21.12.2009, 09:07 Uhr | rev
Kevin, Chantal, Jaqueline: Lehrer haben Vorurteile gegenüber Kindern mit bestimmten Vornamen. (Bild: Imago)
Der Vorname, den Eltern ihren Kindern geben, kann die späteren Bildungschancen wesentlich beeinträchtigen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Erziehungs- wissenschaftlern der Universität Oldenburg. Sie befragten 2000 Grundschullehrer, welche Erwartungen vorgegebene Namen in ihnen auslösen würden. Bei bestimmten Namen stellten die Forscher einen deutlichen Zusammenhang zu Annahmen fest, die Fähigkeiten und Verhalten der Kinder betreffen, während kritische Distanz nur selten anzutreffen war. "Diese einseitigen Erwartungen der Lehrer könnten dazu führen, dass Schüler in Schubladen gesteckt werden, aus denen sie nur schlecht wieder herauskommen", warnt die Studienleiterin Astrid Kaiser.
Vornamen sagen nichts aus über Kinder, sondern über ihre Eltern, da diese für die Benennung zuständig sind. "Eltern geben durch die Namensgebung Signale, die Lehrer geben dafür Etiketten", so Kaiser. Wer zu einkommensschwachen sozialen Schichten gehöre, neige statistisch dazu, bei der Namensgebung auf berühmte Persönlichkeiten wie etwa Filmstars oder auch Filmfiguren zurückzugreifen. "Bereits einen Monat nach Start des Films 'Kevin allein zu Haus' stieg die Zahl der Kevins weltweit stark an. Das Prinzip lautet, groß sein zu wollen, wenn man selbst klein ist. Für das Kind erreicht man damit jedoch genau das Gegenteil", so Kaiser.
Denn der Name "Kevin" war auch derjenige, der am deutlichsten in den Lehrerköpfen Stereotype für Verhaltensauffälligkeit weckte. "Viele der Befragten gaben an, hundertprozentig sicher zu sein, dass Kinder mit diesem Namen nur problematisch sein können. In einem Fragebogen fand sich der Kommentar 'Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose'", so die Oldenburger Forscherin. Leistungsschwäche oder Verhaltensauffälligkeit wurde auch den Namen Chantal, Mandy, Angelina, Justin oder Maurice zugeschrieben, während Charlotte, Sophie, Marie, Hannah, Alexander, Maximilian, Simon, Lukas oder Jakob positiv behaftet sind.
Zwar stecke in jedem Vorurteil ein Tröpfchen Wahrheit, gibt Kaiser zu. Jedoch sollte man besonders als Lehrer keine direkten Rückschlüsse allein aus dem Namen eines Kindes ziehen. "Jedes sechste Kind ist von Armut betroffen. Von dieser Gruppe hat jedoch die Hälfte der Kinder bemühte Eltern, gute Bildungsmöglichkeiten und auch eine dementsprechend gute Entwicklung. Generalisierungen werden genau diesen Kinder zum Verhängnis und sollten daher vermieden werden." Um zu einer fairen Beurteilung zu gelangen, sei es für Lehrer wichtig, Distanz zu Assoziationen zu schaffen, die ein Name weckt. "Man muss sich bewusst werden, dass auch bei bestimmten Namen positive Entwicklungen möglich sind. Für den richtigen Umgang mit eigenen Vorurteilen gibt es spezielle Fortbildungen." Eltern rät die Wissenschaftlerin, bei der Namensgebung nicht auf Medienvorbilder zurückzugreifen, sondern lieber bei Vornamen der Verwandtschaft auf Suche zu gehen.
Auch eine Untersuchung der Technischen Universität Chemnitz zeigte, dass Menschen, noch bevor sie eine andere Person kennen, mit ihrem Namen bestimmte Eigenschaften assoziieren. Die Studie "Ein Vorname sagt mehr als 1000 Worte" von 2006 hatte damals 30 Mädchen- und 30 Jungennamen auf deren Wirkung hin analysiert. Auch hier wurde deutlich, dass Menschen Vorurteile gegenüber Personen mit bestimmten Namen haben. Zum Beispiel verbinden sie mit Namen wie Olaf oder Uwe unattraktive und auch eher unintelligente Personen. Bei den Vornamen Lukas und Katharina denken beispielsweise hingegen viele an besonders kluge Menschen.
rev
Clothilde schrieb:
am 13. Juli 2011 um 23:30:21
(0)
(0)
Ernst
Da kann ich nur sagen; aus Spaß wurde Ernst und Ernst geht jetzt in die dritte Klasse.
Kommentar melden
Schülerin schrieb:
am 18. November 2010 um 16:22:33
(0)
(0)
an "ich"
Das ist doch Quatsch. Lehrer denken sich wegen überforderung Schubladen aus? Dieses sog. "Schubladendenken" haben ALLE Menschen,
man nennt es auch Vorurteile, und die bilden sich von ganz allein, das geht jedem Menschen so, und ja, sogar dir ;) Ich hab übrigens eine Chantal im Englisch-LK mit 1A Noten, verallgemeinern kann man dieses Problem also nicht...
mehr
Kommentar melden
ich schrieb:
am 26. August 2010 um 09:07:15
(0)
(0)
negative Namensdeutung
Ist doch typisch für unser Pädagogenvolk. Der Wunsch Lehrer zu werden entsteht heute nicht mehr aus einer inneren
Berufung, sondern aus der Annahme, auf leichte Weise viel Geld zu verdienen. In der Praxis kommt dann das böse Erwachen und etliche unserer Pädagogen sind durch die bösen, ungezogenen und zum Widersprechen neigenden Kinder überfordert; und dann ist man geneigt, sich solche Schubladen auszudenken, um an einzelnen seinen Frust abzubauen.
Eigentlich schade für Deutschland!
mehr
Kommentar melden
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Die neue Frühlingskollektion von Topmarken: tolle Schuhe, Mode u.v.m. - Versand gratis. mehr
Extravagante und schicke Damen-
mode für die neue Saison: jetzt online bestellen. von WENZ
Fieber, Halsschmerzen, Bauchweh? Hier finden Sie den richtigen Arzt für Ihr Kind. Kinderarzt-Suche
Kalendermethode, Klingelhose, Homöopathie - das sind gängige Therapien gegen Bettnässen.
Giftig, mangelhaft, gefährlich? Worauf Eltern beim Spielzeugkauf achten sollten. Spielzeug