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Wenn Kinder keine Nachtruhe finden: Zehn Einschlaf-Tipps

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Keine Nachtruhe: die zehn besten Einschlaftipps

29.07.2011, 16:52 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli

Das Thema Schlaf beschäftigt jede Familie. (Foto: imago)

Das Thema Schlaf beschäftigt jede Familie. (Foto: imago)

Einen erheblichen Teil seines Lebens verbringt der Mensch im Schlaf. Er ist unverzichtbar für unser Wohlbefinden. Der Körper braucht die Ruhezeit, um sich zu regenerieren und das Gehirn zum Wiederaufbau seiner Leistungsfähigkeit. Für Kinder sind diese Erholungsphasen besonders wichtig, denn sie befinden sich noch im Wachstum und benötigen deshalb wesentlich mehr Schlaf als Erwachsene. Doch nicht immer verläuft die kindliche Schlummerzeit ruhig und entspannend. Schlafstörungen können die nächtliche Ruhe erheblich beeinträchtigen.

"Schläft es schon durch?“ Diese Frage bekommen frisch gebackene Eltern sehr häufig gestellt. Und viele Väter und Mütter wissen: Das Problem der kindlichen "Schlafkompetenz“ stellt sich nicht nur in den ersten Lebensmonaten. Schlafprobleme gibt es bei Kindern in fast allen Altersgruppen. Doch Eltern können einiges dafür tun, um unruhige Nächte zu vermeiden: Wir haben zehn hilfreiche Tipps zusammengestellt.

Schlafprobleme sind häufig aber meist harmlos

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) hat etwa jedes dritte Kleinkind und ungefähr jedes zweite Vorschul- und Schulkind phasenweise Schlafstörungen. Am häufigsten haben Kinder Albträume, seltener schlafwandeln sie oder schrecken panisch nachts auf. Doch nur selten sind Behandlungen notwendig. In aller Regel seien die nächtlichen Probleme vorrübergehend und nicht besorgniserregend, so Dr. Claudia Mehler-Wex von der DGKJP: "Behandlungsbedürftig sind dagegen andauernde, gravierende Schlafstörungen, die zu erheblichen Leistungs- und Konzentrationsschwierigkeiten führen und sich negativ auf das Allgemeinbefinden auswirken.“

Das Schlafbedürfnis verändert sich

Im Gegensatz zu Erwachsenen schlafen Kinder erst ein, wenn sie vom Schlaf überwältigt werden und sie haben je nach Alter ein sehr individuelles Schlafbedürfnis. Neugeborene benötigen in den ersten Wochen etwa 16 bis 18 Stunden Schlaf, der sich in viele kurze Schlafzyklen gliedert. Wachen sie auf, finden sie oft nicht wieder selbstständig in den Schlaf zurück. Nach etwa einem halben Jahr beginnen die Babys den Unterschied zwischen Tag und Nacht zu verinnerlichen und können länger am Stück schlafen. Bis zum Grundschulalter nimmt dann das Schlafbedürfnis kontinuierlich ab: Während Zweijährige noch circa 13 Stunden schlafen, kommen Vorschulkinder nur noch mit etwa zehn Stunden aus.

"Ich will noch nicht ins Bett"

Schlafprobleme haben viele Erscheinungsformen: Manche Kinder können nicht einschlafen, andere wachen nachts auf, haben Albträume und bei vielen beginnt der Kampf mit dem Schlaf bereits beim Zubettgehen. Solche kleinen "Schlafmuffel“ wollen den Tag einfach nicht beenden. Mit phantasievollen Kapriolen dehnen sie den Abend endlos aus und werden zunehmend weinerlicher und gereizter.

Sobald sie dann endlich im Bett liegen, schlafen sie meist problemlos ein. Der Familientherapeut und Pädagoge Paul Suer, der selbst Vater ist, weiß, auf was dabei zu achten ist: "Als Eltern müssen wir aufpassen, dass wir uns von den Kindern mit Zubettgehproblemen nicht end- und fruchtlose Machtkämpfe verwickeln lassen, unter denen beide Seiten leiden. Manchmal ist ein klares Schlusswort ohne 'Wenn und Aber' hilfreicher als unendliche Überzeugungskünste."

Taktisch vorgehen und Machtkämpfe vermeiden

Manchmal ist es auch klug aus taktischen Gründen großzügig mit der Zeit umzugehen und den Kindern zuzugestehen selbst den richtigen Zeitpunkt zum Einschlafen zu bestimmen. Paul Suer empfiehlt eine sogenannte "paradoxe Intervention“, die etwa so lauten könnte: "Morgen kannst du so lange schlafen, wie du möchtest. Und deshalb solltest du heute Abend versuchen, solange, wie es geht, wach zu bleiben. Allerdings möchte ich dich bitten, in deinem Zimmer zu bleiben.“ Der Pädagoge hat gute Erfahrung mit dieser Methode gemacht: “Kinder haben ein hohes Bedürfnis nach Autonomie, das wir uns zunutze machen sollten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Kinder solche paradoxen Aufträge mit Begeisterung aufgreifen und meistens sehr rasch von selber ins Bett gehen.“

Wenn der Sandmann nicht kommt

Sind die Sprösslinge endlich im Bett, gilt es die nächste Hürde zu nehmen: das Einschlafen. Damit haben vor allem Kinder ab dem Grundschulalter Probleme. Besonders in fremder Umgebung und bei ungelösten Alltagsproblemen wälzen sie sich hin und her und haben Angst vor der Dunkelheit. Schreckliche Geschichten geistern dann durch den Kopf und Schatten an den Wänden verwandeln sich in Hexen und Kobolde. In solchen Situationen kann die Angst übermächtig werden. Deshalb sollte man die Kinder nicht in absoluter Dunkelheit schlafen lassen, ein kleines Licht anlassen oder die Tür nur anlehnen. Auch die Lieblingsstofftiere im Bett können helfen, die bösen Gedanken zu vertreiben.

Ängste erschweren das Einschlafen

Ursachen dieser Ängste sind meist Ereignisse und Konflikte im Alltag, die die Kinder mit ins Bett nehmen und die Eltern ernst nehmen sollten, rät Pädagoge Paul Suer: "Kinder mit Einschlafstörungen wollen ihre Eltern nicht ärgern oder gar täuschen. Ihre Angst ist real und unmittelbar. Deshalb sollten wir sie auf keinen Fall mit harten Worten zum Schlaf zwingen wollen. Denn Schlaf ist ein spontanes und mit dem Willen nicht steuerbares Verhalten.“ So ist es besonders wichtig geduldig mit dem Kind umzugehen und ihm Geborgenheit zu vermitteln. Angedrohte Strafen hätten nämlich einen kontraproduktiven Effekt, so Paul Suer. Denn bei Angst-und Stresszuständen würden wachmachende Hormone freigesetzt, die Energien für eine mögliche Flucht aktvierten.

Nächtliche Wanderschaft

Wenn Kinder Schlafwandeln und im Haus herumirren, sind sie im Tiefschlaf und tun scheinbar folgerichtige Dinge wie zum Beispiel ihre Kleider anziehen. Eltern sollten bestimmte Vorkehrungen treffen und an geeigneter Stelle ein Glöckchen anbringen, damit sie auf die nächtliche Wanderschaft aufmerksam werden, die Haustür abschließen und die Fenster sichern. Meist genügt es jedoch, das Kind zum Bett zurück zu führen und keinerlei Weckversuche zu unternehmen. Wenig Sinn macht es, das Kind am nächsten Morgen auf seinen nächtlichen Ausflug aufmerksam zu machen. Das erzeugt Ängste und daran erinnern können sich die kleinen Nachtwandler ohnehin nicht mehr.

Schrecken in der Nacht

Weit aufgerissene Augen, schweißgebadet und markerschütterndes Schreien unterbrochen von angstvoll gestammelten Worten - das sind die Anzeichen, wenn Kinder vom Nachtschreck ("Pavor nocturnus“) heimgesucht werden. Was Eltern meist als sehr beunruhigend empfinden, ist eigentlich harmlos. Solche nächtlichen Episoden, die immer vor Mitternacht auftreten und am häufigsten bei Kindern zwischen dem zweiten und siebten Lebensjahr auftauchen, haben nichts mit einer seelischen Störung zu tun und sind in unregelmäßigen Abständen völlig normal, klingen von alleine wieder ab.

Meist dauert ein Nachtschreck nur wenige Minuten. Dennoch sollten Eltern wissen, so Paul Suer, wie sie sich in dieser Situation verhalten sollten. "Auch wenn es so scheint: Das Kind ist nicht wach und lässt sich auch nur schwer aufwecken. Versuchen Sie es auch gar nicht, weil es Ihrem Kind nicht hilft. Es mag sich herzlos anhören, aber es hat nur wenig Sinn, das Kind beruhigen zu wollen. Es wird sich gegen körperlichen Kontakt sogar wehren. Das einzige, was Sie tun können, ist zu vermeiden, dass es sich selbst verletzt."

Unverarbeitete Konflikte und schlechte Träume

Im Gegensatz zum Schlafwandeln und zu Angstattacken haben nächtliche Albträume unmittelbar mit vorangegangenen Konflikten und belastenden Ereignissen zu tun. Vor allem Kinder zwischen drei und zehn Jahren haben ab und zu Angstträume, die immer in den Phasen des leichten Schlafes auftreten. Solchen unterbewussten Ängsten kann man jedoch vorbeugen, indem man den Tag zum Beispiel mit einem beruhigenden Ritual sanft ausklingen lässt. Das schafft Geborgenheit und trägt dazu bei, dass das Kind entspannt in den Schlaf findet.

Wichtig ist auch, dass Eltern über die Träume mit ihrem Kind reden, meint Familientherapeut Paul Suer: “Wenn Ihr Kind unter Albträumen leidet, hat es wenig Sinn, an die Vernunft zu appellieren. Das Kind ist seinen Gefühlen ausgeliefert und ist in der Nacht auf der Verstandesebene nicht ansprechbar. Reden Sie am nächsten Tag in Ruhe mit ihm und versuchen Sie nicht, ihm seine Angst ausreden zu wollen. Es würde nicht gelingen.“


Quelle: t-online.de

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