26.10.2011, 09:29 Uhr | rev
Plastikchemikalie schädigt ungeborene Mädchen Weichmacher Bisphenol A kann schwere Auswirkungen auf das Kind haben.
Der Kunststoff-Weichmacher Bisphenol-A ist eine hormonell wirksame Chemikalie und steht im Verdacht, unfruchtbar zu machen, die Gehirnentwicklung zu schädigen und Krebs auszulösen. Diese gesundheitlichen Folgen haben auch in Deutschland in diesem Jahr zum Verbot von Babyflaschen geführt, die den Weichmacher enthalten. Wie nun aber eine in "Pediatrics" erschienene Studie zeigt, kann sich der Stoff bereits im Muttlerleib auf Kinder auswirken.
Der Weichmacher Bisphenol A, der zur Herstellung von Plastik und Kunstharzen verwendet wird, befindet sich unter anderem in der Beschichtung von Konservendosen, in Zahnarzt-Produkten oder auch in Plastikflaschen. Es ist fast unmöglich der Chemikalie aus dem Weg zu gehen. Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet, sei Bisphenol A heute bei fast allen Menschen im Blut vorhanden - und damit auch bei Schwangeren.
Für die aktuelle Studie der Harvard School of Public Health wurden die Daten von 244 Müttern und ihren dreijährigen Töchtern aus der Region Cincinnati untersucht. Die Mütter hatten zwei Urinproben während der Schwangerschaft und eine zur Zeit der Geburt abgegeben, die auf Bishpenol A getestet wurden. Ihre Kinder wurden zwischen ihrem ersten und dritten Lebensjahr jährlich auf den Weichmacher untersucht. Zudem machten die Mütter, als ihre Kinder drei Jahre alt waren, Angaben zum Verhalten ihrer Töchter.
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"Keines der Kinder wies klinisch anormales Verhalten auf, aber manche Kinder hatten größere Verhaltensprobleme als andere", so Studienleiter Joe Braun. "Daraufhin untersuchten wir den Zusammenhang zwischen den Bisphenol A-Werten der Mütter und Kinder und den auffälligem Verhalten."
Bisphenol A wurde in über 85 Prozent der Urinproben der Mütter entdeckt und in über 96 Prozent der Proben der Kinder. Während die Werte bei den Müttern zwischen der ersten Probe und der letzten zum Zeitpunkt der Geburt in etwa gleich blieben, nahm die Belastung durch den Weichmacher bei den Kindern zwischen eins und drei ab, lag allerdings bei stärkeren Veränderungen über den Konzentrationen ihrer Mütter.
Nachdem andere beeinflussende Faktoren ausgeschlossen werden konnten, stellte sich heraus, dass Frauen mit einem hohen Bisphenol A-Wert in der Schwangerschaft eher hyperaktive, aggressive, ängstliche oder depressive Töchter hatten, die ihre Emotionen schlechter kontrollieren konnten. Für Jungs konnte ein solcher Zusammenhang nicht hergestellt werden.
Die Studie bestätigt zwei frühere Untersuchungen, die auf den Einfluss von Bisphenol A im Mutterleib auf das Verhalten von Kindern hingewiesen haben. Die aktuelle Studie zeigt aber zum ersten Mal, dass eine Belastung im Mutterleib folgenreicher ist als in späteren Jahren.
Auch weil noch nicht alle Zusammenhänge zwischen Bisphenol A und Entwicklungsstörungen bekannt sind, empfehlen die Wissenschaftler beispielsweise auf Konservendosen, plastikverpackte Nahrungsmittel oder Kunststoffflaschen weitgehend zu verzichten, die mit der Recycling-Nummer 7 gekennzeichnet sind.
Quelle: t-online.de
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