06.08.2010, 10:13 Uhr | rev
Kevin, Chantal, Jaqueline: Lehrer haben Vorurteile gegenüber Kindern mit bestimmten Vornamen. (Bild: Imago)
"Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose!" Dieser Kommentar, den eine Lehrerin im Rahmen einer Lehrer-Umfrage äußerte, sorgte 2009 für Schlagzeilen. Kann es wirklich sein, dass der Vorname, den Eltern ihren Kindern einmal gegeben haben, derartige Vorurteile bei den Pädagogen hervorruft und am Ende womöglich sogar die Bildungschancen des Kindes beeinträchtigt? Was dahinter steckt, untersuchte nun die Oldenburger Erziehungswissenschaftlerin Astrid Kaiser.
Astrid Kaiser will nachweisen, dass in Sonderschulen und Hauptschulen mit Vorurteilen belastete Namen häufiger vorkommen. Für die Studie habe sie Namenslisten der Abgänger von Sonderschulen, Hauptschulen und Gymnasien verglichen, wie sie im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" ("NOZ") erklärt. Die Ergebnisse sollen Ende August vorliegen.
Die Wissenschaftlerin glaube, dass die negative Besetzung von Vornamen möglicherweise mit der Benachteiligung von Migrantenkindern im deutschen Bildungssystem im Zusammenhang steht, berichtet die Zeitung. Der Koordinator der PISA-Studie bei der OECD, Andreas Schleicher, bekräftigte in der "NOZ" diese These. Schüler mit Migrationshintergrund landeten auch dann oft in der Hauptschule, wenn ihre Leistungen ähnlich gut waren wie die von Schülern in anderen Schulformen. Das deutet darauf hin, dass fehlerhafte Einschätzungen, eventuell sogar echte Vorurteile, eine Rolle spielten.
Der neuen Untersuchung war eine weitere Studie von Astrid Kaiser vorangegangenen. Kaiser hatte 24 Modevornamen wie Kevin und Mandy ausgewählt und in einer Online- Umfrage ihre Wirkung auf Grundschullehrer getestet. Die meisten ordneten die Träger solcher Namen einem bildungsfernen Unterschichtmilieu zu. Kevin führte dabei die Rangliste der unbeliebten Namen an. Positiv bewertet wurden dagegen Jungen mit den Namen Lukas und Jakob.
"Diese einseitigen Erwartungen der Lehrer könnten dazu führen, dass Schüler in Schubladen gesteckt werden, aus denen sie nur schlecht wieder herauskommen", warnte Kaiser damals und lieferte auch gleich eine Erklärung für die Vorurteile der Lehrer mit: Die Vornamen sagten natürlich nichts aus über Kinder, aber über ihre Eltern, da diese für die Benennung zuständig sind. "Eltern geben durch die Namensgebung Signale, die Lehrer geben dafür Etiketten", so Kaiser. Wer zu einkommensschwachen sozialen Schichten gehöre, neige statistisch dazu, bei der Namensgebung auf berühmte Persönlichkeiten wie etwa Filmstars oder auch Filmfiguren zurückzugreifen. "Bereits einen Monat nach Start des Films 'Kevin allein zu Haus' stieg die Zahl der Kevins weltweit stark an. Das Prinzip lautet, groß sein zu wollen, wenn man selbst klein ist. Für das Kind erreicht man damit jedoch genau das Gegenteil."
Zwar stecke in jedem Vorurteil ein Tröpfchen Wahrheit, gab Kaiser nach den Ergebnissen der ersten Studie zu. Jedoch sollte man besonders als Lehrer keine direkten Rückschlüsse allein aus dem Namen eines Kindes ziehen. "Jedes sechste Kind ist von Armut betroffen. Von dieser Gruppe hat jedoch die Hälfte der Kinder bemühte Eltern, gute Bildungsmöglichkeiten und auch eine dementsprechend gute Entwicklung. Generalisierungen werden genau diesen Kindern zum Verhängnis und sollten daher vermieden werden."
Um zu einer fairen Beurteilung zu gelangen, sei es für Lehrer wichtig, Distanz zu Assoziationen zu schaffen, die ein Name weckt. "Man muss sich bewusst werden, dass auch bei bestimmten Namen positive Entwicklungen möglich sind. Für den richtigen Umgang mit eigenen Vorurteilen gibt es spezielle Fortbildungen." Eltern rät die Wissenschaftlerin, bei der Namensgebung nicht auf Medienvorbilder zurückzugreifen, sondern zum Beispiel lieber in der Verwandtschaft auf die Suche nach geeigneten Vornamen zu gehen.
Quelle: t-online.de , dpa
JoJoGo schrieb:
am 6. August 2010 um 19:36:10
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Pascal-Maurice
Es ist im Prinzip egal welche Namen: denn entscheidend ist das Verhalten der Kinder mit einem bestimmten Namen. Wenn alle
Problemlinder demnächst Lukas oder Paul heißen,wird das dann selbe Vorurteil entstehen wie heute bei Kevin und Pascal-Maurice.
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Andreas schrieb:
am 6. August 2010 um 19:05:49
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Vornamen - Verhalten
Es stimmt. Ich arbeite seit 25 Jahren mit Kindern. Es stimmt. Bestimmte Namen bringen immer wieder dieselben
Verhaltensweisen mit sich. Fragt die Erzieher und Lehrer um euch herum. Wobei es natürlich - und auch Gott sei Dank - Abweichungen gibt. Mit diesem Thema kann man ein Buch füllen. Vielleicht sollten Forscher einmal eine Langzeitstudie machen.
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Jürgen schrieb:
am 6. August 2010 um 19:04:02
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Name als Benachteiligunggrund? Wohl kaum
Vielmehr scheint es doch von einer nicht zufälligen Trefferquote der Eltern sogen. Bildungsferner
Haushalte bei der Auswahl bestimmterNamen zu geben - ich habe da auch aus der Schulzeit meiner Kinder ein paar treffende Namen gefunden. Die Lehrer trifft hier noch weniger Schuld als die Kinder, vielmehr ist es traurig, dass sich zu viele Eltern nicht für die Bildung ihrer Kinder interessieren, denn der Staat wird es NICHT richten. Etwas muss den Eltern ja auch noch an Einfluss bleiben....
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