
28.07.2011, 14:55 Uhr
Das größte Problem bleibt die Kinderbetreuung. (Foto: imago)
Berlin zahlt Elterngeld und erfindet Vätermonate - trotzdem ist der Effekt nahe null: Deutsche Paare sind kaum zu überzeugen, mehr Kinder zu bekommen. Denn Arbeit und Familie sind in diesem Land nur schwer vereinbar. Wie schaffen andere Länder das?
Die jüngsten Zahlen waren gar nicht schlecht. 2010 kamen in Deutschland mehr Babys zur Welt als im Jahr davor. Immerhin 678.000 kleine Menschen, ein Plus von 13.000. In manchen Regionen Deutschlands gab es sogar einen kleinen Babyboom. "Erster Geburtenüberschuss in Hamburg seit 1968", titelte das "Hamburger Abendblatt" Mitte Juli. Seit mehr als vier Jahrzehnten kamen in der Hansestadt im vergangenen Jahr wieder mehr Babys auf die Welt, als Menschen starben.
Das Familienministerium in Berlin zeigte sich angesichts solcher Zahlen vorsichtig optimistisch, sprach von neuer Lust auf Familie. Bevölkerungsforscher aber sehen lediglich eine normale Schwankung - und noch keine Trendwende. Nächstes Jahr könne es durchaus wieder ein Minus geben.
So geht das nun seit geraumer Zeit. Ein banges Starren auf die Entwicklung der Zahlen, die - je nach Standpunkt - unterschiedliche Interpretationen zulassen. Und trotz aller neuen Instrumente wie Elterngeld, Vätermonate und Ausbau der Kindertagesbetreuung gibt es keine wirkliche Veränderung. Nun keimen in Berlin neue Ideen, wie man die Geburtenrate mit weiteren Geschenken steigern könnte: Familienministerin Kristina Schröder, selbst gerade Mutter geworden, möchte Frauen den Wiedereinstieg in den Job nach der Babypause mit einem staatlichen Zuschuss zur Haushaltshilfe erleichtern. Details dazu sollen demnächst vorgestellt werden. "Momentan laufen die parlamentarischen Gespräche", erläutert Sprecherin Charlotte Cary von Buttlar. Wieder geht es dabei um die individuelle Förderung von Eltern mittels Geld - ein gern benutztes Instrument der deutschen Familienpolitik.
Damit ändert sich aber nichts am drängendsten Problem: der Betreuung. Zwar haben alle Kinder ab 2013 von ihrem ersten Geburtstag an einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Ob das Ziel jedoch angesichts des schleppenden Ausbautempos vor allem im Westen Deutschlands noch erreicht werden kann, ist zumindest fraglich.
Doch selbst wenn das klappen sollte, bleibt ein weiteres großes Problem: die Öffnungszeiten von Kitas und Horten. Vor 8 Uhr und nach 16 oder spätestens 17 Uhr geht nur in den seltensten Fällen noch etwas. Was also tun als Krankenschwester oder Ärztin mit Früh-, Spät- und Wochenendschichten? Was tun als Verkäuferin im Lebensmittelgeschäft, die um 6 Uhr die Regale auffüllen muss? Was tun, wenn der Chef in der Kommunikationsabteilung mal wieder ein Meeting auf 17 Uhr gelegt hat? Und wer hat schon Oma und Opa in der Nachbarschaft, die regelmäßig einspringen können?
Immer noch müssen sich Mütter in Deutschland rechtfertigen, wenn sie kurz nach der Geburt und womöglich auch noch in Vollzeit wieder arbeiten gehen. So hat sich erst kürzlich SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles als "karrieregeil" beschimpfen lassen müssen, wie sie in einem Interview sagte. Sie habe Briefe in rüdem Tonfall bekommen, weil sie eine nur kurze Babypause eingelegt hat.
So unterschiedlich sind die Gepflogenheiten weltweit:
Die Zahl der Geburten gilt als einer der wichtigsten Indikatoren für Wohl und Wehe eines Landes - der berühmte demografische Faktor. Ausreichend Kinder sichern den Lebensstandard der älteren Generationen, sie werden auf dem Arbeitsmarkt gebraucht. Werden nicht genug oder zu viele Babys geboren, gerät das Gleichgewicht in Gefahr. Damit verändert sich auch die Gesellschaft: Was wird etwa aus "la Mamma", wenn in Italien so wenige Kinder geboren werden wie sonst nirgendwo in Europa?
In Deutschland ist die Geburtenrate zu niedrig, in Griechenland ist die Lage noch schlimmer. In Pakistan dagegen werden zu viele Kinder geboren, es gibt Familien mit zwölf Sprösslingen und mehr. Manche Staaten versuchen schon seit Jahrzehnten, mit politischen Mitteln die Lebenspläne ihrer Bürger zu steuern - mit Erfolg etwa in Skandinavien. Die USA brauchen keine staatlichen Anreize - sie zahlen weder Kindergeld, noch organisieren sie einen bezahlten Mutterschutz. Die Mittelschicht ist stolz auf ihren Nachwuchs, Kinder zu haben, ist eine Frage des Prestiges.
Geburtsrate pro Frau in ausgewählten Ländern | ||||
Land | 2011* | 2009 | 2005 | 2000 |
Niger | 7,60 | 7,1 | 7,3 | 7,5 |
Uganda | 6,69 | 6,3 | 6,6 | 6,8 |
Pakistan | 3,17 | 3,9 | 4,2 | 4,7 |
USA | 2,06 | 2,1 | 2,1 | 2,1 |
Großbritannien | 1,91 | 2,0 | 1,8 | 1,6 |
Norwegen | 1,77 | 2,0 | 1,8 | 1,9 |
Deutschland | 1,41 | 1,4 | 1,3 | 1,4 |
Italien | 1,39 | 1,4 | 1,3 | 1,3 |
Griechenland | 1,38 | 1,5 | 1,3 | 1,3 |
Hongkong | 1,07 | 1,0 | 1,0 | 1,0 |
Macau | 0,92 | 1,0 | 0,9 | 0,9 |
Quelle: Weltbank | ||||
Quelle: Spiegel Online
kerstin schrieb:
am 11. Januar 2012 um 09:06:44
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(0)
geburtenrate
wieso schreit jeder dass es zuwenig Kinder gibt, und die Politik für mehr Kinder in Deutschland plädiert - Ist mir völlig
unverständlich !
wir haben eine Bevölkerungsdichte (Global) gesehen die 7 Milliardengrenze überschritten. Dem Planeten droht also der Kollaps !? Egal wenn Deutschland zuwenbige Kinder hat, sieht es hingegen Ost- Asien wiederrum ganz anders aus. Warum so ein kleinkarriertes Handeln und ein noch viel größeres unverständnis herrscht unter den Wirtschaftler,Statikern, Politikern
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Andreas schrieb:
am 29. August 2011 um 17:43:12
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(1)
Katzengejammer!
Als studierter Historiker(nein, nicht arbeitslos, sondern ordentlich bezahlt und Brot um dummen Bemerkungen vorzubeugen)sage
ich, dass es Kinder in Deutschland wirtschaftlich NIE BESSER hatten ALS HEUTE.Kein Kind muss hungern -die Ernährung ist im Schnitt relativ gesund und ausreichend- Schule ist bis zum Abitur kostenlos, jedes Kind hat ein Dach über dem Kopf, die medizinische Versorgung ist hervorragend,etc.
Die Probleme sind Egoismus, Schwarzseherei und der fehlende Blick für das Wesentliche
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Andrea schrieb:
am 3. August 2011 um 21:38:51
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Kinder
Warum immer das Gejammer es gibt zu wenig Kinder.Auf der Erde leben 7Milliarden Menschen,das ist mehr als genug.
Es müßten die Leute
belohnt werden,die auf Kinder verzichten.
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