11.10.2011, 10:59 Uhr
Wissenschaftler plädieren auf eine "interkulturelle Öffnung" - Schulen sollen sich an die Schüler anpassen. (Foto: archiv)
In deutschen Großstädten stammt fast jedes zweite Kind aus einer Zuwandererfamilie. In Offenbach sind es noch viel mehr. Die Nachbarstadt von Frankfurt versucht mit einer Reihe von Programmen das umzusetzen, was Fachleute in der Integrationspolitik fordern.
Die Kinder in Offenbach kommen aus rund 150 Nationen. In vielen Kindergärten und Grundschulen der hessischen 120.000-Einwohner-Stadt stammen längst mehr als 90 Prozent der Jungen und Mädchen aus Zuwandererfamilien. "Mein Ziel ist, dass wir irgendwann von internationalen Kitas und Grundschulen sprechen und nicht mehr von Einrichtungen mit hohem Migrantenanteil", gibt Bürgermeisterin Birgit Simon (Grüne) die Richtschnur der ehrgeizigen Integrationspolitik in der verarmten Großstadt vor.
Die Fachwelt ist sich einig: Um den rund vier Millionen Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien in Deutschland gerecht zu werden, muss das Bildungssystem umgestellt werden. Die Offenbacher haben sich dafür Hilfe aus der Schweiz geholt: Mit Wissenschaftlern aus dem Nachbarland haben sie in allen Kitas Sprachförderprogramme eingeführt und bauen die Einrichtungen zu frühkindlichen Bildungsstätten um. "Nur mehr Vorlesen oder mit den Kindern mehr Reden reicht nicht", sagt Simon. Die Quote der Dreijährigen, die in den Kindergarten gehen, sei innerhalb von acht Jahren von 75 auf 97 Prozent gesteigert worden.
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Ein wichtiger Schritt, denn Kinder mit ausländischen Wurzeln seien bei den Bildungsverlierern noch überrepräsentiert, betont der Entwicklungspsychologe Wassilios Fthenakis. Weil das Bildungssystem lange nur auf deutsche Schüler zugeschnitten war, stehe es vor einer der größten Herausforderungen seiner Geschichte. Der renommierte Fachmann fordert eine "Kultur der Anerkennung", die die Unterschiedlichkeit bejahe und nutze. "Die Familien dieser Kinder müssen stärker in das Bildungssystem eingebunden werden."
Deswegen besuchen in Offenbach speziell ausgebildete Lotsen Zuwandererfamilien mit ganz kleinen Kindern und machen sie etwa mit Spielzeug vertraut. Elternnetzwerke werden geknüpft, und Simon entwickelt zusammen mit Migrantenvereinen und Imamen Förderprogramme zur Integration. An gut der Hälfte der Grundschulen gibt es Ganztagsklassen. Die Nachfrage sei sogar noch höher, aber nicht alle Schulen wollten mitmachen.
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Wegen der neuen Anforderungen müsse auch die Ausbildung von Erziehern und Lehrern reformiert werden, ist sich Fthenakis mit der Erziehungswissenschaftlerin Yasemin Karakasoglu einig. Das Mitglied des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) fordert: "Die Schulen müssen sich darauf einstellen, dass Kinder, deren Muttersprache nicht deutsch ist, der Normalfall sind." Die Wissenschaftlerin der Uni Bremen plädiert auch für "eine interkulturelle Öffnung" der Schulen. "Nicht die Kinder haben sich an die Schule, sondern die Schule hat sich an die Kinder anzupassen." Wenn soziale Benachteiligung noch dazu komme, müssten die Schulen nachmittags qualitativ hochwertige Bildungsangebote machen.
Zu den notwendigen Reformen gehöre auch die sprachliche Bildung, sie müsse die natürliche Mehrsprachigkeit der Schüler kontinuierlich berücksichtigen, verlangt Karakasoglu. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Stephan Articus, betont: "Der Schlüssel für gelingende Integration liegt darin, dass Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund möglichst früh gut Deutsch lernen - auf jeden Fall vor der Einschulung."
Einig sind sich die Fachleute auch, dass in Deutschland mehr Geld in die Bildung gesteckt werden muss. "Von 36 Industrieländern stehen wir nur an 30. Stelle", mahnt Fthenakis mit Blick auf die jüngste OECD-Studie. Und der Präsident des Deutschen Kinderschutzbunds, Heinz Hilgers, bemängelt: "Als einziges entwickeltes Land haben wir eine Kinderförderung, die den Reichen viel mehr gibt als den Armen."
Quelle: dpa
Victoria schrieb:
am 12. Dezember 2011 um 09:46:32
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Anppassung
als ich mit meinen Eltern vor 30 Jahren nach Südafrika ausgewandert bin, hatten wir uns anzupassen. In der dortigen Schule wurde
mir fehlender Anpassungswille mit dem Rohrstock ausgetrieben. So muss es natürlich nicht sein. Wenn man in einem anderen Land leben möchte hat man sich den Regeln und Bräuchen dort anzupassen und nicht das Land dem Migranten. Wenn einem das nicht passt, sollte man dort hingehen, wo man herkommt.
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baby kinderlos schrieb:
am 14. Oktober 2011 um 08:40:11
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immer der mehrheit anpassen
in meiner ausbildung vor 45 jahren, hieß es noch, du bist freiwillig hier, also schließe deine meinung an
unsere vorstellungen an. und recht hatten sie, sie hatten vorstellungen, ziele und lösungen, die meiner lebensauffassung entsprochen haben und mitch für den späteren weg geformt haben. wäre ich nicht damit zurechtgekommen, hätte ich mir eine andere schule und später sicher eine andere berufsausbildung gesucht. nur so macht das miteinander sinn und nicht andersrum!
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Meggy schrieb:
am 11. Oktober 2011 um 21:51:57
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bodenlose unterstellung
Wann hatten sie das letzte Mal mit Jugendlichen oder Kindern zu tun?!
Sonderschulen für Migrantenkinder. MAl auf die
Idee gekommen, dass es eine ziemliche Leistung ist, eine neue SPrache zu lernen, in einem fremden Land und eine Schule zu besuchen. Die meißten sind sehr intelligent!
Es muss vielmehr eine Annäherung von beiden Seiten erfolgen!!!
und Schulen müssen so verosrgt werden, dass sie aller Bedürfnisse gerecht werden!Nur dadurch ist friedliches Lernen möglich!
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