24.08.2011, 16:32 Uhr
Erzieher Hendrik Gischkowski ist bei den Kindern im Montessori-Kinderhaus äußerst beliebt. (Quelle: dpa)
Auf dem Bolzplatz ist Hendrik Gischkowski ein gefragter Mann. Fast jeden Tag rennt der 31-Jährige zusammen mit Kindern einem grünen Ball hinterher, spielt Pässe, steht im Tor und erträgt ab und zu Niederlagen. Die Jungen und Mädchen im Montessori-Kinderhaus Nohra bei Weimar lieben ihn dafür. Männliche Erzieher wie Hendrik Gischkowski sind in Deutschland selten und begehrt. Bundesweit arbeiten 362.215 Erzieher in Kindergärten, darunter aber nur 10.745 Männer. In diesem Beruf wird nicht viel verdient und männliche Kollegen werden schnell verdächtigt, sexuelle Vorlieben für ihre Schützlinge zu haben. Das schreckt ab.
Mit Hilfe des Projekts "Mehr Männer in Kitas" des Bundesfamilienministeriums soll der Männeranteil bundesweit von derzeit drei Prozent auf 20 Prozent steigen. Thüringen liegt mit knapp 1,9 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt. Im Freistaat gibt es 11.123 ausgebildete Pädagogen in der Kindertagespflege. Lediglich 207 Männer entschieden sich bislang für diesen Beruf.
"Männliche Erzieher sind toleranter beim Klettern, Toben und Raufen. Sie treiben mit den Kindern mehr Sport und sind offener für handwerkliche Spiele", sagt der Koordinator des Thüringer Projekts "JuniorExperten - Kinder brauchen Männer", Mario Braun. Die Bundesregierung und die Europäische Union haben 13 Millionen Euro bereitgestellt, um Männern den Erzieherberuf schmackhaft zu machen. "Die Kinder reagieren ganz toll auf die männliche Art, die Dinge zu sehen", erklärt Susanne Wiese vom Institut für pädagogische Diagnostik Erfurt. Männer seien oft gelassener im Umgang mit den Jungen und Mädchen. Vor allem den Jungs tue das gut.
Im Rahmen des Projekts "JuniorExperten" wurden Eltern aus acht Thüringer Kindergärten zur Rollenverteilung in der Familie befragt. Das Resultat: "Väter sind immer noch unterrepräsentiert", bedauert Braun. Vor allem Jungs fehle das männliche Vorbild, weil sich Väter zu wenig an der Erziehung beteiligten oder schlicht keine Zeit dafür hätten. "Die Kita soll das Leben abbilden." Kindern soll vorgelebt werden, wie Männer und Frauen miteinander umgehen, dass auch Kerle einfühlsam sein dürfen und Trost spenden.
Gischkowski ist bei den Kindern im Montessori-Kinderhaus äußerst beliebt. Mit den Jungs spielt er Räuber und Gendarm, sticht als Pirat in die raue See und hilft beim Baumklettern im Hof des Kinderhauses. Für die Mädchen mimt er bei einem Familien-Rollenspiel auch mal das Kind, steht zum Kuscheln zur Verfügung und tröstet bei einem Insektenstich. Schon beim Studium an der Fachhochschule in Jena habe er gemerkt, dass es der richtige Beruf für ihn sei, erzählt der Sozialpädagoge. Im Kinderhaus Nohra ist er der einzige Mann. "Wir hätten gerne mehr, aber wir finden keine", sagt die stellvertretende Leiterin Eike Berthold.
Abschreckend wirkt auf Männer, dass sie oft unter Generalverdacht stehen. Schnell wird ihnen unterstellt, Kinder sexuell anziehend zu finden. "Es gibt immer wieder Verdächtigungen, und einige Eltern sind sehr skeptisch gegenüber männlichen Erziehern", bestätigt Mario Braun. In Thüringen habe es bisher keine Probleme gegeben. "Wir haben aber schon von Einrichtungen gehört, in denen Männer keine Kleinkinder wickeln dürfen." Gischkowski nimmt das Thema gelassen. Er wohnt im Nachbardorf Ulla und genießt den Bonus eines Einheimischen. Die Eltern vertrauen ihm.
Voreilige Verdächtigungen sind nicht der einzige Grund, warum der Erzieherberuf bei Männern ein Image-Problem hat. "Das fängt schon bei der Frage an, ob Kitas getrennte Toiletten für Männer und Frauen haben", sagt Braun. Kindergärten in freier Trägerschaft seien da oft fortschrittlicher als die staatlichen Einrichtungen. Das spiegelt sich auch in der Männerquote wieder. In Kindergärten mit freiem Träger sind immerhin über zwei Prozent der Angestellten Männer - in den staatlichen Kitas sind es nur etwas über ein Prozent. Das Projekt "JuniorExperten" läuft in Thüringen zunächst drei Jahre. Dass bis dahin die angestrebten 20 Prozent erreicht werden, hält Braun für äußerst unwahrscheinlich.
Quelle: dpa
Mama schrieb:
am 30. August 2011 um 12:40:05
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@Beobachter
Da muss nichts künstlich aufgebauscht werden! Man denke nur an den zuletzt gefassten "Maskenmann" der mit grösster
Hingabe Erzieher war, auch sind es immer wieder Lehrer oder Trainer und nicht zu vergessen, sehr viele Geistliche. Das Pack zieht sich dahin, wo es seine Opfer findet und bleibt leider unentdeckt bis wieder was passiert ist! Und übrigens, von wie vielen weibl. Erzieherinnen hört man solche Sachen? Mir ist nichts bekannt!
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Beobachter schrieb:
am 30. August 2011 um 11:31:07
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Nachtrag: ...
Da Heute eher "offene Gruppen" in den Kitas üblich sind, wäre der Kindergärtner NIE wirklich allein mit den Kindern.
Gefährlich für die Kinder sind eher die "Verwandschaft". Aus Langzeituntersuchungen weis man, dass nur ein Bruchteil der Übergriffe von Fremden passieren (auch wenn die Einzelfälle öffentlich sehr aufgepauscht werden). Fasst immer sind es Anverwande, wie Onkel, Grossväter oder die Väter selbst. Also sind die Kinder, wenn, dann eher in der Familie gefährtet als in d
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Beobahter schrieb:
am 30. August 2011 um 11:24:40
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Neben dem Gehalt, spielt in ....
Deutschland (leider NUR in Deutschland) sehr stark mit, dass jeder männliche Kindergärtner sofort in die
"Pädo-Ecke" gestellt wird. In anderen Ländern, selbst in den USA ist die Quote an Kindergärtnern bedeutend höher. Dabei gibt es Heute auch Kinderkrankenpfleger in den Kliniken. Es ist einfach ungewohnt, wenn Männer in Frauenberufen arbeiten. Auch tut die Sensationspresse und -fernsehen mit ihren grösstenteils inszinierten "Pädo-Geschichten" ihr übriges. Es wird mehr erfunden,
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