20.01.2009, 13:59 Uhr | das geflügelte wort
Es ist wichtig, Müdigkeitsanzeichen des Kindes rechtzeitig zu erkennen und zu nutzen. (Bild: Archiv)
Ein- und Durchschlafprobleme von Kindern können Eltern an ihre Grenzen treiben und zu massiven Schwierigkeiten innerhalb der Familie führen. Spätestens dann sollte man sich professionelle Hilfe holen. Fast ein Drittel seines Lebens verschläft der Mensch und meistens macht er das recht gerne. Wenn ein Kind aber stundenlang Probleme beim Einschlafen hat, wenn es im Baby- oder Kleinkindalter mehrmals pro Nacht eine Flasche verlangt oder nur dann wieder schlafen kann, wenn es herumgetragen wird oder eine Haarsträhne der Mutter in der Hand hält, dann werden die Nächte bald zum Horror. Und das zieht sich über kurz oder lang auch in den Tag hinein.
Susanne hatte sich das so schön vorgestellt. Spätestens nach einem halben Jahr würde ihr kleiner Till sicher durchschlafen, sich auch tagsüber regelmäßig hinlegen lassen und der Alltag mit dem Kind würde nicht nur traumhaft, sondern auch wunderbar organisiert sein. Stattdessen schreit Till stundenlang, wenn er hingelegt werden soll. Der Kleine ist genau wie seine Mutter völlig übermüdet und der Haushalt liegt mehr oder weniger brach. Susanne ist schon froh, wenn sie es schafft, bis mittags mal unter die Dusche zu kommen. Von einem gemeinsamen Abend mit ihrem Mann Paul auf dem Sofa kann sie nur träumen. Stattdessen verbringen beide Stunden am oder im Bett des Kindes und versuchen es mit allen erdenklichen Mitteln zum Schlafen zu bringen. Besonders kontraproduktiv sind da die wohlmeinenden Ratschläge der gesamten Umgebung. Eine Horrorsituation, in der manche Eltern Dinge tun, die sie vorher kategorisch abgelehnt hätten. Und das alles nur, um das schreiende Kind endlich zur Ruhe zu bringen.
Ratgeber - Tipps, wenn Kinder nicht schlafen wollen
Ein solcher Zustand ist nicht nur nervenraubend für die restlichen Familienmitglieder, er ist auch schlecht für das Kind. Wenn dieses nämlich nicht die Möglichkeit hat, genug zu schlafen, können verbrauchte Energien nicht richtig aufgefrischt, kann Erlebtes nicht ausreichend verarbeitet werden. Was in der Regel zur Folge hat, dass das Kind tagsüber knatschig und empfindlich reagiert, unausgeglichen ist und es deutlich schneller zu Trotzanfällen und ähnlichen Ausbrüchen kommt. Und auch die Eltern, die abends Stunden am Bett des Kindes verbringen und/oder sich gemeinsam mit ihm die Nächte um die Ohren schlagen, reagieren verständlicherweise zunehmend aggressiv. Ihnen wird nicht nur eine Unmenge an Geduld abverlangt, sondern auch ein Teil ihrer Freizeit beziehungsweise ihres Schlafes gestohlen und das bleibt körperlich wie seelisch nicht unbemerkt und kann im schlimmsten Fall die Beziehung zwischen den Eltern und dem Kind stark trüben. „Nicht wenige übermüdete Eltern“, so der Schweizer Kinderarzt Remo H. Largo in seinem Buch Babyjahre, „werden in der Nacht von Hassgefühlen überfallen, die sie selber erstaunen und zutiefst erschrecken, die sie kaum je äußern und - Gott sei Dank - auch nicht in die Tat umsetzen. Gelegentlich belasten die ‚Nachtdienste‘ die Eltern dermaßen, dass es für sie undenkbar wird, weitere Kinder zu haben.“
Das Schlafbedürfnis verändert sich im Laufe der kindlichen Entwicklung erheblich. Während Neugeborene zwischen 16 und 18 Stunden Schlaf pro Tag benötigen, brauchen Kinder im Grundschulalter nur noch rund zehn Stunden, um am nächsten Tag ausgeruht zu sein. „Bei besonders ‚aufgeweckten‘ Kindern hat man beobachtet, dass sie überdurchschnittlich wenig Schlaf benötigen. Ob intelligente Kinder wenig Schlaf brauchen oder ob sie dadurch schlau geworden sind, weil sie öfter wach sind, hat noch niemand herausgefunden. Das heißt natürlich nicht, dass jedes Kind, das nur wenig Schlaf benötigt, gleich ein Genie ist“, so der Familientherapeut Paul Suer. Der Autor des Buches Wenn mein Kind nicht schlafen will: Ein Ratgeber für ruhige Nächte weist ausdrücklich darauf hin, dass der Schlafrhythmus von Kindern sehr unterschiedlich sein kann.
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