29.11.2011, 10:28 Uhr
Auch kleine Kinder machen sich große Gedanken. (Quelle: dapd)
Es ist eine schwere, eine philosophische Frage, nicht nur für Fünfjährige: Wo war ich, bevor ich auf der Welt war? Aber das kleine Mädchen hatte eine Antwort parat: "Da war ich in den Gedanken meiner Mama." Gänsehaut habe sie da bekommen, erzählt Kita-Leiterin Margit Knapp. "Da ist mir die Kinnlade runtergeklappt: Was in so einem kleinen Kopf schon an unendlichem Wissen über die Welt steckt."
Seit sechs Jahren philosophieren Knapp und die Erzieherinnen in der Münchner Kindertagesstätte BMW FIZ Strolche mit Vier- bis Sechsjährigen, einmal in der Woche eine Stunde lang. Es geht um Themen wie Freundschaft, das eigene Ich, Glück, Gerechtigkeit - Themen, die den Kindern aus ihrer eigenen Erfahrung vertraut sind. Deswegen funktionieren die philosophischen Zirkel für die ganz Kleinen auch: Weil auch schon Vierjährige begreifen, wie wichtig für sie der beste Freund ist, weil es auch Fünfjährige unfair finden, wenn einer mehr Kekse bekommt als der andere und eine Vorstellung von Gerechtigkeit haben. "Natürlich können auch Kinder philosophieren: Sie machen sich ja auch schon Gedanken um ihre Welt", sagt Knapp.
Um Wissensvermittlung geht es dabei nicht, weder Aristoteles noch Kant werden zitiert. Auch dass die philosophischen Runden die Sprachentwicklung fördern, hat sich erst im Nachhinein gezeigt. Wie nebenbei werden den Kindern dafür Gesprächskultur und Respekt vermittelt. Beim Philosophieren, darauf legen die Erzieher Wert, gibt es kein richtig und falsch, niemand wird ausgelacht. "Die Kinder lernen, dass ihre Meinung großes Gewicht hat, dass sie gehört werden", sagt Erzieherin Katrin Fischer.
Darum geht es auch der "Akademie Kinder philosophieren", mit denen die Kita bereits seit sechs Jahren zusammenarbeitet. Man wolle es Kindern ermöglichen, frei zu denken, während Schulunterricht vor allem zielorientiert sei, sagt die Vorsitzende Roswitha Wiesheu: "Die Kinder entwickeln dadurch etwas, was man heute dringend braucht: Urteilskraft."
Das Interesse an Philosophie für Kinder wächst. Selbst in die Lehrpläne hält sie Einzug: Über Wahlpflichtfächer hinaus wird im Religions- oder Ethikunterricht philosophiert; in Mecklenburg-Vorpommern gibt es ein eigenes Unterrichtsfach ab der ersten Klasse. Auch die Anfragen an die Akademie nehmen zu. In der kommenden Woche etwa startet die bisher größte Fortbildungsreihe, bei der über drei Jahre 300 Pädagogen in ganz Oberfranken für das Philosophieren mit Kindern geschult werden.
"Wir haben die Philosophie aus dem Elfenbeinturm der akademischen Disziplinen herausgelöst und wollen Philosophieren als Kulturtechnik etablieren - es müsste eigentlich Schulalltag sein", sagt Wiesheu. Vielleicht wachse das Interesse auch, weil die Menschen in diesen Zeiten eher verunsichert seien. "Die Menschen brauchen Orientierung - das traut man der Philosophie zu."
Hervorgegangen aus einem Pilotprojekt feiert die Akademie, deren Träger das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft ist, im Januar ihren fünften Geburtstag als eigenständige Einrichtung. Seitdem setzt sie sich dafür ein, die Bedeutung der Philosophie in Kindergärten und Schulen zu fördern, indem sie Erzieher und Lehrer fortbildet oder mit eigenen Referenten Veranstaltungen durchführt. Weltweit ist sie nach eigenen Angaben das einzige Institut, das Pädagogen das Philosophieren als Erziehungs- und Bildungsprinzip nahebringt.
"Wir vermitteln keine Ideengeschichte, es ist kein rein kognitiver Ansatz - es geht auch um Wahrnehmungen und Gefühle. Die Kinder sollen in einem vertrauensvollen Umfeld die Fragen stellen können, die sie bewegen", erklärt Wiesheu. Trotzdem sei Philosophieren nicht beliebig, ergänzt Projektleiter Christoph Rude, der Erkenntnisgewinn sei für jeden, der philosophiere, das wichtigste Ziel - auch für die Kinder, die ja über ihre eigenen Fragen sprächen. So lernen sie auch, Dinge zu reflektieren und ihre Meinung zu begründen.
Bei den BMW FIZ Strolchen wird diesmal zum Beispiel über Gerechtigkeit philosophiert. "Wenn alle Süßigkeiten haben, wäre das gerecht - dann hat jeder was", findet Lara. Es könne aber nicht nur gerecht auf der Welt zugehen, meint Julius, "weil es nicht so viele Sachen gibt." Und Linda findet, wenn man alles hat, dann solle man seine Sachen wieder verschenken, "dann hat man auch wieder Wünsche frei." Im Nachhinein seien die Erzieher oft überrascht, was aus den Kindern heraussprudele - als Erwachsener komme man da nicht drauf, sagt Fischer.
Quelle: dapd
Magdalena schrieb:
am 4. Dezember 2011 um 14:01:32
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Kinder
Mathematik und Physik, Fremdsprachen und nun auch noch Philosophie im Kindergarten. Man muss dem Kind halt einen Namen geben und
erklären, dass die Kinder verblöden, wenn sie nicht mit 3 Monaten in die Kinderkrippe gebracht werden. Jeder, der wenigstens ein Kind erzogen hat und diese Zeit bewusst mit ihm gelebt weiß mehr über Bildung und Erziehung als Menschen, die am grünen Tisch Lernprogramme entwickeln.
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Lilli schrieb:
am 4. Dezember 2011 um 10:36:45
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Stundenplan
Immer schon und nicht nur zur vorgegebenen Zeit haben Kinder philosophiert. Und ihre Erzieherinnen haben dies bewusst
unterstützt. Und sie machen das auch heute noch. Wenn sie gut sind! Ohne genügend Zeit und Raum kann ich ein Stunde Philosophie pro Woche ansetzen, es wird nichts wirklich dabei herum kommen! So lange Erzieherinnen als Basteltante und Hilfs- oder VorschullehrerInnen angesehen und benutzt werden, so lange werden wir dem Bedürfnis und den Fähigkeiten des Kindes nicht gerecht
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