19.10.2011, 11:40 Uhr | Jenni Zwick
Teenager versuchen sich durch Musik- und Modegeschmack von den Eltern abzugrenzen. (Bild: dpa) (Quelle: dpa)
Paula hört furchtbare Musik - zumindest sieht ihre Mutter das so. Auf den Covern der CD's, die sie sich von Freunden ausleiht, sind Monster und Kriegsszenen abgebildet oder es geht stattdessen nur um Depression und Selbstmord. Die Musik ähnelt eher einem dumpfen Grölen und Brüllen und die Texte versteht man kaum. Nur ein lautes "Kill, kill, kill" ist in regelmäßigen Abständen herauszuhören. Paula findet die Musik extrem cool - schließlich hören ihre Freunde die auch. Ihre Mutter allerdings macht sich Sorgen und fragt sich, ob das Kind nun völlig verrückt geworden ist: Muss sie eingreifen? Oder ist das eine ganz normale Phase in der Pubertät, die vorüber geht?
Schon in der Vergangenheit hat Paulas Mutter schlucken müssen. Freudestrahlend kam ihre Tochter eines Tages mit ihrer neuesten Errungenschaft nach Hause: Ihre Oma hatte ihr ein original bayerisches Dirndl mitgebracht. Und ihrem Bruder eine original bayrische Lederhose. Für die Mutter kaum zu ertragen - zu viel Tradition in ihrem Haus. Doch in diesem Fall dachte sie sich "Zähne zusammen beißen, das geht vorüber". Und auch die Barbie-Phase ihrer Tochter und ihre spätere Diddl-Maus-Euphorie nahm sie gelassen. Doch bei der Musik, die seit Neuestem aus Paulas Zimmer dröhnt, wird ihr ganz anders. Die Texte in den Booklets handeln von morbiden Dingen, immer wieder von Tod und Selbstmord. Wenig beruhigend für Eltern von Kindern, die gerade in die Pubertät kommen (oder mittendrin stecken).
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Mit dem Beginn der Pubertät ändert sich vieles. Was vorher nur Interesse, Hobby oder kurzzeitige Beschäftigung war, dient jetzt der Abgrenzung von den Eltern. Vor allem der Musik-, Einrichtungs-, und Modegeschmack ändert sich, meist in einem sehr kurzen Zeitraum, ohne dass die Eltern den Übergang wirklich mitbekommen. Plötzlich scheint ein neuer Mensch vor ihnen zu stehen. Die Jugendlichen belächeln plötzlich die Musik der Eltern, gehen nur noch mit Kumpeln und Freundinnen shoppen und suchen ihre Vorbilder in der "Bravo". Auch wenn es den Eltern schwer fällt und sie die Jugendlichen plötzlich nicht mehr verstehen, sie sollten ihren Kindern den Raum geben, die diese in der Zeit brauchen. Sinn und Zweck der Entwicklung eines eigenen Geschmacks ist nämlich Abgrenzung von den Alten. Der jeweilige Stil, den die Teenager entwickeln (oder abschauen) fördert den Cliquenzusammenhalt und hilft so außerhalb der Erwachsenenwelt ein eigenes Selbstverständnis zu entwickeln. Im Laufe der Entwicklung bewegen sich manche Jugendliche auch in mehreren Szenen gleichzeitig oder wechseln im Laufe der Pubertät von einer in die andere. Auch das ist ein normaler Schritt in die Eigenständigkeit, über den sich die Eltern keine Sorgen machen sollten.
Das tägliche Treffen mit der Clique, ein Trip auf ein Festival und der Wunsch nach einem Tattoo oder Piercing: Auch wenn Ihnen der Lebensstil und die Wünsche Ihres Kindes nicht passen oder Sie die Musik schrecklich finden, interessieren Sie sich dafür - und für die Clique, in der sich Ihr Kind bewegt. Bleiben Sie im Dialog mit Ihrem Kind und reagieren Sie nicht gleich mit Angst und Widerstand auf die neuen Entdeckungen, sondern hören Sie sich die Motive Ihres Kindes an. Gespräche über die Gedanken, Gefühle und Wünsche Ihres Kindes stärken die Beziehung und Sie bleiben in Kontakt. Geschmacksfragen über das Äußere Ihres Kindes könne Sie diskutieren, wenn Sie etwas als unmöglich empfinden, teilen Sie es Ihrem Kind mit - doch bleiben Sie respektvoll. Reine Verbote bewirken oft das Gegenteil und entfernen Ihr Kind nur. Für Eltern ist es schwer "loszulassen" und ihren Kindern zu vertrauen und ihnen zuzutrauen, dass sie aus dieser komplizierten Zeit des Erwachsenwerdens herauskommen, ohne Schaden zu nehmen. Lassen Sie Ihre Tochter oder Ihren Sohn trotzdem gewähren, denn über Geschmack sollte man bekanntlich nicht streiten. Versuchen Sie die Phasen der Kids mit Humor zu nehmen. Einzige Ausnahme: Wenn Sie den Eindruck gewinnen, dass Drogen im Spiel sind oder in Liedern problematische Inhalte (etwa rechtsextreme Parolen oder Suizid verherrlichende Texte), dann müssen Sie selbstverständlich einschreiten.
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Quelle: t-online.de
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