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Wenn der Baby-Blues nicht aufhört

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Wenn der Baby-Blues nicht aufhört

24.10.2008, 15:46 Uhr | mmh

Vom Babyblues zur Depression.

Vom Babyblues zur Depression. (Foto: Archiv)

Heulen und Rum-Zicken statt Mutterglücks-Rausch: Nach überstandener Schwangerschaft und Entbindung rinnen oft Tränen, keiner kann es den Müttern recht machen, Hormon-Achterbahn auf Abwärtsfahrt. Das ist der ganz normale Baby-Blues, der die Hälfte aller Mütter trifft. Er setzt meist am dritten Tag nach der Geburt ein und verschwindet etwa am zehnten Tag wieder. Doch bei zehn bis 15 Prozent der Frauen entwickelt sich daraus eine postpartale Depression mit Folgen für die Gesundheit von Mutter und Kind.

Mütterdepression hat Auswirkung auf die Kinder

Unruhig, reizbar, traurig, so fühlen sich viele Frauen nach der Geburt, das ist der sogenannte Baby-Blues. Endet dieses Seelentief allerdings nicht etwa am zehnten Tag nach der Entbindung, besteht die Gefahr, eine ernsthafte postpartale Depression zu entwickeln. Die beeinträchtigt die frühe Mutter-Kind-Beziehung und wirkt sich auch langfristig auf die kindliche Entwicklung aus. „Langzeitstudien zeigen, dass die betroffenen Kinder weniger aktiv sind und weniger Sozialkompetenz und schulischen Erfolg haben als Kinder nicht-depressiver Mütter. Dafür sind sie häufiger verhaltensauffällig. Auch kognitiv und sprachlich schneiden sie schlechter ab. Negative Folgen sind bis ins Erwachsenenalter nachzuweisen, zum Beispiel in einem dreifach erhöhten Risiko für Angststörungen, Depressionen und Substanzmissbrauch", erläutert Schide Nedjat, Ärztliche Direktorin der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster.

Stillen schützt Babys

Schon bei Neugeborenen lassen sich Auffälligkeiten feststellen, beispielsweise ein erhöhter Wert des Stresshormons Cortisol. Babys depressiver Mütter zeigen im Elektroenzephalogramm (EEG) ähnliche Muster wie chronisch depressive Erwachsene. Still-Babys scheinen vor den Folgen der mütterlichen Depression geschützt zu sein, ihr EEG ist nicht auffällig. Schide Nedjat führt dies auf die engere Bindung zurück: "Stillende Mütter berühren und streicheln ihre Kinder häufiger und nehmen mehr Blickkontakt zu ihnen auf, als depressive, nicht-stillende Mütter."

Ursachen und Anzeichen für Depressionen

Meist spielen mehrere Faktoren zusammen: die massive hormonelle Umstellung, ein starkes Geburtserlebnis, finanzielle Schwierigkeiten, Beziehungsprobleme, eigene psychische Erkrankungen oder Angehöriger. Über- und untergewichtige Frauen sind häufiger betroffen als normalgewichtige. Auch bei dieser Krankheit gilt: Je früher sie erkannt und professionell psychotherapeutisch behandelt wird, desto höher sind die Heilungschancen und die Entwicklungsmöglichkeiten für das Kind. Symptome sind: anhaltende Traurigkeit, häufiges Weinen, innere Leere, Erschöpfung, Energielosigkeit, große Reizbarkeit, Nervosität, Panikattacken, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Herzbeschwerden, zwiespältige Gedanken gegenüber dem Kind, Schuldgefühle, Verlust des Lebenswillens. Die Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg bereitet gerade eine Studie über Angststörungen bei Schwangeren vor. Frauen, die vor während oder nach der Geburt an solchen Störungen gelitten haben und deren Kinder noch jünger als drei Monate sind, können sich für die Untersuchung melden oder sich dort beraten lassen. Telefon: 06221 - 564420. Doch häufig schämen sich Frauen für ihre negativen Gefühle, halten sich für schlechte Mütter und verschweigen ihr Problem sogar dem Partner. Auffällig häufig trifft diese Erkrankung junge Akademikerinnen.


Quelle: dpa

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