04.11.2010, 14:41 Uhr | Simone Blaß
Vorpubertät: Die Hormone schlagen Purzelbäume. (Bild: imago) (Quelle: imago)
Noch heute erinnere ich mich mit Grauen an meinen zehnten Geburtstag. Wochenlang hatte ich dem großen Ereignis entgegengefiebert. Denn, da war ich ganz sicher, ich war auf dem besten Weg, erwachsen zu werden. Schließlich würde ich jetzt ein Teenager sein! Als meine Großmutter mich aufklärte, dass ich der englischen Rechtschreibung auf den Leim gegangen war und noch sage und schreibe weitere drei Jahre in der Kindheit verbringen musste, war der Geburtstag gelaufen. Ich fiel aus allen Wolken. Und kreierte für mich den Begriff des "Ten-Agers". Heute nennt man es vorpubertär.
Da könnte man ja jetzt meinen, ich wäre bei meinen Mädels absolut vorbereitet gewesen. Doch diese sogenannte Vorpubertät schlich sich bei uns ziemlich fies von hinten an und ihr erster Vorbote war geruchsmäßiger Natur. Es roch plötzlich etwas streng, wenn sich mehr als ein Kind in unserer Nähe befand. Was letzte Woche noch die Duftnote "Viel Gras mit etwas Schokolade und ein wenig Seife" trug, verwandelte sich jetzt in "Viele Hormone trotz Unmengen von Seife".
Doch das war noch lange nicht alles. Die Band "Unheilig" plärrt mir seitdem in voller Lautstärke und ab halb sieben Uhr morgens sein ganzes Leid entgegen und selbst wenn die Pferdebildchen noch da sind, die Katzen-Konterfeis sind über Nacht im hintersten Eck des Schrankes verschwunden und leisten dort den hübschen rosa Kleidchen Gesellschaft. Die wurden nämlich von heute auf morgen allesamt aussortiert und durch die schwarzen, abgetragenen und totenkopfverzierten Klamotten der großen Cousine ausgetauscht. Heimlich.
Als ich mich, selbst früher eine passionierte Flickenjeansträgerin mit hennagefärbtem Haargesichtsvorhang, dabei ertappte, dass ich meine Tochter fragte, ob sie denn allen Ernstes mit einem Loch in der Hose und solchen Haaren zum Geburtstag ihrer Freundin gehen wolle, da wurde es mir schlagartig bewusst: Ich bin meine eigene Mutter! Doch was diese damals noch schockte, würde mir generationsbedingt gerade mal ein kühles Lächeln abringen. Wer regt sich denn heute noch über eine Tätowierung oder ein Piercing auf? Da stellt sich doch dann die Frage: Was werden sich unsere Kinder ausdenken, um uns zum Verzweifeln zu bringen? Graue Faltenröcke und Vokuhila-Minipli-Dauerwellen? Frei nach dem Motto: Wenn ich groß bin, werde ich auch mal Spießer?
Doch diese Sorge ist lange nicht alles, was mich seit kurzem auf Trab hält. Denn auch die Qualität unserer ehemals gepflegten häuslichen Konversationen hat sich deutlich verändert. Es sind Wörter bei uns eingezogen, die ich sehr seltsam finde. Und wenn der Ton wirklich die Musik macht, dann könnte man bei uns manchmal davon ausgehen, man befinde sich irgendwo zwischen chilligen Lounge-Klängen in den guten und noch sehr kindlichen Momenten und heftigstem Thrash-Metal in den anderen.
Erst vor kurzem hat mich unsere Große ziemlich verblüfft, als sie im Rahmen eines kleinen Streits mit vor Wut funkelnden Augen meine Nase lauthals und in aller Öffentlichkeit als "hässliche Hakennase" bezeichnete. Das nur mühsam verkniffene freche Grinsen des Aufmüpfigen-Küken-Vaters bestätigte mir ganz deutlich das eben Gehörte. Ich war sprachlos - und froh, dass sie nicht "Du mit deinem dicken Hintern" oder "Du mit deinen komischen Klamotten" gebrüllt hatte, denn das hätte mich deutlich mehr getroffen. Was ich natürlich nicht laut zugebe. Wer will so einem in Wut gefangenem Persönchen schon Steilvorlagen liefern? Unsere Tochter plärrte also noch weitere 47 Minuten alles Mögliche in die Welt, um dann heulend in ihrem Zimmer zu verschwinden. Für den Rest des Tages.
Irgendwie erinnerte ihr Verhalten mich ein wenig an meine letzte prämenstruelle Phase, nur die zwei Tafeln Schokolade fehlten. Unsere Kinderärztin bestätigte mir beim nächsten Besuch den Verdacht und konnte sich ebenfalls ein Grinsen nicht verkneifen, als ich entsetzt laut hochrechnete, wie viele Jahre Hormon-Chaos in doppelter Ausführung mir jetzt bevorstünden. Übrigens: Als meine Süße an besagtem Abend bereit war, wieder mit mir zu reden und sich entschuldigte, tat sie es mit den Worten: "Weißt du Mama, eigentlich finde ich deine Hakennase gar nicht hässlich, sondern eher witzig." Na vielen Dank.
Quelle: t-online.de
jrg schrieb:
am 16. September 2011 um 11:51:08
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pubertine
die ohren werden dir klingeln, weil du uns belogen hast. an die wand nageln wirst du sie wollen. aber dich nicht trauen, weils ja
verboten ist. ich kann nur von mir sprechen, ich empfand meine pubertät nicht als so anstrengend, eher waren meine eltern anstrengend, bin dann mit 17 abgehauen von zu hasue, war die beste entscheidung meines lebens, würde es immer wieder so machen. und meine mutter hat die zeit auch noch nicht vergessen nach 45 jahren!!!!
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achim schrieb:
am 12. November 2010 um 16:22:46
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pubertät
ich warte sehnsüchtig darauf, denn ich werde mich dann wiedererkennen (zu mindest versuchen) und mein mäuschen wird zu jungen,
selbständigen fräulein.
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