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Weiterführende Schulen: Das Ende der Unbeschwertheit?

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Das Ende der Unbeschwertheit?

01.06.2011, 14:46 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli

Die Umstellung auf die weiterführende Schule kann viele Kinder demotivieren und auch überfordern. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Die Umstellung auf die weiterführende Schule kann viele Kinder demotivieren und auch überfordern. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Für viele Schüler bedeutet die anstehende Zeugnisausgabe vor den Sommerferien auch den Abschied von der Grundschule. Dann beginnt für sie eine neue Ära des Lernens auf einer weiterführenden Schule. Für zahlreiche Kinder ist dieser Wechsel, vor allem wenn sie auf ein Gymnasium gehen, nicht nur mit Erwartung und Freude verbunden. Sie schauen mit Bangen auf das neue Schulleben, wissen nicht, was sie erwartet. Genauso wie ihre Eltern, die dem Leben nach der vierten Klasse skeptisch entgegensehen, da von nun an vieles anders läuft. Doch wie kann man dieser Zäsur - dem Übertritt in eine neue "Lernwelt“- positiv begegnen? Und wie können Eltern ihre Kinder unterstützen, den schulischen Neubeginn ohne Angst vor Überforderung zu schaffen? Wir geben zehn Tipps für den Schulwechsel.

Anspannung und Unsicherheit

Die etwas renovierungsbedürftige Turnhalle des altehrwürdigen Gymnasiums platzte aus allen Nähten, als der Direktor an einem heißen Sommertag die 120 Neuankömmlinge mitsamt ihren Familien begrüßte. Die Gesichter waren allesamt ein wenig angespannter, als vier Jahre zuvor. Damals traten die Kinder freudestrahlend mit leuchtenden Augen und bunten Schultüten zum "Ernst des Lebens" an. Doch glaubte man den skeptischen Minen, begann der "Ernst des Lebens" erst jetzt - mit Übertritt in die weiterführende Schule.

Und genau das machte der Direktor unmissverständlich klar: "Ihr wisst, dass es hier nicht mehr so ist wie in der Grundschule. Ihr habt viel mehr Fächer, mehr Lehrer und ihr bekommt mehr Hausaufgaben auf. Und Nachmittagsunterricht wird es auch geben. Außerdem werden die Zensuren nicht mehr so gut ausfallen. Ihr werdet euch daran gewöhnen müssen, dass es nun schlechtere Noten gibt als eine Drei. Immerhin bedeutet eine Vier ja ausreichend." Meistens wird der Direktor Recht behalten - vor allem, was die Noten und den damit verbundenen Leistungsdruck betraf.

Ängste und Eingewöhnungsschwierigkeiten

Dass sich in der weiterführenden Schule einiges ändert und viele Kinder mit den Neuerungen anfänglich nur schwer zurechtkommen, bestätigen auch zahlreiche besorgte Eltern in Chatrooms. Da schreibt Edda: "Mein Sohn ist jetzt auf das Gymnasium gewechselt. Er hatte immer gute Noten und ging gerne zur Schule. Aber jetzt hat er Angst in die Schule zu gehen, weil alles so groß ist und er noch nicht alle Lehrer kennt. Er beklagt sich über Übelkeit und Bauchweh, schafft es nicht den Schalter umzukippen und etwas gelassener zu werden." Und Gil meint: "Unsere Große ist jetzt im Gymi. Die Umstellung war enorm. Da wurde Wissen verlangt, das so gar nicht im Lehrplan der Volksschule stand - folglich auch nicht gelehrt wurde. Dann kam noch die Umstellung von der behüteten Umgebung auf die Riesenschule. Und natürlich die höhere Stundenzahl und das Lernen. Unsere Große muss sich jetzt täglich stundenlang vorbereiten und hat vorher nie was zusätzlich machen müssen."

Verspieltes Lernen in der Idylle

Dass die Grundschulen die Kinder nicht ausreichend auf die weiteren Schulen vorbereiten, beklagte bereits die vierfache Mutter Gerlinde Unverzagt, unter dem Pseudonym Lotte Kühn, in ihrem sehr umstrittenen und als polemisch kritisiertem "Lehrerhasserbuch". Hier bezeichnet sie die Grundschule als eine Art verlängerten Kindergarten, der im Klassenzimmer stattfände. Bissig schreibt sie, dort werde ein idyllisches, flauschiges Schonbiotop ohne Regelzwang, Leistungsdruck und häufig ohne Noten kultiviert, was für die Kinder eigentlich schön sei, aber nicht auf das hinleite, was danach käme: "Und dann ganz verspielt verzweifeln sie auf der nächsten Schule, weil sie nicht mitbrachten, was dort verlangt wurde: die Fähigkeit zu tendenziell spielfreiem und, mein Gott ja, sogar spaßfreiem Lernen, wenn es unbedingt mal sein muss“, empört sich die Autorin in ihrem Buch.

Zu frühe Aufteilung

Trotz der fast satirischen Überspitzung des Themas, trifft Gerlinde Unvezagt dennoch einen wunden Punkt im System. Denn Kinder am Ende der vierten Klasse sind tatsächlich noch sehr verspielt und behütet, wenn sie den geborgenen Raum Grundschule verlassen müssen. Nach Meinung von vielen Experten ist dies einer der Gründe, warum der Übergang vielen so schwer fällt. Denn mit circa zehn Jahren könne man bei einem Schüler noch nicht endgültig entscheiden, welche Neigungen er hätte und welche weiterführende Schule gemäß seiner Fähigkeiten die beste wäre.

Die Aufteilung der Kinder nach dem vierten Schuljahr in Deutschland ist weltweit nahezu einmalig. Im europäischen und angloamerikanischen Bereich gibt es das nirgendwo. In den erfolgreichen "PISA-Ländern" bleiben die Kinder mindestens neun bis zehn, in Kanada sogar zwölf Jahre in ihrem vertrauten Klassenverband zusammen. Der Hirnforscher Gerald Hüther nennt in einem Interview über Kindererziehung mit "Zeit online", die deutsche Einheitsschule, die mit der Rasenmäher-Methode alle Kinder gleich zu stutzen versuche und deren Zeugnis nach der vierten Klasse über den Berufsweg entscheide, "ein Verbrechen, das an den Kindern begangen wird."

Nur das Abitur zählt

Als Königsweg der Schulbildung gilt hierzulande immer noch der direkte Weg zum Abitur, der die besten Berufsaussichten garantiert. Deshalb wünschen sich die meisten Eltern diesen Abschluss für ihre Kinder und versuchen am Ende der dritten und in der vierten Klasse alles daran zu setzen, dass ihre Sprösslinge gute Zensuren nach Hause bringen, um den Wechsel aufs Gymnasium zu schaffen. Vor allem in Akademikerhaushalten und in Großstädten gilt es mittlerweile als selbstverständlich, dass der Nachwuchs die höhere Schule besucht. Doch um dort hinzukommen, muss man erst die Hürden des schulischen Aschenputtelprinzips überwinden, indem vorgesehen ist, das die Guten aufs Gymnasium, die weniger Guten auf die Realschule und die Schlechten auf die Hauptschule kommen. Dieses Selektionssystem und die hohen Erwartungen vieler Eltern an ihre Sprösslinge erzeugen vor allem bei den Kindern bereits am Ende der Grundschule großen Druck.

Der Ehrgeiz der Eltern

Wer es sich leisten kann, macht seinem Nachwuchs mit Nachhilfe fit für den Übertritt, beugt sich selbst über die Hausaufgaben und feilscht mit Lehrern über die Bewertungen. Denn in den meisten Bundesländern sind die Zensuren ausschlaggebend für den weiteren Bildungsweg: In Bayern, Baden-Württemberg.und Brandenburg zählt allein der Notendurchschnitt, in Nordrhein-Westfalen braucht man eine verbindliche Empfehlung der Schule und in Hessen und Hamburg dürfen die Eltern wählen. Der bekannte Schweizer Kinderarzt und Autor der Longseller "Babyjahre" und "Kinderjahre" Remo L. Largo prangert seit langem in seinen Büchern den Förderwahn in der Familie und in der Schule an. Er hält es für einen Irrsinn aus allen Kindern Banker machen zu wollen. Für Largo handelt es sich um eine "hochgradige Hysterie der Erwachsenen."

Dabei könnten viele Eltern entspannter mit dem Thema umgehen, denn das deutsche Bildungssystem ist durchlässiger als gemeinhin unterstellt wird. Zahlreiche Studien belegen, dass eben nicht über das ganze Leben entschieden wird, wenn ein Schüler nicht sofort aufs Gymnasium kann. Immerhin erlangen circa 45 Prozent der Studenten ihren Hochschulabschluss über einen anderen Bildungsweg.

Mit neuen Herausforderungen umgehen lernen

Wenn der Wechsel auf eine weiterführende Schule geschafft ist, heißt es für die Kinder Einleben und Umgewöhnen. Gerade auf dem Gymnasium beginnt jetzt ein anderes Lernen und auch sonst müssen sich die jungen Schüler mit viel Neuem arrangieren:

  • Der Schulweg kann nun viele länger sein und die Kinder müssen nun selbstständig die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen und eventuell sogar mehrmals umsteigen.

  • Durch den längeren Schulweg müssen die Kinder morgens das Haus früher verlassen und müssen deshalb auch früher aufstehen.

  • Die Schule ist nun wahrscheinlich größer und anonymer. Es fehlt die fürsorgliche und liebevolle Atmosphäre der Grundschule. Die Kinder treffen nun auf viele ältere Schüler - sind nun wieder die "Kleinen".

  • Es gibt viel mehr Lehrer, die nur ein Fach unterrichten und die Schüler einer Klasse nur wenige Stunden pro Woche sehen. Dadurch wird es schwieriger ein vertrautes Verhältnis zu den Pädagogen aufzubauen.

  • Der Klassenlehrer kann sich häufig nicht mehr so intensiv wie Grundschulpädagogen um die Belange der Kinder kümmern, da er ebenfalls meist nur für ein Fach in der Klasse verantwortlich ist und die Kinder nicht so häufig sieht.

  • Auch an viele neue Mitschüler müssen sich die Kinder gewöhnen und jeder muss sich in der Klasse, die oft mehr als dreißig Schüler umfasst, wieder seine Position erarbeiten. Oftmals wird sich durch das neue Umfeld auch der Freundeskreis verändern.

  • Neu ist auch der Nachmittagsunterricht, der mit aufsteigenden Klassen vor allem im Gymnasium jährlich zunehmen wird.

  • Das größte Problem für die meisten "Neuzugänge" ist das "andere Lernen": Zum einen nimmt an der weiterführenden Schule das Arbeitstempo zu und zum anderen sind im Vergleich zur Grundschule die Leistungsanforderungen wesentlich höher. Vor allem am Gymnasium wird von den Schülern erwartet zunehmend theoretisch und abstrakt in komplexen Zusammenhängen zu denken. Das setzt eine hohe Lesekompetenz voraus, ohne die man beispielsweise kompliziertere Sachtexte nicht bearbeiten kann.

  • Hinzu kommt, dass nun mehr Fächer unterrichtet werden, für die jeweils auch Hausaufgaben anfallen können. Diese beanspruchen normalerweise deutlich mehr Zeit als während der Grundschule.  

  • Auch müssen sich die Kinder umgewöhnen, nicht mehr von ein auf den anderen Tag Hausaufgaben zu machen. Manchmal haben sie dafür einige Tage Zeit. Das setzt einen gewissen Weitblick voraus und die Fähigkeit sich über einen größeren Zeitraum selbstständig zu organisieren, um das Pensum zu schaffen. Es gibt nun nämlich keinen Lehrer mehr, der permanent daran erinnert, an was zu denken ist. Das betrifft auch das Packen der Tasche. Meist müssen durch die Vielzahl der Fächer täglich andere Bücher und Hefte in den Ranzen.

  • Das größte "Aha-Erlebnis" wird sich bei den Zensuren einstellen. Denn gibt es die ersten Klassenarbeiten, müssen sich die meisten Schüler darauf vorbereiten, dass nun wesentlich  strenger bewertet wird und es schwieriger sein wird eine Eins oder eine Zwei zu schreiben.  

Trotz dieser vielen Herausforderungen müssen Kinder keine Angst vor dem Schulwechsel haben. Denn mit Neuem und Unbekanntem umzugehen, bedeutet nicht automatisch Misserfolg zu erleben und schlechte Erfahrungen zu machen. Doch damit die Hürden anfangs nicht zu hoch erscheinen, können Eltern ihre Kinder unterstützen und motivieren. Zehn wichtige Tipps dazu finden Sie hier.


Quelle: t-online.de

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Kommentare (10)

zum Forum

Thema: "Weiterführende Schulen: Das Ende der Unbeschwertheit?"

Gymnasiast schrieb: am 11. Juni 2011 um 20:32:57
(0) (0) Schulwechsel
Cool bleiben, am anfang it es dem Kind villeicht nicht ganz wohl bei allem,doch ihr Kind wird nun erwachsener und wird
sichschnell an sie neue Situation gewöhnen. Bald ist mit der der neuen Schule shr zu frieden und will gar nicht mehr auf die alte Schule zurück,im Gegenteil, die alte Schule wird es demnächst als kindisch einstufen. Ihre Kinder werden den Umbruch schon ganz alleine packen!!!
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Carlos schrieb: am 9. Juni 2011 um 07:58:35
(0) (0) Grundschule
Aus eigenen erfahrungen weiß ich wie manche Eltern ihre Kinder mit einem fürchterlichen Notendurchnitt auf ein Gymasium
schicken und nach zwei jahren auf die Realschule zurückfallen.Das sind die Art von Eltern die selbst in der Schule versagt haben.Unsere Kinder hatten damals einen guten durchschnitt aber wir haben sie entscheiden lassen auf welcheine schule sie gehen wollen,und sie haben Spaß an der schule und sind unbeschwert.Lieber ein guter Realschüler als ein verhauenes ABI.
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mutter5 schrieb: am 8. Juni 2011 um 15:17:28
(0) (0) Schulwechsel
Meine Tochter wechseld nun auch die Schule, Eltern sollten mit ihren kKnder reden und Sie einfach nur überanspruchen.Gymnasium
ist wichtig und nur das zählt.Käse wenn man sein Kind kennt weiß man welche Schule seinem Kind gut tut.Es gibt heut zu Tage so viele möglichkeiten, weiter zu machen.Das die Kinder es schwer haben ist meistens der zu hohen Erwartungshaltung der Eltern zu zu sprechen. Wir gehn auf eine gute Realschule und das ist gut so.
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