18.05.2011, 12:46 Uhr | rev
Eine Demenz der Großeltern bedeutet auch für die Kleinsten in der Familie eine enorme Belastung. (Foto: imago; Mehr Zeit für Kinder e.V.) (Quelle: imago)
Eine Demenz-Erkrankung wie Alzheimer stellt für das erkrankte Familienmitglied und für alle Menschen im nahen Umfeld eine besondere Herausforderung dar. Häufig werden die Patienten von ihren Familienangehörigen gepflegt. Doch selbst wenn der Demente in einem Heim untergebracht wird, ist die psychische Belastung für das Familienleben enorm. Auch für die Enkelkinder ist die Situation aus verschiedenen Gründen schwierig. Sie haben unzählige Fragen und das merkwürdige Verhalten und die veränderte Persönlichkeit von Oma oder Opa verunsichern sie. An dieser Stelle sind die Eltern gefragt.
Wie der Verein "Mehr Zeit für Kinder e.V." in seinem Ratgeber "Warum legt Oma ihre Brille in den Kühlschrank? Familienalltag mit Demenz" erklärt, sind Kinder von der Demenzerkrankung der Großeltern doppelt betroffen: Sie werden einerseits durch das seltsame, oft ruppige oder sogar aggressive Verhalten von Oma oder Opa verunsichert oder verängstigt. Dazu kommt, dass die Verständigung und das früher so fröhliche Zusammensein mit den Großeltern durch deren krankheitsbedingte Vergesslichkeit und Unzuverlässigkeit ungemein erschwert wird.
Andererseits leiden die Kinder in diesen Familien auch unter der anwachsenden zeitlichen, psychischen und emotionalen Belastung, die die Krankheit für die eigenen Eltern bedeutet - vor allem dann, wenn die dementen Großeltern häuslich gepflegt werden. Eingespannt in die Betreuung der Patienten haben die Eltern immer weniger Zeit für ihre Kinder. Umgekehrt führt dies häufig dazu, dass sich die Eltern Selbstvorwürfe machen, da sie sich bewusst sind, dass ihre eigenen Kinder in dieser schwierigen Phase zu kurz kommen.
Schon aus diesen Gründen ist es dringend notwendig sich gemeinsam mit den Kindern über die Krankheit der Großmutter oder des Großvaters auseinanderzusetzen und den Kindern Erklärungen zu liefern, durch die sie Verständnis für die Situation entwickeln können. Kinder stellen sich zahlreiche Fragen: "Warum ist Opa immer so schnell wütend?", "Wieso vergisst Oma ständig Dinge, die sie mir versprochen hat?", "Warum legt Oma ihre Brille in den Kühlschrank?", "Muss sie jetzt in ein Altersheim?"
Bleiben diese Fragen für die Kinder unbeantwortet, führt das oft zu Selbstvorwürfen, so "Mehr Zeit für Kinder e.V.". Vor allem jüngere Kinder neigen dazu fehlendes Wissen und fehlende Informationen durch Fantasien zu ersetzen. Schnell kann es dann geschehen, dass das womöglich ablehnende Verhalten der Großeltern die Frage hervorruft: "Macht sie das, weil ich ihr weh getan habe?"
Wie Erwachsene aus eigener Erfahrung bestätigen können, erleichtert Wissen den Umgang mit Demenzkranken erheblich - und das gilt gleichermaßen für Kinder. Können Enkelkinder das Verhalten der kranken Oma oder des Opas richtig einordnen, fällt es ihnen leichter angemessen darauf zu reagieren. So ist es für sie oft noch lange Zeit möglich mit den Großeltern zu reden, zu spielen und Spaß zu haben und gleichzeitig die schwierigen und belastenden Momente besser zu verkraften.
Doch an diesen Punkt müssen die Kinder erst einmal gelangen. Und das geht nur mit Hilfe der Eltern. So sehr diese auch selbst durch die Situation belastet werden, sie sollten sich trotzdem die Zeit nehmen, ihren Kindern mehr als die kurze Erklärung "Oma ist krank" zu bieten. Das würden die Kinder in Verbindung mit Krankheiten wie Grippe, Husten oder Windpocken bringen und ein falsches Bild von Omas Krankheit bekommen.
In seinem Demenz-Ratgeber schlägt der Verein "Mehr Zeit für Kinder e.V." stattdessen vor, den Kindern die Krankheit beispielsweise so zu erläutern: "Diese Krankheit ist anders als die, die du kennst. Sie ist auch nicht ansteckend wie zum Beispiel Windpocken oder Scharlach. Sie betrifft hauptsächlich alte Menschen. Selbst gesunde Menschen vergessen etwas oder verirren sich. Im Gegensatz zu der Vergesslichkeit eines Alzheimer-Patienten geht das aber wieder vorbei." Dabei sollten die Eltern auch immer offen und ehrlich - aber auch in kindgerechten Worten - betonen, dass die Krankheit eher noch schlimmer wird und besonders, dass die Großeltern sich nicht absichtlich böse oder verletzend gegenüber dem Kind verhalten, wenn das denn der Fall ist.
Zahlreiche Verhaltenstipps, die Erwachsene im Umgang mit Demenz-Kranken beachten sollten, gelten genauso für Kinder:
Kinder sind sehr wissbegierig: Gegenüber demenzkranken Großeltern sollten sie sich aber auf Fragen beschränken, die diese mit "Ja" oder "Nein" beantworten können - zum Beispiel "Magst du heute Wurst essen?" anstatt "Was möchtest du heute gerne essen?"
Kurze, einfache und ruhig gesprochene Sätze haben die Patienten am liebsten. Kinder sollten deshalb auch Jugendwörter wie beispielsweise "cool" vermeiden.
Gestik und Mimik bleiben für die Erkrankten verständlich, selbst dann, wenn sie mit gesprochener Sprache ihre Mühe haben. "Der direkte Blickkontakt und ein Lächeln vermitteln Sicherheit und Geborgenheit", wie es im Ratgeber von "Mehr Zeit für Kinder e.V." steht.
Umständliche Erklärungsversuche, wenn Oma oder Opa beim ersten Mal nicht begreifen, sind meistens vergebens. Eltern sollten den Kindern erklären, dass sie es lieber versuchen sollten, indem sie das gerade Gesagte mehrfach wiederholen. Opas Gehirn arbeite eben etwas langsamer.
Trotz der Krankheit gibt es sicherlich noch immer einige Dinge, mit denen sich die Großeltern sehr gerne beschäftigen. Eltern sollten die Kinder bei der Suche nach geeigneten Gesprächs- und Beschäftigungsfeldern unterstützen.
Die Kinder sollten die Großeltern nicht ständig korrigieren oder noch schlimmer: sich über das Verhalten der Dementen lustig machen. Scham oder Aggressionen sind dann oft die Folge beim Erkrankten. Oma und Opa verdienen es, weiterhin würdevoll und respektvoll behandelt zu werden!
Anders als Auslachen ist jedoch gemeinsames Lachen gewünscht und sogar sehr wichtig, denn: "Gute Stimmung stärkt die Lebensfreude." Der Humor sollte für den dementen Menschen verständlich bleiben. Komplizierte Pointen sind nicht geeignet, Situationskomik je nach Vorlieben schon.
Quelle: t-online.de
Ruhri schrieb:
am 24. Dezember 2011 um 05:37:03
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Demenz
@Bolle
Du bist ja ein ganz Schlauer, was? Mit dem Satz, daß Oma depperd ist, machst Du es Dir verdammt einfach und obendrein ziehst
Du sie damit noch ins Lächerliche. Mit depperd hat Demenz ziemlich wenig zu tun. Nimm Du erstmal die Herausforderung an und meister sie, falls diese Dir gestellt wird. Und danach bete zu Gott, daß Dir selbst dieses Schicksal erspart bleibt.
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Jeder Chef hat seine Macke schrieb:
am 24. Dezember 2011 um 00:48:14
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Demente Großeltern
Herrgott, ich habe auch schon meine Brille gesucht und hatte sie auf der Nase, statt Achselspray Rasierschaum erwischt
und ich kenne auch Mundwasser als Aftershave. Viel schlimmer ist, daß Erbanlagen eben an die nächste Generation weitergegeben werden. Also runter vom hohen Roß und um Verständnis nachsehen, mitfühlen. Sonst konnte es bei der nachfolgenden Generation ein böses Erwachen geben. Vielleicht sollte man auch begreifen, früher hatte jedes Dorf seine(n) dementen Gänsehüter.
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Harzer schrieb:
am 24. Dezember 2011 um 00:06:14
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Tja, ein E.V. ....
... für oder gegen etwas wird immer dann gegründet, wenn Fördermittel
winken. Soviel dazu. Ich Jg. 1957 habe meine
glücklichsten Kindheitserinnerungen bei den Großeltern: Oma 1915-1975, Opa 1911-2002.
Oma starb ja recht jung, aber Opa litt ab ca.75 Jahre doch deutlich
an Alzheimer aber das war eben so. Für uns war es einfach eine Folge
des Alleinseins. Was anderes wäre uns gar nicht in den Sinn gekommen. Es
gab halt noch keine "klugen" Fördermittelempfänger die uns aufklären
ko
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