08.04.2010, 08:48 Uhr | Jenni Zwick
Paare müssen zusammenhalten - gerade, wenn ein unerfüllter Kinderwunsch die Beziehung belastet. (Bild: Archiv) (Quelle: imago)
"Wer wirklich will, wird auch schwanger!" - wenn es doch so einfach wäre. Trotz Kinderwunsch kommt es bei etwa jedem fünften Paar nicht zu einer Schwangerschaft. Eine Befragung des Allensbacher Instituts ergab, dass sich nur acht Prozent der Deutschen bewusst gegen Nachwuchs entschieden haben. Freundinnen und Arbeitskolleginnen werden schwanger, die Schwester bekommt schon das zweite Kind und die Schwiegereltern wünschen sich so sehr ein Enkelchen. Ungewollt kinderlose Paare stehen unter enormen Druck. Häufig hat das Paar schon alles probiert: Sex nach Kalender, Hormonbehandlungen, operative Eingriffe und zu guter letzt künstliche Befruchtungen. Das Hoffen auf das Ausbleiben der Periode und die monatliche Enttäuschung bestimmt das Leben dieser Frauen und ihrer Partner. Schätzungen zufolge warten etwa 1,4 Millionen Paare in Deutschland vergebens auf Nachwuchs. Die Tendenz ist steigend. Doch was können Frauen aus psychologischer Sicht tun, bei denen "es" einfach nicht klappt? Wie können sie lernen, mit dem Los der Kinderlosigkeit umzugehen? Und wie können ihnen ihre Partner helfen?
Früher ein erfülltes Sexleben - spontan und ungeplant, heute nur noch nach Temperaturmessung und Eisprungkalender - bei fast allen ungewollt kinderlosen Paaren verändert sich der Sex. "Verkehr nach Termin" beeinträchtigt die Freude im Bett ungemein und häufig führen medizinische Schritte dazu, dass die Sexualität außerhalb der fruchtbaren Tage eingeschränkt wird oder gar nicht mehr stattfindet, da dem Paar "die Lust vergangen" ist. Jede Chance zur Befruchtung muss genutzt werden, ob die Partner gerade Lust haben oder nicht, ist zweitrangig. Verstreicht der Termin, ist das schlechte Gewissen da und er oder sie machen sich Vorwürfe - kein Wunder, dass "die schönste Sache der Welt" so keinen Spaß mehr macht. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte sich das Paar allerdings überlegen, wie sie weiter mit dem Thema Kinderwunsch (und Sex) umgehen, denn langfristig bleibt so ihre Beziehung auf der Strecke.
Auch wenn die Seele schmerzt und der Wunsch nach einem positiven Schwangerschaftstest noch so groß ist, Verbissenheit bringt nichts. Ein Kind lässt sich nicht erzwingen, auch nicht durch Temperaturmessen oder Hormonbehandlung - selbst eine künstliche Befruchtung muss nicht zwangsläufig zur Schwangerschaft führen. Den meisten Frauen fällt eines am schwersten: Nichtstun. Aber Distanz zum Kinderwunsch ist der erste Schritt zur Schwangerschaft - unabhängig, ob organische Ursachen vorliegen, Behandlungen schon vollzogen wurden oder geplant sind oder eher psychische Barrieren die Schwangerschaft verhindern. Viele Frauen berichten, dass sie urplötzlich schwanger wurden, nachdem sie sich mit dem kinderlosen Leben abgefunden hatten. Doch natürlich lässt sich der Wunsch nicht einfach wegdenken. Deshalb gibt Jutta Fiegl in ihrem Buch "Unerfüllter Kinderwunsch" den Rat, den Wunsch an sich nicht "zu verleugnen oder zu begraben, sondern die inneren und äußeren Aktivitäten wegzulassen." Sprich: Versuch nicht krampfhaft nicht daran zu denken, sondern ändere dein Verhalten.
Die Psychotherapeutin empfiehlt Frauen in dieser Lage, sich zurückzuerinnern an Zeiten, in denen der Kinderwunsch - und Frust - noch kein Thema waren. Die Partner sollten versuchen, sich wieder die liebenswerten Eigenschaften des Anderen bewusst zu machen - sich sozusagen wieder neu zu verlieben. Dadurch werde mit der Zeit der Druck von den beiden Partnern genommen, so die Autorin. Allerdings führe das nur zu einem glücklicheren Leben (mit oder ohne Kind), wenn die Frauen wirklich daran glaubten, dass "gezieltes Vorgehen und dauerndes Daran-Denken kontraproduktiv" sei. Weitere Hilfsstrategien der Klinischen Therapeutin sind:
Ablenken - bewusst für sich etwas Gutes tun
Sorgen Sie für sich. Je höher Ihr Wohlbefinden ist, umso besser geht es Ihrem Körper. Deshalb gönnen Sie sich mindestens einmal am Tag etwas Angenehmes, sorgen Sie für Entspannung, ausreichend Bewegung und gesunde Ernährung.
Reden Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin
Teilen Sie sich mit und reden über Ihre Gefühle. Das ist Teil der Verarbeitung. Falls Sie sich gegenseitig schützen wollen, indem Sie das Thema nicht ansprechen, ist kontraproduktiv. Hilfreich ist außerdem, wenn Sie sich zumindest einer anderen Person anvertrauen. Ein Außenstehender kann gegebenenfalls ganz andere Denkanstösse geben.
Suchen Sie sich Ihre Vertrauten gut aus
Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Dazu gehört auch, dass Sie nicht mit allen und jedem Ihre Probleme, Gedanken und medizinischen Maßnahmen teilen. Auch wenn sie häufig gut gemeint sind, Ratschläge und Fragen zu diesem Thema können schmerzen. Auch wenn es die eigenen Eltern oder die Schwiegereltern oder gar gute Freund(innen) sind, Sie haben das Recht Ihre Privatsphäre zu schützen. Im Notfall seien Sie "frech" und stellen Sie Gegenfragen: "Warum ist es so wichtig für euch, ob und wann wir Kinder bekommen?" oder "Hattet ihr euer Kind eigentlich geplant?"
Diese Frage ist wohl die schwerste aber auch die wichtigste, denn sie zeigt, wie groß der Druck ist, der hinter dem Kinderwunsch steht. Lässt sich das Thema gar nicht ansprechen und wird es zum großen Tabu- und/oder Streitthema, ist es ein Zeichen dafür, dass Sie sich therapeutische Hilfe holen sollten. Ein Leben unter dem Diktat des Kinderkriegens schmälert schon schnell die Lebensqualität und führt langfristig in eine Sackgasse. Können Sie das Thema offen besprechen und sich darüber austauschen, sprechen Sie auch über die Möglichkeiten einer Adoption oder eines Pflegekindes. Gemeinsam mit Ihrem Partner können Sie überlegen, was es bedeutet ein Leben ohne Kinder zu leben, welche Vorteile Sie dadurch haben und wie Sie es gemeinsam gestalten können.
Mit dem Kinderwunsch abschließen, das bedeutet für viele ungewollt kinderlose Paare: aufgeben. Und doch muss irgendwann der Gedanke gefasst werden, sich von einem Leben mit Kindern zu verabschieden. Die "Trauerarbeit" in diesem Fall ist ein wichtiger Prozess des Verabschiedens und des Umdenkens. War vorher der Lebensplan klar gezeichnet - Heiraten, Karriere, Hausbauen, Kinderkriegen - muss nun zumindest der letzte Teil neu überdacht und eine Alternative dafür gefunden werden. Fiegl schreibt, dass es Mut erfordert diesen Gedanken konsequent zu durchdenken, denn das bisherige Leben dieser Paare sei gänzlich auf die Erfüllung des Kinderwunsches ausgerichtet. Aber überlegen Sie, haben Sie in der letzten Zeit Hobbys hinten angestellt, weil Sie dachten, Sie werden ja bald schwanger? Oder haben Sie noch berufliche Herausforderungen, die Sie jetzt wahrnehmen können und Ihnen Spaß machen? Versuchen Sie herauszufinden, was Sie daran hindert, jetzt schon mit diesen Träumen oder Aktivitäten zu leben, unabhängig von Ihrem Kinderwunsch. Fiegl sagt ganz klar, dass "das Loslassen, ein Sich-vom-Wunsch-Verabschieden bzw. auch eine Vorstellung von einer anderen Lebensführung der Beginn der Möglichkeit einer Schwangerschaft" ist.
Versuchen Sie, nicht zu verbissen an das Thema heranzugehen. Dazu gehört auch, sich einen Zeitrahmen zu setzen, in denen Sie die Behandlungsversuche vornehmen. Dieser überschaubare Zeitraum lässt Ihnen Möglichkeiten, Ihr Leben zu strukturieren, auch, wenn es mit dem Baby nicht klappen sollte. Sie laufen mit diesem Schritt weniger Gefahr, Ihre Lebensqualität zu verlieren und "nur" für eine mögliche Schwangerschaft zu leben.
Häufig wird vergessen, dass nicht nur die Frau trauert, wenn es mit dem Kinderkriegen nicht klappt - auch ihr Partner hat sich ein Kind gewünscht und muss mit der Situation leben. Doch meistens ist es für einen der beiden Partner (das muss nicht unbedingt der Mann sein) leichter, sich ein Leben ohne Kinder vorzustellen. Dieser kann die Initiative ergreifen und dem geliebten Menschen Alternativen nahebringen oder ihn einfach an die "alten Zeiten" zurückerinnern. Doch ist die Stimmung in der Beziehung schon sehr angespannt, ist es ratsam, dies in einer Therapie oder Beratung anzugehen. Versucht einer der Beiden aktiv, das alte (Beziehungs)Leben zurückzuholen, kann das vom anderen als Desinteresse und Aufgeben gewertet werden, was zu unüberwindlichen Beziehungsproblemen führen kann. Wenn Sie gemeinsam so weit sind, mit Abstand auf den Kinderwunsch zu schauen, können Ihnen möglicherweise die praktischen Tipps von Sozialpädagogin und Autorin Iris Enchelmaier aus ihrem Buch "Abschied vom Kinderwunsch" helfen, trotzdem ein glückliches Leben zu führen - mit oder ohne Baby.
Die Überlegungen und Handlungstipps der Autorin sollen den Paaren zeigen, dass auch ein Leben ohne Kinder lebenswert ist, es muss "nur" neu betrachtet werden. Enchelmaier bezeichnet die Zeit des Verabschiedens vom Kinderwunsch ebenfalls als "Trauerarbeit" beider Partner, in der unter anderem experimentiert werden sollte, wie das Paar die Lücke im Leben wieder positiv füllen kann. Sie macht den Vorschlag, sich eine Liste mit all den Vorteilen und Freiheiten zu machen, die kinderlose Paare genießen. Schreiben Sie sich auf, was Sie mit Ihrem Partner erleben können, was als Familie nicht möglich wäre. Planen Sie diese Unternehmungen - eine Städtereise, eine Aktiv- oder Kulturreise - und machen Sie sich bewusst, dass das etwas Besonderes ist, das Paare mit Kindern nicht machen könnten. Probieren Sie Dinge aus, die Sie bislang nicht "angepackt" haben. Diese neue Erfahrungen und Erlebnisse geben Ihnen neue Energie. Schreiben Sie es auf und fangen Sie damit an! Überlegen Sie, ob es Projekte gibt, die Sie als "übertragende Elternschaft" nutzen können. Hier geht es möglicherweise nicht um Kinder sondern um eine gemeinsame Firma, eine gemeinsame Biographie oder Homepage, vielleicht aber auch um einen neu gestalteten Garten - Hauptsache, Sie machen etwas zusammen und Sie haben ein gemeinsames Ziel. Ist Ihnen der Umgang mit Kindern sehr wichtig, überlegen Sie, welche Kinder es in Ihrem Umfeld gibt, um die Sie sich ab und an kümmern können. Die Eltern freuen sich bestimmt über eine "Patentante" und -"onkel", die alle zwei Wochen mit den Kids in den Zoo gehen. Wenn Ihnen der Kontakt zu Familien weh tut - unternehmen Sie mehr mit kinderlosen Paaren. Spätestens dann fällt Ihnen auf, wie frei Sie sind ohne Kinder.
Ratgeber Eisprungkalender
Jenni Zwick
bullerhahn schrieb:
am 2. Mai 2011 um 08:02:35
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@Jenny
bei uns war es fast genau so. meine frau versuchte 5 jahre lang schwanger zu werden. es war zuweilen richtig streß mit ihr. aber ich
konnte es erfolgreich - verhindern, denn ich wollte keine kinder. vielleicht ist es bei euch ja genau so? und wir hatten die beste verhütungsmethode die es überhaupt gibt - fast täglich und oft mehr mals sex, da wird es nichts. war ganz gut so, wir haben uns nach 11 jahren getrennt, gott sei dank ohne kinder.
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Mama schrieb:
am 15. April 2011 um 21:26:27
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Kinderwunsch
Habe 1Jahr auf eine Schwangerschaft warten müssen. Jeden Monat mit einsetzen der Regelblutung kam große Verzweiflung in mir
auf. Organisch war alles in bester Ordnung. Mein Mann ging zum Urologe und auch er bestätigte ihm dass alles in Ordnung ist.Er empfahl uns eine Schiffsreise,dazu kam es allerdings nicht. Irgendwie war der ganze innere Kinderwunschdruck weg und es hat dann doch endlich geklappt. Liebe Frauen verzweifelt nicht und seit nicht so verbissen dabei,dann klappt es auch. Viel Glück.
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Babynator schrieb:
am 13. März 2011 um 22:02:54
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Kinderwunsch
Wenn's nicht klappt würde ich erst mal entgiften. Also Schwermetalle ausleiten usw. Dann als nächstes das Handy nicht ständig
in der Hosentasche (in Nähe der Hoden/Eierstöcke) tragen. Dann auf Kunststoffbehälter verzichten die Bisphenol A an Nahrungsmittel abgeben (das Zeug macht unfruchtbar). Usw., usf. Reinigt Euren Körper innen, dann wird sich auch ein neues Seelchen für 9 Monate drin wohlfühlen.
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