Köcher. Viele Betriebe sähen es nach Angaben der Befragten nicht gerne, wenn Väter Elternzeit nehmen. Häufig entstünden ihnen dadurch berufliche Nachteile. Zudem müssten sich Familien in der Zeit, wenn der Vater pausiert, meist finanziell stark einschränken.
Sorgen um die Karriere und die Unsicherheit, ob eine Auszeit dem Baby zuliebe das Richtige ist, treiben die Männer um, die sich an Jakob Hein wenden. Der 38-Jährige ist Deutschlands erster Väterbeauftragter. Seit er diesen Posten vor einem Jahr an der Berliner Charité übernahm, hat er mehrere hundert Männer beraten - obwohl der Facharzt für Psychiatrie seinen Posten nur ehrenamtlich ausübt. Die Einrichtung des Postens sei wohl eher "als Geste" gedacht gewesen, sagt Hein: "Dass es so ein hohes, tatsächliches Interesse geben würde, war nicht abzusehen."
Rund 30 Anrufe und E-Mails erhielt er anfangs pro Woche. Inzwischen hat Hein eine eigene Seite im Intranet der Klinik eingerichtet, auf der Ratsuchende zahlreiche Antworten finden können. Wo muss ich die Elternzeit beantragen? Was ist dafür notwendig? Wie lange im voraus muss ich planen? - das seien typische Fragen von Männern.
Dass Männer zunehmend Interesse an ein paar Monaten Auszeit für die Familie haben, kann der Charité-Väterbeauftragte Hein bestätigen. Doch leicht fällt es den meisten Männern nicht, den OP-Tisch oder die Flure der Klinik zu verlassen. An der Universitätsklinik sind es häufig Ärzte, die vor die Wahl gestellt werden. Noch immer zeigten vor allem ältere Chefs ihre Ablehnung gegenüber der Idee, dass auch ein Mann zu Hause bleiben könne. "Und dann ist es oft eine gefühlte Entscheidung zwischen Chef und Kind", sagt Hein. Doch der befürchtete "Liebesentzug" durch den Chef bleibe am Ende oft aus.
Wenn Männer über Elternzeit diskutierten, hat Hein beobachtet, stellten sie andere Argumente in den Vordergrund als Frauen. Es gehe häufig um Zahlen, die beweisen, dass Männer nach einer Elternzeit "effizienter arbeiten", "dem Betrieb treuer sind" und "weniger krank feierten". Bei den Frauen würde dagegen das Soziale betont. "Dass es schön ist, für sein Kind da zu sein, darf man nicht aussprechen", sagt Hein. Er selbst ist 2003 freiwillig in die Elternzeit gegangen, als es die gesetzliche Regelung noch nicht gab und hat die fünf Monate sehr genossen.
Die dringlichen politischen Aufgaben würden zwar immer noch von der Wirtschaftskrise bestimmt. Dennoch ist die Familie der Allensbacher Studie zufolge für 78 Prozent der Bevölkerung weiterhin der wichtigste Lebensbereich. Schröder erklärte: "Mein Ziel ist deshalb, bessere Voraussetzungen für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu schaffen." Dass eine gute Vereinbarkeit bisher nach wie vor schwierig sei, finden der Studie zufolge 63 Prozent der Deutschen. Bei Müttern von Kindern unter 18 Jahren seien sogar 72 Prozent unzufrieden, erklärte Köcher.
Schröder will sich deshalb für flexiblere Arbeitszeiten und eine Unternehmenskultur einsetzen, die nach der Qualität geleisteter Arbeit und nicht nach der Präsenz der Mitarbeiter fragt. Bisher herrsche in den Unternehmen eine "familienfeindliche Präsenzkultur", sagte die Ministerin. Dabei sei derjenige, der wisse, dass er um Punkt 17 Uhr sein Kind von der Kita abholen müsse, oft die effizientere Arbeitskraft. Um für mehr Familienbewusstsein in den Unternehmen zu werben, will das Ministerium im Oktober gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag die Initiative "Flexible Arbeitszeiten" starten.
Köcher erklärte: "Neben einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf rückt bei der Bevölkerung auch die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege immer mehr ins Blickfeld." Diese Vereinbarkeit beurteilen 74 Prozent der Berufstätigen, die einen Pflegefall erwarten, als schwierig. Schröder plant daher die Einführung einer Familienpflegezeit. Demnach können Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit über einen Zeitraum von maximal zwei Jahren auf 50 Prozent reduzieren, aber weiterhin ein Gehalt von 75 Prozent beziehen. Zum Ausgleich müssen sie später für Dreiviertel des Gehalts wieder voll arbeiten, bis das Zeitkonto ausgeglichen ist.
Quelle: AFP , dapd
Manni schrieb:
am 14. März 2011 um 01:12:30
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Traumwelt
Das Leben ist kein Wunschkonzert,einer muss die Kohle heran schaffen um die Familie über die Runden zu bringen.Also bleibt gerade
mal für viele Väter das Wochenende um sich intensiver um die Kinder zu kümmern.Gute Vollzeit Jobs sind rar,also muss man sich überlegen wie man es haben möchte,Papa geht morgens 4 Std. arbeiten und Mama geht dann nachmittags wenn Papa ja bei den Kleinen ist bis abends arbeiten,mal sehen wie lange das gut geht,den es kommt kein Geld zusammen und der Ärger ist vor Progr
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Klaus schrieb:
am 29. Oktober 2010 um 12:58:00
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@ Fred - das kenne ich
Sowas in der Art ist mir auch passiert. Babypause genommen und danach wurde mir ein normales Arbeiten unmöglich
gemacht. Meine Abteilungsleiterin sagte mir " Das ist der Lohn dafür, dass Sie einen Sonderurlaub genommen haben. In einer kleinen Firma ist sowas nicht drin." 4 Monate später war es dann vorbei mit meinem Job. Ich kann nur jedem Mann raten, sich die Babypause zweimal zu überlegen.
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Fred schrieb:
am 15. Oktober 2010 um 21:57:11
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Elternzeit genommen und dann rausgemobbt.
Ich habe meine 2 Monate Elternzeit genommen. Wieder im Job hatte meine kinderlose Chefin nix
anderes zu tun als mich gnadenlos rauszumobben. Sie hat nicht verstanden, warum ich diese Zeit mit meinem Kind haben wollte und setzte es mit einem zweimonatigen Urlaub gleich. In diesem Urlaub durfte ich auch noch 1 mal pro Woche für 8 Stunden kostenfrei in die Firma kommen um das "Notwendigste" zu erledigen. Gsetze sind das eine, die Realität in deutschen Firmen sieht leider anders aus!
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